Interview

Das Aelius Förderwerk e.V.: Sozial benachteiligte Schüler*innen unterstützen

Şirin Tiryaki Portrait
Şirin Tiryaki engagiert sich beim ehrenamtlichen Aelius Förderwerk e.V., das sich für die Förderung von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Haushalten einsetzt.
Rita Rjabow, funky-Jugendreporterin

Das deutsche Bildungssystem ist ungerecht. Einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds zufolge bestimmt die soziale Herkunft maßgeblich den Bildungserfolg, die Corona-Pandemie verschärft diese Entwicklung zusätzlich. Das ist erschreckend. Doch anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, müssen Alternativen her. Şirin Tiryaki engagiert sich beim ehrenamtlichen Aelius Förderwerk e.V., das sich für die Förderung von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Haushalten einsetzt.  Im Interview spricht die 23-jährige Berlinerin darüber, was der Begriff Bildungschancen bedeutet und was gutes Mentoring beinhaltet.

Stell doch einmal kurz die Arbeit des Aelius Förderwerks e.V. vor!
Unser großes Ziel beim Aelius Förderwerks ist es, fairere Bildungschancen zu schaffen. Wir fördern insbesondere Schüler*innen aus sozial benachteiligten Haushalten, wobei der Begriff sehr weit gefasst ist. Ganz praktisch ist unsere Arbeit ist in drei Säulen gegliedert. Neben Workshops an den Schulen und einem Beratungsprogramm steht unserer Mentoring-Programm im Mittelpunkt. Dieses Programm heißt „Dialog Chancen“.

Was versteht ihr unter Mentoring?
Mentoring an sich ist eine Kombination von Austausch, Beratung und Unterstützung. Beim „Dialog Chancen“ werden berufstätige Mentor*innen mit den Jugendlichen in Kontakt gebracht, die Beratung und Unterstützung benötigen, den sogenannten Mentees. Die Mentor*innen kommen aus verschiedenen Bereichen, beispielsweise aus  Politik, Journalismus, Kultur oder Kunst. Im Vordergrund steht, dass die  Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zum Schulabschluss begleitet werden. Außerdem haben dadurch alle Teilnehmenden die Möglichkeit, sich zu vernetzen und miteinander in Kontakt zu treten. Uns ist es wichtig, dass wir junge Menschen auf ihrem Weg unterstützen können.

Was möchtet ihr ermöglichen?
Der Vorteil des Programms besteht aus dem Zugang zu Menschen, die es bereits geschafft haben, sich beruflich zu etablieren. Oft bekommen unsere Mentees diese Perspektiven zu Hause nicht vermittelt. Die Eltern können einen nicht immer beraten oder unterschiedliche Wege für den Weg nach der Schulzeit aufzeigen. „Dialog Chancen“ als Programm bietet auch Workshops zu wichtigen Themen an. Wer Interesse daran hat, sich mit Inhalten zu beschäftigen, die in der Schule oft nicht behandelt werden, kann gerne daran teilnehmen. Für das kommende Jahr ist zum Beispiel ein Workshop zum Thema Nachhaltigkeit geplant. Weitere Workshops beschäftigen sich mit Produktivität und Zeitmanagement. Das sind alles Fähigkeiten, die die Schülerinnen und Schüler brauchen, aber leider nicht ausreichend beigebracht bekommen.

Was möchtet ihr in den nächsten zehn Jahren mit „Dialog Chancen“ erreicht haben?
Wir möchten, dass unsere Mentees ihren Weg finden, egal ob über eine Ausbildung, ein Studium oder über eine andere Möglichkeit. Dialog Chancen empowert und erleichtert den Zugang zu Bildung. Zum Beispiel machen wir immer wieder  auf Stipendien für Schüler*innen aufmerksam. Wenn junge Menschen ihren Weg in und nach der Schule nicht finden, dann scheitert es nicht daran, dass sie es nicht können. Es ist entweder ein Mangel an Informationen und fehlende Unterstützung von zu Hause oder seitens der Schule.

Wer kann Dialog Chancen für sich nutzen?
Mentee werden können alle zwischen 14 und 18 Jahren. Bei der Altersgrenze sind wir aber nicht festgefahren, da Bildungsbiografien ganz unterschiedlich sind. Ein Jahr jünger oder älter macht da keinen Unterschied. Beim Zeitpunkt der Anmeldung sollten noch zwei Jahre bis zum Schulabschluss ausstehen. Es gibt keine Anmeldefrist, anmelden kann man sich jederzeit. Es ist nicht wichtig, welche Schulform die Mentees besuchen.

Was ist Bildungsungleichheit für dich?
Das wichtigste Stichwort ist der Zugang zu Bildung. Im Vordergrund steht: Was habe ich selbst für einen Hintergrund? Kinder von Akademiker*innen studieren sehr viel häufiger als Kinder von Nicht-Akademiker*innen. 2017/2018 hat der Hochschulbildungsreport bereits aufgezeigt, welche unterschiedlichen Bildungswege Kinder aus Nichtakademiker*innen- und Akademiker*innen-Haushalten aufweisen. Nur knapp jedes vierte Nichtakademiker*innen-Kind beginnt ein Studium, aus Akademiker*innen-Haushalten sind es fast 80 Prozent. Zugang zu Bildung bedeutet für uns zum Beispiel, ob die eigenen Eltern einen in Schulfächern unterstützen können oder auch einfach Nachhilfe bezahlen können. Wir als Aelius Förderwerk haben uns vorgenommen diese Ungleichheit auszugleichen. Das Team, welches hinter Aelius steht, besteht aus ehrenamtlichen Mitgliedern, die während ihrer Schulzeit Bildungsungerechtigkeit oder -ungleichheit erfahren haben. Wir versuchen den Weg für die nächste Generation zu ebnen.

Was muss man mitbringen, um sich beim Aelius Förderwerk zu engagieren?
Beim „Dialog Chancen“ gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, die Erstgespräche für das Mentoring-Programm zu betreuen. Dabei ist es wichtig, auf die Schüler*innen zuzugehen, offen zu sein und empathisch mit den zukünftigen Mentees umzugehen. Außerdem suchen wir auch immer wieder nach neuen Mentor*innen für das Programm. Wenn du gerne recherchierst und dir netzwerken Spaß machst, dann gerne einfach unter info@aelius-foerderwerk.de melden. Wir stellen keine formellen Anforderungen an die Ehrenamtlichen. Uns ist es nur wichtig, dass alle Ehrenamtlichen zusammen im Team das große Ziel im Blick haben, nämlich sich für mehr Bildungschancen einzusetzen.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.