Meinung

Ein ziemlich hoffnungsloser Jahresausblick für 2022

2022
Ein ziemlich hoffnungsloser Jahresausblick für 2022!

Auf die besinnliche Weihnachtszeit folgt das häufig bis zur Besinnungslosigkeit gefeierte Fest zum Jahreswechsel: die Silvesternacht.

Knut Löbe, funky-Jugendreporterin

Während noch eine Woche zuvor mit deutlich mehr Sitte und Anstand Jesus zum Geburtstag gratuliert wurde, verkommt die letzte Nacht jedes Jahr zu einer hemmungslosen Fusion aus Feuer und Alkohol, die um Mitternacht ihren glorreichen Zenit erreicht. Um kurz nach 0 Uhr liegt dir ein Typ in den Armen, weil er 2013 mit dir zusammen auf Konfirmations-Fahrt war und ihr „… einfach ’ne geile Konfi-Woche mit Pastor Eiermann in Eckernförde“ hattet. Du hoffst, der Typ namens David macht schnell wieder die Biege, da steckt er dir „aus Spaß“ einen brennenden Böller in die Kapuze. Du brüllst panisch, was der Mist soll. Er zieht beleidigt weiter. Als du die Story deinem Kumpel erzählen willst, hast du den Namen des Konfi-Gefährten schon wieder vergessen. Sowieso egal, weil dein Kumpel dir zu verstehen gibt, dass ER KEIN WORT VERSTEHT, WEIL DIE RAKETEN VIEL ZU LAUT SIND! Was ihn jedoch nicht daran hindert, dir ins Ohr zu brüllen: NÄCHSTE WOCHE … JOGGEN … TÄGLICH! Du nickst zustimmend und tust so, als wüsstest du, was er von dir will.

Als es dir dämmert, dass er mit dir joggen möchte, und zwar jeden Tag in der nächsten Woche, bereust du deine fehlende Weitsicht. Vor einem Monat war Black Friday, du hättest den „Deal des Jahres“ machen können: Joggingschuhe zum halben Preis. Während du der Ultra-light-Version zum Spottpreis hinterhertrauerst, verbrennen im gleichen Moment tausende Euros vor dir am Himmel – einfach so und alle machen mit. Als du dich entschließt, auch mal eine Rakete anzuzünden, weil es ja doch irgendwie dazugehört, gibt das Feuerzeug auf. Gegen den Wind haben deine mickrigen Streichhölzer keine Chance und dir tun von der Eiseskälte die Hände weh. Anfängerfehler.

Als du am nächsten Tag pünktlich zum Sonnenuntergang aufstehst, wurde die Straße schon zur Hälfte gefegt und an der Bordsteinkante sammeln sich die Glasscherben und Böllerreste. Die ganze Stadt scheint wie gelähmt von einer kollektiven Katerstimmung, kalter Winternebel erschwert die Sicht und der Rauch des Schwarzpulvers hängt immer noch in der Luft. Deine Kapuze hast du beim Neujahrsspaziergang tief in die Stirn gezogen, damit dich bloß niemand wiederkennt. Auf einmal entdeckst du David auf der anderen Straßenseite, dir bleibt aber keine Zeit, dich hinter einem Auto zu verstecken. Er scheint sich nicht an den Böller in deiner Kapuze zu erinnern, und dir ist immerhin sein Name wieder eingefallen. Ihr redet unangenehm lange, dafür dass du den Typen wirklich noch nie ausstehen konntest – auch nicht 2013 in Eckernförde.

Nachdem er dir mit präziser Genauigkeit erläutert hat, welches Getränk er am Vorabend wie häufig getrunken hat, schaffst du endlich den Absprung und flüchtest dich in deinen Hausflur. Da fällt dir auf, was du beim Rausgehen übersehen hast: Jemand hat gestern Nacht mit einem Böller deinen Briefkasten weggesprengt. Vor der verkohlten Ruine deines Postkastens schießen dir die Tränen in die Augen. Was für ein Neustart! Schon wieder ein erster Januar, an dem dir klar wird, dass du im letzten Jahr deine Vorsätze nicht mal für zwei Wochen durchgehalten hast. Dieses Jahr muss jetzt aber wirklich alles anders werden: mehr Sport, kluge Bücher, gesunde Ernährung – weniger Handykonsum, Körpergewicht und Ausgaben! Das kann doch eigentlich nicht so schwer sein. Frustriert schiebst du dir den letzten Berliner von gestern in den Mund und denkst daran, wie vielversprechend der Abend gestartet ist: mit rosigen Aussichten und voller Zuversicht für ein neues Jahr. In diesem Sinne: Frohes Neues!

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