Meinung

Rassismus ist keine Meinung – Warum die Proteste gegen Ex-AfD-Professor notwendig sind

Ein leerer Hörsaal
Ein leerer Hörsaal als Zeichen gegen die Lehre des Ex-AfD-Professors Ralph Weber.

Nachdem er vier Jahre lang im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns für die AfD tätig war, ist Ralph Weber als Professor für Rechtswissenschaften in den Hörsaal der Uni Greifswald zurückgekehrt. Nun protestieren Studierende, weil sie nicht von einem rechten Professor unterrichtet werden wollen.

Knut Löbe, funky-Jugendreporterin

Und das ist nicht nur richtig, sondern sogar ein Muss! Denn Ralph Weber hat in der Vergangenheit die Nähe zum Rechtsextremismus nicht nur nicht gescheut, sondern sogar bewusst mit ihr gespielt. Und ein solches Verhalten sollte bei einer ethisch verantwortungsvollen Position wie der eines Rechtswissenschaftsprofessors nicht toleriert werden.

Weber ist nicht erst seit seiner Zeit bei der AfD umstritten, er fiel laut „Spiegel“ schon vorher durch seine Nähe zur rechtsextremen Szene auf. Werfen wir einen Blick zurück in das Jahr 2010, als die AfD noch gar nicht existierte: Die Uni Greifswald verkündete derzeit, dass Kleidung der Modemarke Thor Steinar, welche der rechtsextremen Szene zugeordnet wird, fortan auf dem Campus unerwünscht ist. Grund dafür war nicht etwa die provokante Kleiderwahl rechtspolitischer Studierender, sondern ein bereits damals umstrittener Professor: Ralph Weber. Und dann war da noch diese Sache mit Maik Bunzel, der als Sänger der nationalsozialistischen Band „Hassgesang“ in seinen Songtexten Adolf Hitler glorifizierte. Die menschenverachtenden, rechtsextremen Songtexte waren für Weber offenbar kein Grund, auf Distanz zu gehen. Ganz im Gegenteil – Weber übernahm 2016 die Position des Doktorvaters für Bunzel. Erst durch die Berichterstattung will er über den Nazi-Hintergrund seines Promovenden erfahren haben. Mal ganz abgesehen von dieser vermeintlichen Ahnungslosigkeit macht Weber aber sonst keinen Hehl daraus, wie es um seine Gesinnung steht.

Auf Facebook schrieb er 2017 beispielsweise öffentlich von einer deutlichen „Absage an alle Versuche, unser Volk durch Überfremdung mittels Zuwanderung auszutauschen“. Die Verschwörungserzählung, nach der ein von den Eliten gesteuerter „großer Austausch“ der Bevölkerung vonstatten gehe und bei dem Migranten*innen die Bevölkerung ersetzen sollen, ist eines der zentralen Narrative der extremen Rechten. Das Manifest des rechtsextremen Attentäters von Christchurch, Neuseeland, der bei einem Anschlag auf zwei Moscheen 51 Menschen tötete, trägt beispielsweise die Überschrift „The Great Replacement“, was sich mit „Großer Austausch“ übersetzen lässt.

Inzwischen herausgestrichen und geändert, unter anderem in einem Artikel der FAZ aber noch rechtzeitig zitiert, war in selbigem Facebook-Post auch die Rede von Biodeutschen, mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern. Vor etwas mehr als 75 Jahren waren Menschen an der Macht, die festlegen wollten, ab wann jemand „Deutscher“ ist – wir alle wissen, wie das ausgegangen ist. Überraschend, dass sich die AfD damals gezwungen sah, sich von Weber und seinen rassistischen Aussagen zu distanzieren, wie die FAZ berichtete. Nur zu Einordnung: Das Deutsche Institut für Menschenrechte sagt in seiner Parteianalyse: „In der AfD sind rassistische, national-völkische Positionen Bestandteil ihrer Programmatik“. In klaren Worten: Die AfD sei eine rassistische Partei. Jetzt soll mir mal einer von der AfD erklären, wie man sich als Partei glaubhaft von Webers Rassismus distanzieren will, wenn man selber als rassistisch eingestuft und der Landesverband Thüringen sogar ein „erwiesen extremistisches Beobachtungsobjekt“ des Verfassungsschutzes ist.

Aber zurück in die Gegenwart: Friede, Freude, Eierkuchen ist mittlerweile passé. Im Sommer gab es ein Parteiausschlussverfahren gegen Weber (er kam einem Ausschluss dann mit seinem Austritt zuvor). Ausschlaggebend sollen allerdings nicht seine politischen Äußerungen gewesen sein, er soll sich innerparteilich „danebenbenommen“ haben , wie der NDR berichtete. Leidtragende sind nun die Studierenden der Uni Greifswald, die einem sogar von der AfD als rassistisch wahrgenommenen Professor im Hörsaal begegnen müssen. Weber soll jetzt dem Nachwuchs der Rechtswissenschaften in Greifswald das deutsche Rechtssystem näherbringen – ein höchst gefährliches und problematisches Unterfangen. Weber ist ein geistiger Brandstifter, der ganz offensichtlich kein Blatt vor den Mund nimmt und jede Art von Provokation genießt.

Ich würde nicht darauf vertrauen, dass der Herr im Vorlesungsaal dazu in der Lage ist, seine Neutralität zu bewahren. Rassismus ist keine Meinung und hat in einem Hörsaal der Rechtswissenschaften nichts verloren! Es ist mehr als nur ein gutes Recht der Studierenden, klare Kante gegen Weber zu zeigen.


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