Facebook – eine Plattform für Menschenhandel, Fake News und Hate Speech?

Durchgestrichenes Facebook Logo
Mal drüber nachgedacht Facebook zu löschen?

Als die Datenspezialistin Frances Haugen 2019 ihre Stelle als leitende Produktmanagerin bei Facebook antritt, ahnt sie noch nicht, mit welcher Skrupellosigkeit der Konzern seine Interessen vertritt. Die spätere Whistleblowerin arbeitete damals für das sogenannte Team für „Civic Misinformation“, dessen Ziel es war, ausufernde Hassreden und Fehlinformationen auf Facebook unter Kontrolle zu bringen.

Sarah Melziarek, funky-Jugendreporterin

Schnell stieß sie dabei jedoch auf einen internen Interessenskonflikt zwischen vorteilhaften Entscheidungen für Facebook einerseits und der Sicherheit der User andererseits. Bereits nach kurzer Zeit wurde Haugen klar, dass für Facebook vor allem eins zählt: Profit. Dafür treffe der Konzern der Whistleblowerin zufolge bewusst unverantwortliche und unethische Entscheidungen und stelle die Interessen der Nutzenden hinten an. Haugen ging mit ihren Enthüllungen daraufhin an die Öffentlichkeit und spielte interne Dokumente unter anderem dem Wall Street Journal zu, das im September dann schließlich den neunteiligen Bericht „The Facebook Files“ publizierte.

Facebook profitiert von Hetze

Doch worum geht es in den Anschuldigungen der Whistleblowerin genau? Der Kernpunkt der Vorwürfe besteht darin, dass Facebook bewusst Algorithmen pushe, die Fake News und Hassreden bevorzugen. Haugen zufolge gehe es dem Konzern vor allem darum, in dem sozialen Netzwerk Wut und Hass unter den Usern zu erzeugen, da polarisierende Inhalte im Internet eine viel größere Aufmerksamkeit erfahren würden. Auf diese Weise gelinge es Facebook, Menschen länger auf der Plattform zu halten und sie zu mehr Interaktionen zu bewegen, wodurch der Konzern wirtschaftlichen Gewinn mache. Indem Facebook die Algorithmen jedoch auf diese Art und Weise anpasse, trage das Unternehmen zu einer Spaltung der Gesellschaft bei.

Die internen Dokumente, die Haugen zutage fördert, bestätigen auch: Facebook ist sich des Schadens, den das Unternehmen anrichtet, durchaus bewusst. So kam Facebooks eigene Forschung etwa zu der Erkenntnis, dass der Tochterkonzern Instagram bei jedem dritten Mädchen zu einem verschlechterten Körperbild führt. Die Studie, die der Konzern selbst in Auftrag gegeben hatte, zeigt, dass Instagram durch die Konstruktion unrealistischer Schönheitsideale zu einer Zunahme an Essstörungen und Depressionen unter jungen Nutzerinnen führt. Dagegen unternommen wurde allerdings nichts.

In den Facebook Files finden sich aber auch noch weitere Anschuldigungen. So lautet ein Vorwurf etwa, dass das Unternehmen ein geheimes Programm namens „XCheck“ betreibe, das bestimmte Personen dazu befähigt, Facebooks Regeln aktiv zu umgehen. Diese Mitglieder dürfen laut Haugen zum Beispiel andere User offiziell belästigen. Nicht weniger brisant ist die Enthüllung, dass Kriminelle im globalen Süden Facebook angeblich für Menschen- und Organhandel nutzen, während die Betreiber Facebooks tatenlos zugesehen haben sollen.

Verbesserungen? Fehlanzeige

Facebook selbst stellt sich trotz der Beweislage immer noch als neutrale Plattform, als Spiegel der Gesellschaft dar. Doch Facebook scheint nicht mehr zu trauen zu sein. Vor Bekanntwerden der aktuellen Skandale habe es immer wieder Verbesserungsvorschläge aus den eigenen Reihen gegeben, die jedoch von der Leitung konsequent ignoriert wurden, so Haugens Vorwurf. Da die Verbreitung von Fake News und Hass dem sozialen Netzwerk letztendlich mehr Profit bringen, habe Facebook kein Interesse daran, den Status Quo zu ändern. Mit ihren Enthüllungen will Frances Haugen den unethischen Strategien des Konzerns nun etwas entgegensetzen.

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