Meinung

Wird die Klimawahl eine „Boomer“-Wahl?

Schrftzug
In diesem Jahr gibt es 2,8 Millionen Erstwähler*innen, die insgesamt 4,6 Prozent aller Wahlberechtigten ausmachen. Ob das reicht, um den Klimawandel zu stoppen?

Die anstehende Bundestagswahl könnte zu einem entscheidenden Wendepunkt der Klimapolitik werden – wäre es nicht eine Wahl, bei der vor allem die Stimmen der Generationen 50+ ins Gewicht fallen, derer sich die CDU und SPD sicher sind. Unsere Kolumnistin Sonja fragt sich: Ist das ein Problem? Oder haben wir jungen Wähler*innen uns das falsche Feindbild gesucht?

Sonja Walke, funky-Jugendreporterin

Am 26. September wird gewählt. Etwas pathetisch könnte man sagen: Am 26. September wird über unsere Zukunft entschieden. Und eins steht fest: Über den Ausgang der Wahl entscheiden mehr „Boomer“, also Menschen, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden, als Angehörige der „Generation Greta“, der ich mich selbst zuordne. 

Das hat verschiedene Gründe: Erstens heißt die Generation der Boomer nicht umsonst Babyboomer. Der Begriff bezeichnet die „geburtenstarken Jahrgänge“ der Nachkriegszeit – und diese macht einen entsprechend großen Anteil der Gesamtbevölkerung und somit der Wahlberechtigten aus. Zweitens sind noch längst nicht alle, die mit „Fridays for Future“ auf die Straße gehen, wahlberechtigt. Immerhin gibt es dieses Mal 2,8 Millionen Erstwähler*innen, die insgesamt 4,6 Prozent aller Wahlberechtigten ausmachen. Ob das reicht, um den Klimawandel zu stoppen? Da bin ich mir nicht sicher … 

Doch vielleicht muss das ja gar nicht reichen – immerhin schreiben sich nun alle ernst zu nehmenden Parteien Klimaschutz auf die Fahne beziehungsweise ins Wahlprogramm. Oder im Falle der CDU, die in meiner Generation als „Boomerpartei“ schlechthin gilt: ins „Regierungsprogramm“. In diesen 140 optimistisch getauften Seiten schreibt die Partei, sie wolle Deutschland bis 2045 klimaneutral machen. Etwas unambitioniert, aber immerhin.

Die Frage ist nur: Wie soll das gehen? Laschets Zauberformel dafür lautet: „Innovationen – Verbote = Klimaschutz + Wachstum“. Darüber, ob dieser schwammige Plan aufgeht oder reines Wunschdenken der „Wirtschaftswunderkinder“ ist, die nun auch erkannt haben, dass Klimaschutz sogar für die Wirtschaft irgendwie wichtig sein könnte, könnten wir nun lange streiten – ich jedenfalls habe da so meine Zweifel. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht die Zielgruppe der CDU.

Doch wer denkt, dass das die magische Formel ist, auf die automatisch alle Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen anspringen, irrt sich. Denn im Grunde sind Generationen auch nicht mehr als soziologische Schubladen, in die man alle Personen je nach Alter einsortiert – dabei gibt es so viel mehr, das Personen verbindet und unterscheidet. Vielleicht haben eure Boomer-Großeltern oder -Eltern sich zum Beispiel auch mal gegen das Waldsterben, gegen Atomkraft, gegen militärisches Aufrüsten und für freie Liebe eingesetzt – who knows …? Und vielleicht erinnern sie sich angesichts der ganzen Überflutungen und Waldbrände nun daran. Vielleicht hat das Klima bei dieser Wahl also doch noch eine Chance!

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.