Meinung

Sport? Ja, aber bitte in Maßen

Mann beim Gewichtheben

Häufig liest man Schlagzeilen wie „Bewegungsmangel bei Jugendlichen in Deutschland“, oder „Menschen machen zu wenig Sport in der Freizeit“. Ein Phänomen, das sportsüchtige Menschen vermutlich nicht kennen – denn für sie ist Sport ein Lebensinhalt. 

Pascal Moser, funky-Jugendreporter

Was ist Sportsucht?

Wir alle kennen die schönen Nebeneffekte von einer guten Runde Joggen: Man fühlt sich ausgepowert, aber auf eine gute Art. Glückshormone werden freigesetzt, man ist stolz, etwas „geschafft“ zu haben. Sportsüchtige Menschen allerdings betreiben Sport nicht nur mehr aus reiner Freude an der Bewegung, einer sogenannten positiven Motivation, sondern unter anderem angetrieben durch den Zwang nach Leistungssteigerung, ganz nach dem Motto: Höher, schneller, weiter. Infolgedessen vernachlässigen sie ihr soziales Umfeld und ordnen ihr gesamtes Leben dem Sport unter. Das ständige „Ans-Limit-gehen“ schüttet bei den Betroffenen die Glückshormone Dopamin und Serotonin aus und sind diese einmal nicht verfügbar, verspüren Sportsüchtige Symptome wie Nervosität, Depressionen, oder Schlaflosigkeit – ganz ähnlich wie bei einem Drogenentzug. 

Sporttreiben ist populär und wird von der Gesellschaft nicht nur anerkannt, sondern auch für gut befunden. Allein in Deutschland sind 11 Millionen Menschen in einem Fitnessstudio angemeldet. Grundsätzlich spricht auch nichts dagegen, den eigenen Körper fit zu halten. Mediziner würden dem zustimmen. Entscheidend sind aber die Motive dahinter: Gehe ich laufen, radfahren oder Gewichte heben, um meinen Körper und Geist zu pflegen, oder muss ich mir selbst und anderen andauernd etwas beweisen? Laut Experten trainieren sportsüchtige Menschen sogar mit Verletzungen weiter, verzichten auf Regeneration und und ignorieren die Warnsignale des Körpers. Das hat dann nichts mehr einer gesundheitsförderlichen Bewegung zu tun, sondern ist nichts Gerigeres als selbstschädigendes Verhalten. Hinter diesem Kontrollverlust wider besseren Wissens vermutet die Wissenschaft verschiedene Faktoren: Einerseits der Wunsch nach einem perfekten Körper, um das Selbstbewusstsein zu steigern, und andererseits den Wunsch nach Realitätsflucht. Menschen möchten ihren Alltag vergessen und Stress abbauen – zumindest für die Zeit des Sporttreibens.

Die Sucht nach der Bewegung muss ebenso behandelt werden wie eine Drogensucht. Auf Sport zu verzichten ist für Betroffene gar nicht einfach: Wieder mehr Zeit für andere Dinge zu haben, die durch den Sport verdrängt wurden, kann verdrängte Probleme an die Oberfläche befördern. Sollte es Betroffenen nicht selbstständig gelingen, die sportlichen Aktivitäten runterzuschrauben, sollten sie sich professionelle Hilfe suchen.

Eine gesunde Bewegungskultur muss her

Die Sportsucht ist ein ernst zu nehmendes Thema – ohne Frage. Man sollte sich aber vor Augen halten, dass diese aber nur einen kleinen Prozentteil der Bevölkerung betrifft. Bei den meisten Leuten ist eher ein Mangel an Sport als eine Abhängigkeit zu verzeichnen. Sport wird häufig mit Leid gleichgesetzt und nicht als Erholungsfaktor gesehen, was abschreckt. Leider fehlt vielen das Bewusstsein, den eigenen Körper zu aktivieren und sich ein gesundes Körpergefühl anzueignen. Eins steht fest: Zwanghaftes Sporttreiben sowie auch die Vernachlässigung des Körpers sind auf Dauer gesundheitsschädigend. 

Ein wichtiger Faktor für den Umgang mit dem eigenen Körper ist sicherlich das familiäre Umfeld. Wenn man als Kind nie mit Sport in Berührung gekommen ist, warum sollte man dann als Erwachsener damit anfangen? Unsportliche Kinder sind nicht die Ursache des Problems, sondern eine Folge ihrer familiären Gewohnheiten. Die Schule muss hier folglich Impulse setzten und kann durch intensiveren Fokus auf den Sport, Jugendliche dazu animieren, auch nach der Schulzeit in Bewegung zu bleiben. 

Felix Gottwald, mehrfacher Olympiasieger in der nordischen Kombination, plädiert in der Sendung „Sport & Talk im Hangar 7“ dafür: „Was spricht dagegen, eine Bewegungskultur zu schaffen?“

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