Atomwaffen bald verboten? – Das müsst ihr wissen

Atomwaffen haben viel Leid verursacht. Der neue Verbotsvertrag soll dafür sorgen, dass Atomwaffen völkerrechtlich geächtet werden.
Wie viel Leid Atomwaffen bereits verursacht haben, ist nicht in Worte zu fassen. Bis heute sind Atomwaffen die einzigen Massenvernichtungswaffen, die nicht völkerrechtlich geächtet werden. Doch das soll sich nun ändern: Am 22. Januar tritt ein UN-Abkommen in Kraft, das Atomwaffen verbietet.
Paula Bartelt, funky-Jugendreporterin

Geschichtlicher Exkurs

1942 startete in den USA das „Manhattan Project“. Das Ziel der geheimen Operation: Die Entwicklung einer nuklearen Massenvernichtungswaffe. Nur drei Jahre später fiel die erste Atombombe über Hiroshima und riss 140.000 Menschen in den Tod. Drei Tage nach diesem Kriegsakt des US-amerikanischen Militärs explodierte die nächste Atombombe über Nagasaki und tötete weitere 70.000 Menschen. Schon kurz darauf kapitulierte das japanische Kaiserreich – der Zweite Weltkrieg war damit endgültig beendet. Doch zu welchem Preis? Krebs, Fehlgeburten und chronische Krankheiten, verursacht durch die radioaktive Strahlung, verfolgen die Bewohner Hiroshimas und Nagasakis nun auch noch Jahrzehnte nach der nuklearen Explosion.


Verbot nach 76 Jahren

Am Freitag tritt nun der Atomwaffenverbotsvertrag in Kraft, der bereits ab dem Jahr 2017 fortlaufend von mehreren Staaten der UN-Generalversammlung unterzeichnet wurde. Der Vertrag ist ein wichtiger Schritt für die Ächtung und Abschaffung nuklearer Massenvernichtungswaffen. Die unterzeichnenden Staaten – bis jetzt sind es 86 – verzichten nämlich von nun an offiziell und rechtlich bindend darauf, Atomwaffen zu testen, zu produzieren, zu entwickeln und zu besitzen. Sie dürfen Atomwaffen auch nicht einsetzen oder sie an andere Staaten weitergeben. Die Förderung der nuklearen Waffen und deren Verbreitung, beispielsweise durch finanzielle Unterstützung, ist ebenfalls verboten. So können Banken etwa keine Kredite mehr an Firmen vergeben, die Atomwaffen herstellen oder anderweitig unterstützen. Auch der Transport von Atomwaffen durch das Staatsgebiet wird durch das internationale Abkommen untersagt.

Druck auf Atomwaffen-Staaten

Da die Abmachung aber nur für jene Länder bindend ist, die den Vertrag auch unterzeichnet haben, bleibt zu hoffen, dass in den nächsten Jahren noch viele weitere Staaten dem Beispiel der 86 Unterzeichner folgen und so die internationale Abrüstung der Atomwaffen vorantreiben. Viele Staaten, unter anderem die USA, lehnen den Vertrag nämlich ab, da ihre Sicherheitspolitik auf Nuklearwaffen basiert. Auch Deutschland hat den Vertrag noch nicht unterzeichnet, da die USA einen Teil ihres Atomwaffen-Arsenals hier lagern, um andere Staaten abzuschrecken. Doch auch wenn es angesichts dieser Beispiele nicht so scheinen mag, hat der Vertrag auch Auswirkungen auf die Staaten, die ihn noch nicht unterschrieben haben. So ist einer der wichtigsten Effekte des Atomwaffenverbotsvertrags der enorme internationale Druck, der auf die Atomwaffen-Staaten ausgeübt wird.

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Rechtlicher Rahmen kann zu politischem Handeln führen

Denn mit dem Abkommen rückt die Abrüstung der Atomwaffen immer mehr in den Vordergrund der Weltpolitik und wird somit zum öffentlichen Diskussionsthema. Die internationale Ächtung und die moralische Verwerflichkeit der Waffe können nun völkerrechtlich legitimiert werden. Schon bei früheren Abrüstungsverträgen, beispielsweise bei Landminen, hat dieser öffentliche Druck zu politischem Handeln geführt. Durch das Inkrafttreten des Vertrags können sich internationale Organisationen nun auf ein vorhandenes Gesetz beziehen. Der Aufschrei nach globaler Sicherheit hat damit ab jetzt einen rechtlichen Rahmen, auf den er sich berufen kann. Massenvernichtungswaffen zu legitimieren wird somit immer schwerer.

Das internationale Abkommen ist also von entscheidender Bedeutung für die Wahrnehmung und Beurteilung nuklearer Waffen. Seit dem Ende des Kalten Krieges ist die Wahrscheinlichkeit eines Atomkrieges immer mehr gesunken, die Gefahr atomarer Waffen daher immer mehr ausgeblendet worden. Doch nach wie vor verfügen zahlreiche Staaten über die Möglichkeit, ganze Teile der Welt per Knopfdruck in die Luft zu jagen. Das Atomwaffenverbot kann dabei helfen, sich erneut daran zu erinnern, was auf dem Spiel steht, und zu einem weltweiten Überdenken internationaler Waffenregulation anregen. Es geht um nichts Geringeres als das Fortbestehen der Menschheit, wie wir sie kennen.

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