Interview

Der Beweis: Eine funktionierende Freundschaft zwischen Mann und Frau   

Eine richtige Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen, so ganz ohne romantische Gefühle und ohne Probleme, kann nicht funktionieren? Wir haben ein Freundschafts-Pärchen getroffen, welches das Gegenteil beweist. Clara Verstl und August Schweizer (beide 17) kennen sich schon aus dem Kindergarten und sind seitdem unzertrennlich. Auch ein Auslandsjahr und die Corona-Pandemie konnten ihrer Freundschaft nichts anhaben. Worin das Geheimnis einer solchen Freundschaftsbeziehung besteht, erfahrt ihr im Interview.
Kristina Vasilevskaja und Yasina Hipp, funky-Jugendreporterinnen

Ganz objektiv gesehen: Findet ihr den jeweils anderen optisch attraktiv?
August: Logisch! 
Clara: Ja, schon. 

Habt ihr dann jemals daran gedacht, eine feste Beziehung einzugehen? 
Clara: In der fünften oder sechsten Klasse haben wir füreinander geschwärmt, aber das wurde nie wirklich etwas.
August: Und seitdem haben wir da auch nicht mehr daran gedacht. 

Warum nicht?
August: Gute Frage, warum nicht? (schaut schmunzelnd zu Clara) Sie ist eben meine beste Freundin und ich mag sie auf dem Level. 
Clara: Ja, wieso eigentlich nicht? (lacht) Wir kommen nicht darüber hinaus, weil wir uns freundschaftlich so richtig mögen, aber es gibt da nicht diese andere Stufe. Ich denke, das liegt auch daran, dass wir uns schon so lange kennen. 
August: Wir haben eher ein Geschwisterverhältnis. 

Was mögt ihr am anderen besonders? 
Clara: Ich mag an August, dass er sehr ehrlich ist, auch wenn es mich manchmal nervt. Außerdem ist er sehr lustig und hat immer Lust, etwas zu unternehmen. Er ist immer derjenige, der mich vom Sofa holt und sagt: Komm, du gammelst jetzt nicht die ganze Zeit rum. 
August: Ich mag an ihr, dass sie auf so was dann immer sofort anspringt. Sie ist sehr humorvoll und lacht gern. Wir haben auch gleiche Interessen, verstehen uns gut und können echt gut miteinander über Ernstes reden.
Clara: Ja, stimmt, wenn ich August von einem Problem erzähle und ich dazu neige, mir zu viele Sorgen darüber zu machen, dann sagt August: Wo ist denn das Problem? Dann merke ich erst, dass es eigentlich dumm ist, dass ich so viel darüber nachgedacht habe.

In der fünften oder sechsten Klasse haben wir füreinander geschwärmt, aber das wurde nie wirklich etwas.

Clara über ihre Freundschaft mit August.

Habt ihr euch schon mal auf einer Party oder bei „Wahrheit oder Pflicht“ geküsst?
August: Bestimmt.
Clara: Wir sind ja Teil einer großen Freundesgruppe und wenn wir da am Wochenende etwas unternehmen, ist es bestimmt schon mal vorgekommen. 

Haben eure Eltern euch jemals geshippt? 
Clara: Ja, meine Mutter. In der der siebten oder achten Klasse. Da hat sie gefragt, ob er sicher nur ein Freund ist. 

Habt ihr gemeinsame Hobbys?
August: Wir spielen beide Tennis. Wir waren auch vor einem Jahr ab und zu zusammen joggen. 
Clara: Sonst sehen wir uns in der Schule auch immer. Deutsch haben wir zum Beispiel zusammen. 

Wie ist es jetzt während der Corona-Zeit: Seht ihr euch seltener als vorher?
August: Im ersten Lockdown sind wir tatsächlich jeden zweiten Tag spazieren gegangen. Wir wohnen mit dem Fahrrad nur zwei Minuten voneinander entfernt und haben direkt einen Wald vor der Haustür. 
Clara: Man konnte ja auch nicht wirklich was anderes machen. Also damals haben wir uns echt viel gesehen. Und jetzt haben wir beide Schule, da sehen wir uns täglich. Aber nach der Schule machen wir momentan eher weniger. Aber das ist mit allen anderen Freunden genauso. 

Habt ihr schon einmal zusammen in einem Bett geschlafen?
Clara: Ja, einmal, als wir so einen Sushi-Abend gemacht haben, und als Kinder auf jeden Fall.
August: Also das letzte Mal wahrscheinlich vor drei Jahren.
Clara: Unsere Großmütter sind auch sehr gut miteinander befreundet und wir haben sie mal zusammen besucht und haben einmal bei meiner Oma und einmal bei seiner Oma übernachtet. Das war allerdings nicht im gleichen Bett, sondern im gleichen Zimmer. Aber sonst nicht mehr seit unserer Kindheit. Wir übernachten auch generell nicht mehr bei anderen Leuten. Wir gehen abends weg, machen was zusammen und dann geht jeder zu sich nach Hause. Aber ich hätte jetzt kein Problem damit, mit ihm in einem Bett zu schlafen.

Gute Freunde haben sich wahrscheinlich in der Kindheit kennengelernt.

August über seine lange Freundschaft mit Clara.

Aus Erfahrungen aus unserem Freundeskreis kennen wir viele Freundespärchen, die sich irgendwann auseinandergelebt haben. Warum funktioniert es eurer Meinung nach bei den meisten auf längere Zeit doch nicht?
August: Das könnte daran liegen, dass sich gute Freunde wahrscheinlich in der Kindheit kennengelernt haben. Und nach dem Abi, wenn einer eine Ausbildung macht oder studiert, zieht man ja oft in andere Orte. Dann verliert man wahrscheinlich langsam den Kontakt. Das kann ich mir sogar bei einigen meiner eigenen Freunde vorstellen. Aber bei mir und Clara allein schon deswegen nicht, weil ja auch unsere Eltern und Großeltern so gut miteinander befreundet sind. Wir werden auf jeden Fall für immer sehr gute Freunde bleiben.
Clara: Was ich mir auch als Grund vorstellen könnte, ist, wenn einer der beiden dann einen Freund oder eine Freundin hat. Und die beiden mehr Zeit miteinander verbringen und die Freunde vernachlässigen. Aber wir beide hatten durch das Ausland sogar eineinhalb Jahre, in denen wir uns nicht gesehen haben, aber trotzdem hatten wir die ganze Zeit über Kontakt. Wenn auch nicht jeden Tag oder jede Woche, aber trotzdem haben wir wieder zueinandergefunden.

Was ist euer absoluter Geheimtipp für das Funktionieren einer solchen Freundschaft? 
August: Die Chemie muss stimmen. 
Clara: Dass man sicher ist, der oder die andere möchte nichts von einem. Dass man sein Gegenüber versteht und auch Zeit miteinander verbringt. Aber auch, dass man sich streitet und danach wieder zueinanderfindet. 

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.