Meinung

Der Sexualkundeunterricht braucht handfeste Tipps

Über Sex zu lernen und umfangreich aufgeklärt zu werden sollte genauso zum Schulunterricht dazugehören wie Mathe!
Von Victor Neumann, funky-Jugendreporter

Diesen Monat wird ein Freund von mir Vater. Er ist 18 Jahre alt, die Mutter des Kindes, seine Freundin, ist 17. Geplant war das Ganze nicht. Wie das trotzdem passieren konnte? „Weil wir nur sehr oberflächlich gelernt haben, wie man richtig verhütet“, so die Antwort. Klar, sie wussten, was ein Kondom ist, aber dass es manchmal so schnell gehen kann mit der Schwangerschaft, war den beiden dann doch nicht so ganz bewusst. Sie dachten, sie wären mit dem Coitus interruptus, dem frühzeitigen Herausziehen des Penisses vor der Ejakulation, auf der sicheren Seite. Hat nicht so ganz geklappt. Jetzt müssen sie ihre Lebenspläne umschreiben.

Kaum zu glauben, aber immer noch gibt es Lücken im Sexualkundewissen. Schüler werden nicht immer von ihren Eltern aufgeklärt, da viele nicht wissen, wie sie das Thema ansprechen sollen. Dabei ist es gerade für Teenager wichtig zu wissen, was alles so zum (sicheren) Sex dazugehört. Ergebnisse der Studie Jugendsexualität 2015 der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigten, dass Lehrerinnen und Lehrer die wichtigsten Bezugspersonen in Sachen Aufklärung sind.

Der Sexualkundeunterricht steht also in der Verantwortung, die Jugendlichen umfassend über das Thema zu unterrichten. Und damit meine ich nicht nur die anatomischen Grundlagen. Noch viel nötiger sind handfeste Aufklärungstipps: Welche Verhütungsmethoden gibt es für Männer, welche für Frauen? Wie sicher sind sie jeweils? Gefährliche Mythen sollten aufgeklärt werden. Der Lusttropfen ist nämlich fruchtbar und der Coitus interruptus eben eine ziemlich unsichere Angelegenheit.

Obwohl der Sexualkundeunterricht hierzulande fest im Lehrplan verankert ist, gibt es erschreckend große Unterschiede bei der Umsetzung des Themas. Manche Lehrer gehen sehr offen damit um, andere wiederum spielen einen Film ab und sind froh, wenn sie die Stunde ohne irgendwelche Nachfragen hinter sich gebracht haben. Aus Angst, Jugendliche zum Sex zu animieren, werden praxisnahe Details ausgelassen.

Wie wäre es also mit einer Vereinheitlichung des Unterrichts, bei dem auch der Klassenbesuch eines Experten fest vorgeschrieben ist? Wo statt verschämten Abhandelns des Stoffes eine fundierte Aufklärung erfolgt? Ich bin davon überzeugt, hätte besagter Freund sich ein bisschen intensiver mit dem Thema auseinandergesetzt und erfahren, wie schnell das gehen kann mit dem Baby, hätte auch er sich für ein Kondom entschieden.  

Also: Über Sex zu lernen und umfangreich aufgeklärt zu werden sollte genauso zum Schulunterricht dazugehören wie Mathe. Der Sexualkundeunterricht in Deutschland braucht einen einheitlichen, von peinlich berührter Scheu befreiten Fahrplan!

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funky Redaktion

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