Meinung

„Dschungelcamp“ trotz Klimakrise: TV-Formate für Erwachsene blenden die Realität aus

Unterhaltung den dringenden Themen zum Trotz? "Dschungelcamp" geht komplett an der Realität vorbei.
Unterhaltung den dringenden Themen zum Trotz? "Dschungelcamp" geht komplett an der Realität vorbei.
Das Dschungelcamp flackert wieder über die Bildschirme. Zwei Wochen lang kann sich ganz Deutschland ansehen, wie unbekannte Z-Prominenz Kakerlaken und Hoden von Dschungeltieren isst. Normalerweise wäre das egal. Dasselbe wie jedes Jahr, gekonnt ignorieren. Ich schaue sowieso kein Fernsehen.
Von Joelle Mohr, funky-Jugendreporterin

Doch wir befinden uns inmitten einer Klimakatastrophe und das RTL-Format spielt in Australien. Genau, das Australien, das gerade vor den Augen der gesamten Menschheit seit mehreren Monaten brennt. Millionen Tiere sind in den Feuern umgekommen, Millionen Australier fürchten um ihre Existenz. Ein Kontinent brennt.

Aber was soll der RTL da schon machen? Das Format ist der Dauerbrenner und bringt die höchsten Einschaltquoten für den Sender. Trotz der nur wenige Kilometer vom Camp entfernten Waldbrände. Eine Thematisierung in der Sendung soll da Abhilfe schaffen, das Lagerfeuer muss in diesem Jahr leider ausfallen. Einer der Kandidaten hat via Instagram dazu aufgefordert, für die Rettung der Wälder zu spenden. Das sollte doch eigentlich reichen. Und dann fliegen die zwölf Z-Promis ans andere Ende der Welt. Die Reklame für die Karibikreise in den Werbepausen nicht vergessen.

Eine ganze Generation geht gegen den Klimawandel auf die Straße, demonstriert gegen Kohlelieferungen aus Australien – und ihre Elterngeneration dreht eine Unterhaltungsserie inmitten der Klimakatastrophe. Irgendwie scheint es, als ob so wichtige Entwicklungen wie der Klimawandel an Unterhaltungsformaten für ältere Zielgruppen komplett vorbeigehen.

Fahndet man im Fernsehen nach Sensibilisierungen für den Klimawandel, sucht man auf Sendern wie RTL, ProSieben und Co vergeblich. Fündig wird man allerdings auf Kindersendern. ZDFtivi zum Beispiel bildet Kinder zum Klimawandel, um schon die Kleinsten darauf aufmerksam zu machen, welches Thema in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Zumindest die Sendungen für jüngere Zielgruppen wandeln sich.

Jugendliche schauen trotzdem immer weniger Fernsehen, ihre Interessen werden einfach nicht vertreten. So sitzen über 60-Jährige im Schnitt 3 Mal häufiger vor dem Fernsehen als 14 bis 29-Jährige. Netflix, YouTube und Co zeigen viel eher Themen, die die Jugendlichen interessieren, der Fernseher wird für die Jugend zunehmend irrelevant. Die immer gleichen Formate laufen bereits seit 20 Jahren und verändern sich nicht, egal wie die Welt darum herum sich verändert.

Also, liebe Medienmacher, stellt sich die Frage, ob nicht etwas geändert werden sollte. Die Interessen einer ganzen Generation nicht mehr vergessen, zum Beispiel.

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funky Redaktion

Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.