Viel mehr als lustige Bilder: Wie Memes die Welt verändern

Memes dienen Jugendlichen als Möglichkeit, politisch Stellung zu beziehen.
Memes prägen schon lange die moderne Jugendsprache. Von „Bruder muss los“ bis „I bims“ konnte man alles auf den Schulhöfen hören. Memes, lustige Bilder im Internet, sind aber nicht nur ein Teil der täglichen Unterhaltung beim Scrollen durch die Instagram-Timeline, sie wurden auch zum Ausdruck politischer Überzeugungen im Internet und haben schon ganze Massen mobilisiert.
Von Joelle Mohr, funky-Jugendreporterin

Morgens geht mein erster Griff zum Handy, bei vielen anderen ist das wahrscheinlich auch so. Bevor ich meine Zähne putze, sind meine Social-Media-Benachrichtigungen dran. Dabei gehe ich nicht etwa auf meine News-Apps, sondern scrolle auf Instagram die Timeline durch, um zu sehen, was in der Nacht auf der Welt so los war. Wenn ich jemandem über 30 genau das erzähle, ist deren erster Gedanke, wie ich und meine Generation verdummen. Doch das Scrollen, das für viele so endlos erscheint, zeigt mir nicht nur die Poser-Fotos meiner instagramabhängigen Freunde, sondern auch Politisches. Memes sind Bilder, die in sozialen Netzwerken geteilt werden. Sie basieren auf Insider-Witzen aus Musik und Fernsehen. Mal wird eine bekannte Filmszene umgestaltet, um Humoristisches zu bewirken. Mit der Zeit wurden einige Beiträge immer sinnloser. Ein Meme, das einfach nur aus dem Buchstaben E bestand, ging letztes Jahr viral, lustig war’s trotzdem.

Doch diese Bilder dienen nicht nur dazu, in den alltäglichen Sprachgebrauch von Jugendlichen aufgenommen und immer sinnloser zu werden, sie können auch politische Einstellungen ausdrücken. Meme-Accounts posten häufig mehrmals am Tag und können so direkt auf Neuigkeiten antworten. Nach Trumps Angriff auf Soleimani zum Beispiel trendete auf Twitter direkt der Hashtag #WW3 und damit eine ganze Reihe an Memes, die sofort auf Donald Trumps Entscheidung antworteten. Und nicht nur die Entscheidungen des US- Präsidenten trenden auf Twitter, auch die von anderen Politikern.

Der Hashtag #Artikel13 zeigt eine ganze Generation, die für ihre Rechte im Internet kämpft. Oder ein anderes Beispiel. Was mit verachtenden Memes gegenüber dem EU- Politiker Axel Voss anfing, endete in Demonstrationen, an denen mehr als 100.000 Menschen teilnahmen. Memes bewegen Massen, nicht nur in politischer Sicht. Als die Facebook-Gruppe „Storm Area 51“ gegründet wurde, war ihr Ziel, möglichst viele Menschen am selben Tag in der Nähe des geheimen US-Militärgeländes zu versammeln. Sinnhaftigkeit dahingestellt. Und es erschienen tatsächlich Menschen. Eher als Witz, doch dadurch wurde deutlich, was ein paar Memes bewirken können.

Die lustigen Bilder im Internet können so viel mehr bewirken als bloß in müßigen Stunden auf Social Media zu unterhalten. Sie politisieren die sonst so unpolitische Generation Z in Form von „Fridays for Future“ und informieren die Jugend über das Zeitgeschehen. Sie bringen Menschen auf die Straße und helfen, die Meinungs- und Pressefreiheit durch konstantes Kritisieren von politischen Entscheidungen zu schützen.

Ohne melodramatisch klingen zu wollen: Memes können die Welt verändern und helfen, unsere Freiheiten zu schützen. Wenn Sie also das nächste Mal auf Instagram sind und Ihnen ein Meme über den Weg läuft, denken Sie kurz darüber nach und sehen Sie es als das, was es ist. Außer, es will einfach nur ein lustiges Meme sein. Dann lachen Sie einfach.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.