Meinung

Die #Umweltsau-Debatte: Wie ein Hashtag eskaliert und verfremdet

Hat hier jemand Umweltsau gesagt?
Hat hier jemand Umweltsau gesagt?
Momentan diskutieren viele Twitter-User darüber, welche Generation am klimaneutralsten lebt. Ein regelrechtes Konkurrieren zwischen Jung und Alt ist zu beobachten. Grund dafür ist das „Umweltsau“-Video des Westdeutschen Rundfunks, hinter dem viel mehr steckt als nur das Video eines Kinderchores.
Von Philipp Schröder, funky-Jugendreporter

Angedacht war die umgeschriebene Satire-Version des Liedes „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ als „Fridays-for-Future-Version“, um auf die Verantwortung der älteren Generation gegenüber ihren Kindern hinsichtlich der Klimakrise aufmerksam machen. „#Umweltsau” – dem Video entnommen – belegte darauffolgend Platz eins der deutschlandweiten InternetTrends. Das Video selbst ist jedoch längst nicht mehr das eigentliche Thema der Debatte.

Auch Nutzer, die dem rechten Spektrum zugeordnet werden können, schalteten sich ein und verbreiteten Fake-Bilder von Protestierenden der „Fridays for Future“-Bewegung. Auf den Bildern drückten diese vermeintlichen Hass gegen ihre Großeltern aus. So sollte die Bewegung in Verruf gebracht und der Eindruck erweckt werden, die junge Generation „hasse“ die ältere Generation.

Zwei Tage vor Silvester: 100 Menschen demonstrieren vor dem WDR-Büro in Köln, rufen antisemitische Parolen und halten Schilder hoch, die den federführenden Journalisten des Videos diskreditieren. Zuvor hatte der WDR das Video wieder aus dem Netz genommen und Intendant Tom Buhrow distanzierte sich öffentlich. Seinen Mitarbeiter ließ er damit im Stich, dieser erhält nun Morddrohungen für seine Arbeit. Nachdem der WDR daraufhin auch auf Twitter damit konfrontiert wurde, erwähnte das Social-Media-Team lediglich, dass der Mitarbeiter ein freier Mitarbeiter sei. Ist es demnach also bei freien Mitarbeitern egal, wenn sie öffentlich bedroht werden?

Ob das Video nun Satire war odernicht, darüber lässt sich streiten. Streiten lässt sich aber nicht darüber, wie der WDR mit Mitarbeitern umgeht. Und auch nicht darüber, wie schnell durch die Mobilisierung von rechten Profilen in den sozialen Medien ein Hashtag eskalieren kann und Debatten verfremdet werden können.

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