Reinghört: Faber – „I Fucking Love My Life“

„I Fucking Love My Life“ schafft ganz große Töne, und das, ohne ständig laut zu sein.
„I Fucking Love My Life“ schafft ganz große Töne, und das, ohne ständig laut zu sein.
Für diejenigen, die sich unter Faber nichts Konkretes vorstellen können: Der Schweizer Singer-Songwriter ist eine überraschende Mischung aus Milchbubi und Raubein. Seine Stimme, die ihn mindestens dreißig Jahre älter wirken lässt, steht in völligem Kontrast zu seinem durch und durch sympathischen Erscheinungsbild inklusive Lockenkopf und smartem Grinsen.
Von Hannes Beyer, funky-Jugendreporter Berlin/Braunschweig

Dazu kommt, dass er über Tiefgreifendes singt, wie man es nicht von einem jungen Mann erwartet. Es kommt einem fast so vor, als sei er ein weiser Mann, dessen Leben schon längst gelebt und mit Fabers Körper eine Symbiose eingegangen ist. Also sind die Themen jugendlich: die innere Zerrissenheit, Liebschaften, Angst – die großen Gefühle. Die Herangehensweise ist aber weit weniger sprunghaft, als man denkt. Faber weiß, was er tut. Und mit jedem Album wirkt es mehr und mehr so, als müsste er sich gar keine Texte und Themen suchen, sondern einzig und allein über seinen persönlichen Lebensentwurf singen. Wer sein Album hört, lernt Faber kennen.

So spürt man auch bei jedem einzelnen Song seines neuen Albums „I Fucking Love My Life“, wie stark ihn manche Probleme der Welt persönlich tangieren. Während eines lautstarken Refrains weiß er auf einmal fast nichts mehr mit seiner Stimme anzufangen, anderswo kratzt ihm der Hals, wenn er wütend Zeilen raushaut. Das Erfolgskonzept des jungen Musikers ist unheimlich schlicht gehalten: Ich bin ehrlich. Ich mache mein Zeug und wer sich daran stört, der muss sich nicht mit mir beschäftigen. Eine Weisheit, die schließlich jeder von uns irgendwie beachten sollte.

Fazit: „I Fucking Love My Life“ schafft ganz große Töne, und das, ohne ständig laut zu sein. Es sind die Pointen, das Gesamtpaket, das Zittern der Stimmbänder in einer stillen Sekunde, die Faber jedes Mal aufs Neue hörbar und interessant machen. Nichts für Menschen, die einfach nur Musik hören, um sich berieseln zu lassen. Aber Musik für jeden, der Musik hört, um sie hinterher auch tatsächlich genießen zu können.

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