Reeperbahn Festival: ein Festival ohne Headliner

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Das Reeperbahn Festival hat sich vielmehr den Zwischentönen der Musikindustrie verschrieben. So spielten Künstlerinnen aus allen Genres in kleinen Clubs, während an anderen Orten die großen Themen diskutiert wurde.
Von Omeima Garci

Eine Stadt ist eingehüllt in Musik und melodischen Gedanken und das ganze vier Tage lang. Der Grund? Das Reeperbahn Festival in Hamburg, das größte Clubfestival Europas. Aber was heißt das jetzt eigentlich genau? 

Alles und Nichts. 

Das Festival bietet mit seinem breiten Spektrum für jede*n etwas an. Sei es Rap von KeKe, ein Panel über Women of Color im Musikgeschäft oder sanfte Pop-Beats von Beatrich. Es ist für alle etwas dabei, und das ist sehr positiv zu sehen. 

Allein beim Aussteigen an der Haltestelle St. Pauli wird eines klar: Egal wie sorgfältig man sich die einzelnen Programmpunkte und Orte notiert hat, die Musik, die gefühlt aus allen Ecken emporkommt, lässt einen treiben. Und ich fühle mich aufgenommen. Ich weiß zwar nicht ganz von wem, aber das Genießen der Musik und in dem gemeinsamen Moment zu sein, scheint den sehr belebten Stadtteil ganz kurz einzufrieren. 

Für jeden Act eine Hauptbühne

Das Festival ist anders, anders als andere Festvials, hier gibt es keine Hauptbühne und keinen Headliner. Jeder Act an und für sich hat seine eigene Hauptbühne und ist sein eigener Headliner. Es macht Spaß dabei zu sein, wenn sich die eingefleischten Fans die Seele aus der Brust schreien wie zum Beispiel beim Mannheimer Rapper Apache 207. 

Im Kontrast dazu, gibt es aber auch ruhigere Shows. Es geht immer noch um Rap, diesmal spielt Politik aber eine genau so wichtige Rolle wie die Musik. Die Rede ist vom Machiavelli-Podcast, gelebt und ins Leben gerufen durch Jan Kawelke und Vassili Golod. Bei diesem Auftritt waren keine lauten Stimmen aus dem Publikum präsent, dafür aber die geladene Spannung und das fast zum Greifen nahe Interesse an den Themen des Live-Podcasts und den auf der Bühne sitzenden Gäste. Das waren neben Jan Kawelke und Vasilli Golod, die Wiener Musikerin KeKe und die Münchner Rapperin Ebow.

„Das ist wie bei einem guten Referat, früher in der Schule, da haben die Leute dann auch gespannt zugehört, wenn es interessant war“, meint Vasilli. Und ja tatsächlich war es ein gutes Referat, ein sehr wichtiges sogar. Der Podcast hebt sich dadurch ab, dass Themen angesprochen werden, die sonst eher ungern von der Gesellschaft gesehen und gehört werden. 

Ein Festival, das Räume schafft

Darüber hinaus hat es sich das Reeperbahn Festival zur Aufgabe gemacht, auch einen Raum für Themen wie Depressionen, psychische Krankheiten und Rollen in der Gesellschaft zu schaffen. Das ist nicht nur mutig, sondern auch wichtig. Einmal in das Publikum geblickt, fällt nämlich auf, dass sich gerade junge Zuhörer*innen im Publikum befinden. Umso wichtiger ist es hier Aufklärungsarbeit zu leisten, zu informieren und vor allem einen sonst selten geführten Diskurs anzubieten. 

Das Reeperbahn Festival steht genau dafür: Räume schaffen. Vor allem durch das Darüber-Nachdenken werden diese Räume geöffnet und ist ein Raum einmal geschaffen, so schließt sich dieser nicht. 

Die gewaltige Vielfalt an insgesamt 900 verschiedenen Künstler*innen und Programmpunkten macht es zu einem „must-visit“ des späten Festival-Sommers.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.