Meinung

50.000 Schulabbrecher sind genau 50.000 zu viel

Beine eines jungen Mannes an einer Mauer
Bei der Schule gilt: Möglichst nicht den Absprung finden, sondern bis zum Ende durchziehen. Doch das muss den Schülern auch ermöglicht werden
Die Zahl der Schulabbrecher muss gesenkt werden. Und sie kann es auch, denn der Abbruch der Schule liegt selten am Desinteresse der Schüler selbst.
Von Markus Hoppe

Die Zahl derer, die die Schule ohne einen Schulabschluss verlassen, steigt seit 2012 stetig an. 6,9 Prozent der Schüler gingen 2017 ohne Abschluss ab, wie eine gerade veröffentlichte Studie der Caritas belegt. Das entspricht mehr als 50.000 Schülern. 50.000 junge Menschen, die als Schulabbrecher wenig bis keine Chance auf einen Beruf haben, der ihnen Spaß macht. Sie müssen im Zweifelsfall nehmen, was übrig bleibt, können weniger frei wählen als Absolventen mit Abschluss und keine Ansprüche stellen.

Woran liegt das? Am Desinteresse der Schüler? Die Verfasser der Studie nennen die Zuwanderung als einen entscheidenden Grund. Kinder, die aus fremden Ländern nach Deutschland kommen, müssten erst einmal die Sprache fließend verstehen und sprechen, um in dieser einen Abschluss machen zu können. Und das ist echt schwer, fremden Stoff und fremde Sprache gleichzeitig zu erlernen.

Schulabbrecher bewegen den einen Bürgermeister mehr als den anderen

Kommunale Unterschiede seien ein weiterer Grund, wie der Caritas-Präsident Peter Neher in einem Interview sagt. Das Problem der fehlenden Schulabschlüsse interessiere den einen Bürgermeister mehr als den anderen. Daraus erwachsen die lokalen Unterschiede in der Prozentzahl: In Hessen liegt sie unter 6 Prozent, während sie sich in Sachsen-Anhalt auf 10 Prozent beläuft, in Berlin sogar auf 11,7 Prozent.

Wichtiger als die Suche nach den Ursachen ist es nun, zu handeln. Denn ohne Schulabschluss bleiben einem viele Möglichkeiten im Leben verwehrt. Und es gibt durchaus Möglichkeiten, die Zahl zu senken. Wir brauchen eine rechtzeitige Förderung für Schüler, die Probleme beim Lernen haben. Wir brauchen mehr Schulsozialarbeiter. Wir brauchen mehr Möglichkeiten, außerhalb des Unterrichts aufzuholen, was man in der Stunde nicht verstanden hat. Und wir müssen dafür sorgen, dass jeder Schüler Deutsch lernt.

Jeder Jugendliche, der einen Abschluss hat, ist ja nicht nur eine spätere potenzielle Arbeitskraft in wichtigen Ämtern. Es geht da auch um den privaten Wohlstand, die Möglichkeit einer Arbeit, mit der man sich und vielleicht auch eine Familie ernähren kann. Das kann leider nicht jeder. Hoffentlich kann ich in einem Jahr an dieser Stelle kommentieren, dass nur noch 5.000 Schüler die Schule ohne einen Abschluss verlassen und bald nur noch 500 oder weniger.

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