YouTube ist schon längst kein reines Unterhaltungsmedium mehr. Vor allem Schüler nutzen die Plattform intensiv für die eigene Bildung. Müssen sich die Schulen jetzt anpassen?
Von Viktor Neumann

Die Studie „Lernen ohne Schule – Wie YouTube und Co. die Bildungswelt verändern“ des mmb Instituts im Auftrag der Körber-Stiftung zeigt, dass weiterbildende Inhalte auf YouTube Konjunktur haben. Immer mehr Schüler nutzen YouTube, um Inhalte aus der Schule nachzuarbeiten, sich bei den Hausaufgaben Unterstützung zu holen oder sich weiterzubilden. Laut der Studie gucken an die 20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland mindestens einmal pro Woche ein Lernvideo. Denn Lernen ist zu einem wichtigen Bestandteil der Nutzung von YouTube geworden. Für 38 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren war „Wissen aneignen“ nach den Motiven „Zeitvertreib“ und „Unterhaltung“ das drittwichtigste Motiv zum YouTube schauen.

Neues Schulkonzept: Kompetenz- statt Wissensvermittlung?

Doch nun kommen Fragen auf. Ist Schule überhaupt noch aktuell, wenn so viele Schüler sich eh ihr Wissen auf YouTube aneignen? Die Studie gibt drei Vorschläge, auf die Situation zu reagieren, wobei der erste besonders spannend ist.
Vorschlag Nummer eins ist nämlich, die gewandelten Realitäten anzuerkennen. Schule hat nicht mehr das Wissensmonopol. Die Schule sollte ihre Rolle neu definieren und eventuell nicht mehr die Wissensvermittlung als Kernaufgabe sehen, sondern zum Beispiel die Kompetenzvermittlung. Das ist ein neuer Ansatz, der allerdings auch schon im Hochschulbereich Anklang findet. So gibt es in Berlin bereits die private CODE – University of Applied Sciences, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Fokus auf die Kompetenzvermittlung zu legen und den Studenten eher Fähigkeiten als Wissen mit auf den Weg zu geben.

Und das ist gar nicht so weit weg von anderen Konzepten. So äußerte sich bereits der ehemalige Lehrer und Gründer der Alibaba Group, Jack Ma, zu dem Thema mit den Worten: „Wenn wir nicht die Art des Unterrichtens verändern, dann werden wir in 30 Jahren in großen Problemen stecken.“ Und die Kommentare unter den Lernvideos sogenannter EduTuber wie MrWissen2go geben ihm Recht. So schreibt ein Nutzer unter ein Mathe-Video, er hätte in dem fünfminütigen Video mehr gelernt als in den fünf Unterrichtsstunden zuvor. Ein Einzelfall? Keineswegs. Solche Kommentare sind keine Seltenheit mehr.

Mehr Geld für die Digitalisierung der Bildung

Schule sollte da langsam mit der Zeit gehen. Das hat auch die Regierung mittlerweile erkannt und investiert stark in die Digitalisierung der Bildung. So soll mit dem Digitalpakt die Digitalisierung an allgemeinbildenden Schulen mit ganzen fünf Milliarden Euro gefördert werden. Diese können die Schulen für diverse Dinge ausgeben, zum Beispiel für Fortbildungen für die Lehrkräfte, aber auch für moderne Technik für die Schüler.

Wichtig für die Schüler sei, dass Schule auch die Unterrichtsformen anpasse und die Möglichkeiten der neuen Medien voll und ganz nutze, kommentiert es ein Schüler. Denn viel zu oft kommt es anscheinend vor, dass Schulen zwar für viel Geld neue Technik kaufen, sie dann aber schlecht in den Unterricht einbinden.
Die Studie über das Lernen auf YouTube ist also nicht einfach als Bestandsaufnahme zu verstehen, sondern als deutliches Anzeichen dafür, dass Schulen dem digitalen Wandel hinterherhinken.

Titelbild: YouTube Screenshot/ MrWissen2go