Das 21. Jahrhundert und wir sind ja alle sooo tolerant. Nur beim Thema Freundschaft scheint sich die Offenheit in Luft aufzulösen. Junge + Mädchen ist und bleibt Liebe! Die Perspektive eines Mädchens.
Von Antonia Bernitt
Zwei Elefanten als Symbol für Freundschaft
BFFs und Cliquen-Chaos: In dieser Serie widmet sich funky dem Thema Freundschaft.

Die Sache mit der Beziehungskiste

Jeder von uns kennt es, und wir alle hassen es: „Seid ihr zusammen?“ „Wie, du stehst nicht auf den? Du hast doch gestern noch mit ihm geredet. Das ist voll offensichtlich, dass ihr so gut wie ein Paar seid.“ Anscheinend weiß unser Umfeld, ob jetzt die beste Freundin, die kleine Schwester oder der Sitznachbar in der Schule, immer ziemlich früh, wenn sich eine Beziehung anbahnt. Häufig sogar, noch bevor wir es selber wissen. Oder sogar, noch bevor man sich in jemanden verliebt. Ein falscher Blick zur falschen Person reicht oft schon, um den Rest seines Lebens mit dieser Person verkuppelt zu werden. Natürlich nur, wenn sie das „richtige“ Geschlecht hat.

Dass man mit einem Jungen auch ganz normal reden kann, ohne sich ihm gleich um den Hals zu werfen und zu gestehen, wie sehr man ihn liebt, vergessen wir leider viel zu oft.

Chillt mal, könnte man Antonias Haltung zusammenfassen.

Als Mädchen kann man kaum noch nett mit einem Jungen reden, ohne dass sofort Gerüchte aufkommen. „Ihr seid so süß zusammen!“ oder „Wann willst du ihm denn endlich sagen, dass da mehr ist als nur Freundschaft?“ – Niemals, denn da ist häufig gar nicht mehr. Dass man mit einem Jungen auch ganz normal reden kann, ohne sich ihm gleich um den Hals zu werfen und zu gestehen, wie sehr man ihn liebt, vergessen wir leider viel zu oft.

Es ist kein weltbewegendes Problem, keine Katastrophe, aber es nervt. Und in dem Falle sind die sozialen Medien mehr Fluch als Segen. Gerüchte lassen sich in Windeseile verbreiten. Beweisfotos für die angehende Liebesgeschichte, die einmal im Internet stehen, kann man nie wieder ganz löschen. Das Internet vergisst nicht – und das wissen wir alle.

Dabei sind wir in vielen Punkten toleranter geworden. Die Ehe für alle ist das beste Beispiel. Jeder darf jeden heiraten, das Geschlecht spielt dabei keine Rolle mehr, im Gegenteil, viele versuchen krampfhaft und andauernd zu zeigen, wie tolerant sie doch sind, obwohl hinter leeren Worten häufig nicht viel steckt.

Der Trend Toleranz hat Lücken

Offenheit ist zum Trend geworden und somit der erste Trend, der für mich logisch erscheint. Egal wie offensichtlich es ist, dass es sich, leider viel zu häufig, nur um nachgesprochene und wenig durchdachte Worte als um ein ehrliches Statement handelt, die Auswirkung ist die gleiche: Wir wollen alle zeigen, dass wir tolerant sind, dass wir uns Mühe geben, jedem gegenüber offen zu sein. Ein toller Trend, doch leider auch etwas lückenhaft.

Bei Freundschaften zwischen Mädchen und Jungen kommt unsere moderne, tolerante Haltung oft etwas zu kurz. Verbunden mit dem oberflächlichen Denken, nach dem Motto, nur 1+1=2, ist Mädchen + Junge = Liebe. Freundschaft? Nö! Und auch bei dem Thema Freundschaft zwischen Homosexuellen hapert es in der doch so modern denkenden Gesellschaft. Nur weil man nicht auf Mädchen steht, heißt es noch lange nicht, dass man sich sofort in jeden Jungen verliebt, und auch andersherum können homosexuelle Mädchen einfach nur befreundet sein.

Im Umkehrschluss würde niemand auf die Idee kommen, ich sei mit meiner besten Freundin zusammen. Wir könnten wahrscheinlich Händchen haltend durch die Stadt laufen; wenn uns jemand aus unserem Bekanntenkreis sähe, käme er nicht im Traum auf den Gedanken, wir beiden würden uns lieben. Darauf, dass auch 1+1+5-3+4-6=2 ist, kommen wir nur selten. Wir denken mathematisch; so simpel, wie es geht, stur geradeaus. Kurven und Ecken? Gibt es nicht.

Die Sicht eines Jungen auf dieselbe Problematik.

Titelbild: Bei diesen Promi-Freundespaaren funktioniert es ja auch. (c) alle Bilder picture alliance