Es ist Quatsch, dass Jungs und Mädchen keine Freunde sein könnten. Wir bekommen es nur vorgelebt, dass es nicht gehen würde. Die Perspektive eines Jungen:
Von Conrad Bornemann

Zwei Elefanten als Symbol für Freundschaft

BFFs und Cliquen-Chaos: In dieser Serie widmet sich funky dem Thema Freundschaft.

Hört doch mal mit dem Unsinn auf!

Ob eine Freundschaft zwischen einem Mädchen und einem Jungen funktioniert, war für mich nie eine Frage. Ich habe die ersten Jahre mein noch nicht sehr langes Leben zu Hause immer mit Mädchen verbracht. Dummerweise gab es nämlich auf der Straße, auf der ich wohne, keine Jungs.

Zugegebenermaßen war das als einziger Junge nicht immer ganz einfach, aber ich habe trotzdem ganz viele tolle Erinnerungen an diese Zeit. Noch heute gibt es diese Freundschaften. Zwar sieht man sich nicht mehr so oft wie in der Vergangenheit, das verschlechtert allerdings das Verhältnis zueinander nicht.

Da ich, seit ich etwa drei Jahre alt war, immer irgendetwas mit Mädchen unternommen habe, war es auch in der Grundschule und nun auf der weiterführenden Schule keine Frage für mich, sie genauso zu dem eigenen Freundeskreis zu zählen wie die Jungs. Eine geschlechtsspezifische Auswahl der Freunde gab es bei mir nie und eine Phase in der Grundschule wie: ,,Iiiiiiii, das ist ja ein Mädchen‘‘ auch nicht. Für mich immer unverständlich! Diese Einstellung ist mir aber erst wirklich aufgefallen, als Kommentare von Verwandten wie: ,,Er ist ja der Hahn im Korb‘‘ oder ähnliche kamen. Ich habe angefangen, mich darüber aufzuregen, genauso wie über die Verkupplungsversuche in der Schule. Ich war es einfach leid!

Bis es mir irgendwann ziemlich egal geworden war, was die anderen denken, und ich einfach nicht mehr darauf geachtet habe. Ab dann wurde es interessant, weil ich so im Laufe der Zeit ganz viel gelernt habe und über Themen diskutieren konnte, von denen viele Mädchen eine etwas andere Meinung als die Mehrheit der Jungen haben. Ich behaupte, dadurch ein differenzierteres Urteilsvermögen und im Allgemeinen einen guten Umgang mit Menschen in verschiedenen Lebenssituationen erlernt zu haben.

Es hat mir nichts getan, mir geht es gut, ich bin, bis jetzt, groß geworden und habe männliche Freunde, obwohl ich mit Puppen gespielt habe.

Autor Conrad ist mit vielen Freundinnen aufgewachsen.

Die Frage, ob es eine Freundschaft zwischen Mädchen und Jungen geben kann, entsteht nur, weil sie von der Gesellschaft so nicht vorgelebt wird. Die Umwelt der Kinder sieht einfach eine Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen in vielen Fällen nicht vor. Im Prospekt in der Zeitung spielen Mädchen mit Barbie und Puppenküchen und Jungen mit Autos und Schwertern. Wenn ein Kindergeburtstag dargestellt wird, sind dort häufig entweder nur Mädchen oder nur Jungen zu sehen. Die Kinder werden von klein auf in Geschlechterrollen gedrängt, die sie erfüllen sollen.

Ich habe mit meinen Freundinnen mit Puppen gespielt und im Umkehrschluss haben wir auch alle mit Autos gespielt. Es hat mir nichts getan, mir geht es gut, ich bin, bis jetzt, groß geworden und habe männliche Freunde, obwohl ich mit Puppen gespielt habe. Also, liebe Eltern, hört auf, eure Kinder schräg anzuschauen, wenn sie sich mit einem Kind des anderen Geschlechts treffen, und erklärt ihnen Freundschaften als eine gegenseitige Zuneigung, die geschlechtsunabhängig ist. Hoffentlich werden dann auch die Verkupplungsversuche ein Ende finden. Ändert was!

Dieselbe Problematik sehen auch Mädchen. Deswegen haben wir sie aufgeschrieben.

Titelbild: Alle Fotos von picture alliance