Allzu häufig geben Eltern ihren Kleinkindern ihr Smartphone, um sie zu beruhigen. Das muss doch nicht sein, findet unsere Autorin.
Von Teresa Krall

„70 % der Kinder im Kita-Alter nutzen das Smartphone ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich.“ Bei diesem Ergebnis einer BLIKK Studie aus dem Jahr 2017 muss man erst einmal schlucken. Ein Leben ohne Smartphone ist zwar heutzutage für viele Jugendliche und Erwachsene gar nicht mehr vorstellbar, aber bei Kindern sollte der Alltag doch eigentlich noch ohne funktionieren.

Ich habe schon oft folgende Situation in öffentlichen Verkehrsmitteln beobachten können: Ein Kind weint, und um es nun zu beruhigen, wurde meistens zum Smartphone gegriffen. Logischerweise hörten die Kinder auf zu weinen, sobald sie das Handy in der Hand hatten. Da stellt sich mir jedes Mal wieder sofort die Frage: Ist ein Smartphone wirklich die richtige Methode, um sein Kind zu beruhigen, und warum kann das nicht auch anders geschehen? Es gibt Hunderte Alternativen für die Beschäftigung von Kleinkindern, unabhängig davon, ob man zu Hause oder unterwegs ist. Von Bilderbüchern bis zu kleinem Spielzeug ist es ohne Frage möglich, auch unterwegs eine Alternative dabeizuhaben.
Es hat in der Zeit, bevor Smartphones essenziell wurden, definitiv auch funktioniert, seine Kinder ohne technische Geräte großzuziehen. Bilderbücher und Spielzeuge sind meiner Meinung nach sehr viel wertvoller für die Entwicklung eines Kindes und für deren Persönlichkeit.

Es wurde auch schon in mehreren Studien untersucht, ob der übermäßige Gebrauch von Smartphones auch gesundheitliche Folgen haben kann, insofern, dass Entwicklungsstörungen auftreten können. Das ist zwar nicht hundertprozentig nachweisbar, trotzdem sollte alleine die Annahme für junge Eltern alarmierend genug sein, um den Technikkonsum ihrer Kinder so gering wie möglich zu halten.

Und trotzdem ist wahrscheinlich vielen Eltern nicht klar, was der übermäßige Konsum für Folgen haben kann. Es gibt Menschen auf unserem Planeten, die über 80 Mal am Tag auf ihr Handy schauen. Und das sind keine Menschen, die in jungen Jahren schon an Smartphones gewöhnt wurden. Man kann sich also vorstellen, wie das in der Zukunft bei Kindern aussieht, die heutzutage aufwachsen. Und wer möchte denn, dass sein Kind den lieben langen Tag nur auf ein technisches Gerät schaut?

Ich empfinde den Smartphone-Konsum im Jahr 2018 schon als alarmierend und definitiv bedenklich. Zum Ersten achten viele Menschen weniger auf ihre Umwelt. Führt man sich mal vor Augen, dass mindestens 300 Deutsche im Jahr sterben, weil jemand dachte, dass er am Steuer seine Nachrichten lesen müsste, kann einem ganz anders werden. Und diese 300 Leute sind nicht zwingend diejenige, die gleichzeitig gefahren sind und getippt haben.

Auch Kommunikation passiert heutzutage größtenteils über das Smartphone. Dass beispielsweise Verabredungen persönlich ausgemacht wurden, habe ich seit Jahren nicht mehr erlebt. Außerdem ist es doch viel schöner, persönlich mit jemandem zu reden. Eines der größten Probleme sehe ich aber darin, dass viele junge Menschen vergessen, was wirklich im Leben zählt. Weder Likes noch Follower oder rührige Kommentare sind für das wirkliche Leben wichtig. Es sind die persönlichen Beziehungen, die gepflegt werden müssen.

Der Smartphone-Konsum darf bei kleinen Kindern schlicht und einfach noch nicht zum Alltag gehören. Die Risiken und Folgen für die Zukunft des Kindes selbst und der Gesellschaft insgesamt sind nicht absehbar.