Malvin Meven ist Straßenmusiker aus Leidenschaft. Wahrscheinlich aber nicht mehr lange, denn auf der Straße zu singen und Gitarre zu spielen wird immer schwieriger.
Von Alene Paulina Schnell

Für manche Hamburger ist er der, der öfter vor der Europa-Passage sitzt. Für andere der, der mal „CL500“ von Gzuz gecovert hat. Das Video wurde zum Hit, doch Malvin Meven ist immer noch Straßenmusiker aus Leidenschaft. Wir haben ihn zum Gespräch getroffen.

Wolltest du schon immer Straßenmusiker werden?

Musik machen wollte ich schon immer, Straßenmusik nicht unbedingt. Als ich 15 war, war ich in der Stadt unterwegs und habe zwei Straßenmusiker aus Manchester gesehen. Die haben mich so umgehauen, da fand ich es überhaupt nicht mehr verwerflich, auf der Straße zu sitzen – wenn solche Leute selbst auf der Straße sitzen! Da dachte ich mir: Warum denn nicht?

Was haben deine Eltern zu deiner Idee gesagt?

Am Anfang haben sie mich gefragt, ob ich Drogen verkaufe, weil ich hin und wieder viel Geld mit nach Hause gebracht habe. Aber ansonsten fanden sie es nicht schlecht. Sie haben mich auch am Wochenende immer rausgelassen, was ja auch nicht selbstverständlich ist. Ich habe in Tornesch (knapp 30 Kilometer nordwestlich von Hamburg; Anm. d. Red.) gewohnt und bin dann immer nach Hamburg gefahren. Meine Eltern dachten sich: Der Junge geht zumindest raus und macht etwas.

Kannst du dir so deinen Lebensunterhalt verdienen oder machst du auch noch andere Jobs?

Bisher habe ich noch nicht wirklich als etwas anderes gearbeitet. Zwischendurch habe ich mal in einem Handyladen gearbeitet, das war aber mehr aus Interesse, weil ich selber angefangen habe, Handys zu reparieren. Sonst bin ich ab und an im Gasthof meiner Mutter eingesprungen. Finanziell nötig hatte ich das aber eigentlich nicht.

Was machst du eigentlich, wenn du nicht auf der Straße musizierst?

Ich studiere Geowissenschaften in Kiel.

Du willst also nicht ewig Straßenmusiker bleiben?

Ich habe angefangen zu studieren, da das Spielen auf der Straße zu stark reglementiert worden ist. Es ist nicht mehr so rentabel, dass man davon leben könnte. Man darf in Hamburg seit vergangenem Jahr nicht mehr in der Innenstadt spielen, mit Verstärker sowieso nicht. In vielen anderen Städten ist es ähnlich. Straßenmusiker zählen anscheinend nicht so viel wie Leute, die ihre Büros in der Innenstadt haben. Ich sehe da eine Kultur schwinden und vermisse jetzt schon den einstigen Zauber der Innenstadt.

Welchen Unterschied macht der Verstärker – abgesehen von der Lautstärke?

Wenn ich mich irgendwo hinsetze, nur mit Gitarre und purer Stimme, kann ich mit 30 bis 50 Euro an einem Tag rechnen. Mit Verstärker in der Innenstadt hatte ich Monate, wo ich Steuern hätte zahlen müssen, wenn ich das ganze Jahr gespielt hätte.

Ich sitze da und verteile ein bisschen Entschleunigung.

Malvin Meven spielt gerne auf der Straße.

Wie stehst du zum Musizieren im Studio oder auf der Bühne?

Ich mache gerne das, worauf ich Lust habe. So kann mir keiner sagen, was ich spielen muss. Gerade nehme ich mit vier befreundeten Produzenten mein zweites Album auf. Aber ich habe auch nichts dagegen, wenn jemand mich fragt, ob ich mein Set irgendwo spielen kann. Das mache ich auch hin und wieder, zum Beispiel auf Hochzeiten. Ich freue mich, wenn jemand auf mich zukommt, wie bei dem Musikvideo, das im Netz verbreitet wurde. Aber ich bin weniger der Typ, der mit seiner Musik auf Leute zugeht und sagt: „Guckt mal, was ich Tolles kann“.

Was möchtest du dann bei den Passanten erreichen?

Eigentlich nur, dass sie ein bisschen Freude an der Musik mit mir teilen können. Also ich sitze halt da und verteile ein bisschen Entschleunigung. Die Leute hier in der Stadt sind immer so gestresst, und das finde ich schade zu sehen.

Wirst du denn überhaupt weitermachen?

Wenn selbst ein Zehn-Euro-Job lukrativer wird, dann werde ich mich wahrscheinlich eher bemühen, doch auf der Bühne zu spielen oder Studiomusiker zu sein.

Ein Plattenlabel hat dich mal angesprochen. Ist da etwas draus geworden?

Mir wurde eine Umsatzbeteiligung für verkaufte Platten angeboten, aber das hat für mich einfach nicht gepasst. Stattdessen bin ich auf eine Europareise mit meinem besten Freund gefahren. Im Nachhinein bin ich ganz froh, dass daraus nichts geworden ist. Das war nämlich ein Rap-Label und dort wär ich wahrscheinlich mit den Leuten von 187 Strassenbande zusammen gewesen. Ich weiß nicht, ob ich da nicht irgendwohin abgerutscht wäre, wo ich nicht hätte sein sollen.

Ein anderes Thema, über das du auf deinen Social-Media-Accounts oft schreibst, ist Nachhaltigkeit. Ist das mit deinem Studium und Job vereinbar?

Mit meinem Studium auf jeden Fall. Mit dem Musikmachen ist es immer die Frage. Ich fahr jedes Wochenende mit dem Auto nach Hamburg und meine Gitarrensaiten werden in Plastik verpackt geliefert, weil sie sonst rosten würden. Ich versuche aber, alles immer bei einem Minimum zu halten. Und wenn ich Geowissenschaften studiere und am Ende nicht für die Ölfirmen arbeite, was ich damit tun könnte, sondern mich für den Klimaschutz einsetze, dann passt das alles sehr gut zusammen.