Die young leaders Akademie bringt engagierte Jugendlichen zum Networken zusammen. Unser Autor war dabei und berichtet davon.
Von Linus Walter

Strausberg, Dienstagabend, 21:04 Uhr. Ich stolpere aus der S-Bahn. Statt der Berliner Skyline liegt vor mir die leer gefegte Endhaltestelle der S5. „Hier soll die elitär angepriesene young leaders Akademie stattfinden?“, wundere ich mich, während ich in Richtung des Tagungsortes laufe, dem Zentrum Informationsarbeit der Bundeswehr.

Nach dem sehr netten Empfang in der Lobby durch die Betreuer sind alle Strapazen der Bahn-Anreise vergessen. Wir werden gut informiert, bekommen eine Mappe und werden für den nächsten Tag gebrieft. Zeit für einen kurzen Austausch mit anderen Teilnehmern bleibt auch. Spätestens hier muss ich mich von elitären Vorstellungen über die Akademie verabschieden. Eine kurze Nacht auf der unbequemen Bundeswehrmatratze später sitze ich im Konferenzraum und werde zusammen mit 100 anderen Jugendlichen von der Kongressleiterin im Namen der young leaders GmbH begrüßt. Doch was ist eigentlich die young leaders GmbH?

Wer ist die young leaders GmbH?

Die young leaders GmbH ist eine Firma, die sich der politischen Jugendbildung verschrieben hat. Neben der young leaders Akademie werden auch diverse Workshops oder die European Youth Debating Competition von ihr ausgerichtet. Ziel ist primär, Jugendlichen eine Plattform zum Networken zu bieten. Außerdem will die young leaders GmbH politisch interessierte junge Leute fortbilden. Auftraggeber sind diverse Ministerien, diesmal ist es das Bundesverteidigungsministerium. Gefördert werden die vierteljährlich stattfindenden Akademien außerdem unter anderem durch das Deutsche Institut für Altersvorsorge.

Am ersten Programmtag ging es mit einer Diskussion im Plenum los. Religionsphilosoph Jörg Splett debattierte mit den Teilnehmern über Dimensionen der Menschenwürde. Anders als die meisten Teilnehmer lehnt Splett Abtreibungen strikt ab. So kam es zu intensiven, kontroversen Diskussionen. Moderiert wurde das Plenum von einem Berliner Richter. Wollte man etwas fragen, musste man sein Namensschild hochhalten. Man wurde dann auf die Warteliste gesetzt und konnte – sollte die Zeit ausreichen – seine Frage stellen. Am Donnerstag standen direkt zwei Gäste im Plenum auf dem Plan. Nach Kapitän zur See Christian Dienst, der über das Vertrauen in Sicherheitsorgane sprach, gab es die Möglichkeit, mit Carsten Polanz über den Islam zu diskutieren. Die Chance wurde von den meisten Teilnehmern intensiv genutzt.

Und Action!

Am Freitag wurde es nach den theoretischen Veranstaltungen im Plenum etwas praktischer. Innerhalb von 24 Stunden wurden ein TV-Magazin, ein Web-Mag und eine Kongresszeitung erstellt. Angeleitet wurden die einzelnen Gruppen von Profijournalisten von überregionalen und regionalen Medien. Während manche in der Zeitungsgruppe schon am Layout arbeiteten, interviewten andere Generalmajor Carsten Breuer oder Experten aus der Wirtschaft. Gegen Ende wurde es hektisch. „An welche Mail-Adresse muss der Artikel noch mal? Wer ist für das Layout zuständig? Wir brauchen noch ’nen Namen!“ So muss es sich in einer Redaktion vor Druckschluss anfühlen. Dennoch liegt am nächsten Morgen eine frisch gedruckte Zeitung vor uns. Medien-Action pur.

Am Samstag, dem letzen großen Programmtag, standen verschiedene Workshops an. Man konnte zwischen Business-Englisch, Verhandlungstraining, Mimik-Resonanz-Training oder einem Assessment-Training wählen. Ich entschied mich für das Verhandlungstraining. Sechs Stunden lang führte uns Pädagoge Rainer Beckedorff in Pychologie und Gesprächstaktiken ein. Verhandlungen mit Schulleitern oder Eltern sollten so kein Problem mehr für die Teilnehmer sein. Am Ende stand eine praktische Übung. Man hatte wahlweise die Möglichkeit, mit Beckedorff als Lehrer, Vater oder Schulleiter zu verhandeln. Kaum hatte man ein Argument genannt, wurde man von Beckedorff argumentativ wie rhetorisch zerlegt. Im Anschluss reflektierte er die Verhandlung und gab Tipps fürs nächste Mal.

„Wie geht es Ihnen heute?“, fragte ein Teilnehmer den ehemaligen Stasi-Gefangenen.

Am Sonntag, dem Abreisetag, stand ein Besuch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen, einem ehemaligen Stasi-Gefängnis, auf der Agenda. Ein ehemaliger Insasse berichtete eindrucksvoll von seiner Haftzeit, wie er freikam, wie er rehabilitiert wurde. „Wie geht’s Ihnen heute?“, fragte ein Teilnehmer. Dem Zeitzeugen fiel die Antwort sichtlich schwer. Er schluckte und berichtete von zerstochenen Reifen und Morddrohungen. Zwei Mädchen wurde es zu viel. Sie brachen die Führung ab.

Das war’s, ab nach Hause

Mit der Führung endete auch die Akademie. Wir wurden zum Berliner Hauptbahnhof gebracht. Ich verabschiedete mich von diversen Teilnehmern. Zu guter Letzt wollte ich meinen Zimmernachbarn verabschieden. Ich sah ihn nur noch von hinten. Er erreichte gerade noch den letzten Direktzug.

Außer den nicht so komfortablen Betten kann ich an der Akademie nichts bemängeln. Ich konnte noch nie in sechs Tagen so viel Input aufnehmen und auch behalten. Mein persönlicher Höhepunkt war der Besuch in der Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Bild: young leaders GmbH