Unsere Autorin hat drei Wochen lang ein Sozialpraktikum in Perus Hauptstadt Lima gemacht. Ein Erfahrungsbericht.
Von Teresa Krall

Rund 11.000 Kilometer liegen zwischen Hamburg und der Hauptstadt Perus. So weit flogen 20 meiner Mitschüler und ich vergangenes Jahr, um in einem armen Viertel von Perus Hauptstadt ein Sozialpraktikum zu machen. 

In Lima kann man Armut und Reichtum in einer Stadt so offensichtlich erleben wie in kaum einer anderen. Auf der einen Seite gibt es Stadtteile, in denen reiche Menschen in ihren luxuriösen Apartments wohnen und vom Balkon auf den Pazifischen Ozean blicken. Fährt man gerade mal 40 Minuten landeinwärts, so erlebt man den genauen Gegensatz. Menschen leben in Häusern, die teilweise weder Strom noch Wasser haben und einstürzen würden, sobald ein Erdbeben käme. In einem der Stadtteile, in dem die ärmere Bevölkerung wohnt, halfen wir in einer Schule, die auch einen Kindergarten und eine Behinderteneinrichtung hat. 

Die Schule ist Partner unserer Schule in Hamburg. Jedes Jahr dürfen sich Schüler der 10. Klasse für dieses Sozialpraktikum bewerben. Es werden dann immer zwischen 15 und 20 Schüler ausgewählt, die nach Lima fliegen dürfen. Eine Voraussetzung ist allerdings, dass man etwas Spanisch sprechen kann. Zwei Lehrer unserer Schule organisieren die Reise und fliegen auch mit nach Lima. 

Menschen voller Lebensfreude

Als wir zum ersten Mal an der Schule ankamen, wurden wir von allen Kindern und Lehrern empfangen. Sie standen auf dem Gelände der Schule, um uns zu winken. Eine Begrüßung, so unglaublich herzlich und überwältigend, dass man es eigentlich nicht in Worte fassen kann. Die Menschen in der Schule behandelten uns, als würden sie uns schon seit Ewigkeiten kennen und nahmen uns sehr offen und herzlich bei sich auf. Dass kleine Kinder sogar ihr Essen mit uns teilen wollten, obwohl sie nicht viel hatten, war wirklich rührend.

Ein Sozialpraktikum unterscheidet sich von dem berufsorientierenden Praktikum nur in einem Punkt: Jeder Schüler muss diese Zeit in einer sozialen Einrichtung verbringen. Das können Kindergärten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder für alte Menschen sein. Die Zeit in einem sozialen Beruf soll Schülerinnen und Schülern die Bedeutung dieser Tätigkeiten zeigen und dabei auch beweisen, wie schön diese Jobs sein können. Die soziale Kompetenz und die Fremdsprachenkenntnisse werden dabei selbstverständlich auch gefördert.

In der Schule in Lima konnten wir uns aussuchen, ob man am Morgen in den Kindergarten, die Grundschule oder in die Behinderteneinrichtung geht. Ich persönlich war im Kindergarten und habe dort auf die Kinder aufgepasst, mit ihnen gespielt und mir ihre Geschichten angehört. Meine Mitschüler, die in den anderen Einrichtungen waren, haben etwa das Gleiche gemacht. Am Nachmittag hat man dann Zeit mit den älteren Schülern in den „talleres“ verbracht. „Talleres“ sind Werkstätten, in denen die Schüler ein Handwerk erlernen können. Dazu gehörten in diesem Fall der Beruf des Friseurs, Bäckers oder auch Tischlers.

Die Lebensfreude und Dankbarkeit der Menschen an der Schule waren unfassbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier in Deutschland Leute eine solche Zufriedenheit und Freude am Leben ausstrahlen würden, wenn sie nur das Nötigte besäßen. 

Titelbild: Juan Zacarias / dpa