Lea Josepha Fried engagiert sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich bei Amnesty International. Auch in diesem Jahr ist sie wieder beim Briefmarathon dabei. Wie das läuft und was sie sonst so macht, erzählt sie uns im Interview.
Von Marleen Herberg

Seit 2001 organisiert Amnesty International Ende jeden Jahres den Briefmarathon, bei dem sich Menschen aus der ganzen Welt aktiv für Menschenrechte einsetzen können. Dieses Jahr findet die Aktion in Deutschland vom 29. November bis 23. Dezember statt. Die 18-jährige Lea Josepha Fried aus Berlin ist bereits seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich für die Organisation tätig.

Warum engagierst du dich für Amnesty und den Briefmarathon? 

Für Amnesty engagiere ich mich, weil der Einsatz für Menschenrechte wichtig ist. Außerdem finde ich es wichtig, da wir in Deutschland in einer sehr weit entwickelten Gesellschaft leben und dadurch auch eine gewisse Verantwortung tragen. Für den Briefmarathon engagiere ich mich, weil das die Hauptform des Engagements ist und man sich direkt für Menschenrechtsverteidigerinnen einsetzen kann. Außerdem ist die Aktion sehr groß und bewirkt viel.

Schreibst du auch selbst Briefe?

Es gibt während des Briefmarathons die Möglichkeit, vorgefertigte Briefe zu unterschreiben. Die habe ich die letzten Jahre alle unterschrieben und werde es auch dieses Jahr wieder tun. Meistens schreibe ich aber auch ein oder zwei Briefe selbst.

Wie entstand der Briefmarathon?

Angefangen hat die Aktion 2001 in Polen, dort schrieben mehrere Schulen 2000 Briefe. Nach und nach wurden es dann immer mehr Länder, sodass 2009 schon 733.000 Briefe geschrieben wurden. Und letztes Jahr waren es bereits 5,5 Millionen Briefe weltweit, was eine tolle Entwicklung ist.

Welches Ziel verfolgt Amnesty damit?

Amnesty will auf die Betroffenen aufmerksam machen und damit den Menschenrechtsverteidigern helfen und deren Situation verbessern.

Wie läuft der Briefmarathon ab? Wer schickt Briefe an wen?

Dieses Jahr gibt es wieder zehn Menschen, für die Briefe geschrieben werden können. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit, vorgefertigte Briefe von Amnesty zu unterschreiben. Eine Person ist Athena Daemi aus dem Iran, die festgenommen wurde und seit vier Jahren in Haft sitzt, da sie sich gegen die Todesstrafe eingesetzt hat. Dort geht es ihr aufgrund unangemessener Gesundheitsversorgung sehr schlecht. Im Rahmen des Briefmarathons an Schulen schreiben Schüler und Schülerinnen Briefe an die Regierung, in denen sie eine hinreichende medizinische Versorgung für Athena fordern. Diese Briefe werden einzeln an die Regierung verschickt, sodass am Ende Massen von Briefen eintreffen. Zusätzlich ist das Briefeunterschreiben auch online möglich, wie bei einer Petition.

Im Jahr 2016 war eine der Personen, für die Briefe geschrieben wurden, Edward Snowden. Er hat sich bei den Brief-Schreibern bedankt, dass sie an seiner Seite stehen und sich mit ihm deutlich machen, dass die Wahrheit etwas bedeutet.

Wie erreicht Amnesty die Menschen, damit diese Briefe schreiben?

Der Briefmarathon ist eine weltweite Aktion und in Deutschland ist es so, dass es einerseits den Briefmarathon an Schulen gibt: Die Schulen können vorbereitetes Unterrichtsmaterial bestellen und in alle Fächer mit einbinden, in denen dann auch die Briefe geschrieben werden. Andererseits gibt es in ganz Deutschland viele öffentliche Aktionen von Mitgliedern im Zeitraum vom 29. November bis 23. Dezember, wie in der Vergangenheit beispielsweise Stände in vielen Städten oder ein 24-Stunden-Briefmarathon mit Kulturprogramm. Mithilfe dieser Aktionen wird versucht, Leute dafür zu begeistern, Briefe zu schreiben.

Kann eine Person mehrere Briefe schreiben?

Ja. Für jede der zehn Personen kann man jeweils einen „offiziellen“ Brief an die politisch Verantwortlichen schreiben sowie auch einen Solidaritätsbrief. 

Was schreiben die Menschen in diesen Briefen?

Das weiß ich nicht ganz genau, man kann sich da an den Formulierungen der vorgefertigten Briefe orientieren. Bei Briefen an die Regierung oder einen Minister wird oft eine Freilassung gefordert. Wichtig ist in jedem Fall, dass man höflich und sachlich bleibt. Wenn aber Briefe direkt an die betroffenen Menschenrechtsverteidiger geschrieben werden, schreiben die Menschen viel von Solidarität und Bewunderung.

Hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Briefe auch etwas bewirken?

Ja, bewirkt haben die Briefe auf jeden Fall etwas. Es kommen Massen an Briefen zu den Menschen, die angesprochen werden – beispielsweise die Solidaritätsbriefe an Menschenrechtsverteidiger, die im Gefängnis sitzen. Teilweise führte es in der Vergangenheit dazu, dass die Haftbedingungen verbessert wurden und sogar vereinzelt Menschen aus dem Gefängnis entlassen wurden. Ein konkretes Beispiel aus dem letzten Jahr: Der Blogger Mahadine aus dem Tschad war mehr als 18 Monate in Haft und ihm drohte eine lebenslängliche Haftstrafe. Der Regierung wurden 69.000 Briefe geschickt, die am Ende tatsächlich die Freilassung Mahadines bewirkten.

Lohnt sich der Aufwand für das, was die Briefe bewirken?

Ich denke, dass es keinen größeren Erfolg geben kann als die Freilassung. Durch den Briefmarathon an Schulen lernen außerdem Schülerinnen und Schüler ihre Rechte kennen und der Unterricht wird durch das Briefeschreiben greifbarer.

Was machst du neben deiner ehrenamtlichen Arbeit bei Amnesty?

Ich habe im Sommer mein Abitur gemacht und mache jetzt seit September ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim WWF in Berlin. In meiner Freizeit zeichne und male ich gerne, mache viel Musik auf dem Klavier sowie der Ukulele und spiele Tennis.

Bilder: Amnesty International / Sarah Eick