Interview

Jung und engagiert: „Foodsharing ist mein Weg der Nachhaltigkeit“

Junge Leute teilen Brot
Ehrenamtliche Helfer der Gruppe Foodsharing teilen am 23.11.2017 in Mainz kiloweise Backwaren unter sich auf. Die Lebensmittel haben sie zuvor kurz vor Ladenschluss kostenlos bei mehreren türkischen Bäckereien erhalten. Einen Teil der Backwaren verteilen die Aktivisten unter ihren Freunden und Bekannten, ein anderer Teil kommt in öffentlich zugängliche Essensverteiler in der Stadt. Die Engagierten, die sich Foodsafer nennen, haben es sich zum Ziel gesetzt, gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. (zu dpa «Einfach nur Essen retten? Aktivisten mit Putzplänen und Vereinsrecht» vom 26.11.2017) Foto: Doreen Fiedler/dpa | Verwendung weltweit
Henriette ist jung und engagiert: Sie rettet Lebensmittel mit der Organisation foodsharing und verteilt sie an Nachbarn und Freunde.
Von Julia Sauer

In Henriette Juches Profil steht, dass sie 5.495 Kilogramm Lebensmittel vor der Mülltonne gerettet hat. Fünf Vertrauensbananen und Kommentare anderer Nutzer zeigen, wie zuverlässig sie ist. Sie ist Teil einer speziellen Community: foodsharing.de. Henriette rettet Lebensmittel vor dem Müll. Angefangen hat die 24-Jährige vor drei Jahren. Wir haben sie gefragt, was genau sie heute dort macht.

Wie bist du darauf gekommen, dich bei foodsharing.de zu engagieren?

Schon lange bevor ich angefangen habe, fand ich, dass Lebensmittelverschwendung eines der größten gesellschaftlichen Probleme ist. Es kann nicht sein, dass so viele Lebensmittel weggeschmissen werden, während Leute hungern. Dann hat eine Freundin von mir bei foodsharing.de angefangen und von ihren ersten Erfahrungen erzählt. Ich habe mich entschlossen, das auch zu versuchen.

Warum machst du das?

Weil foodsharing.de es Privatpersonen möglich macht, einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung zu leisten.

Was genau sind deine Aufgaben?

In meiner Rolle als Foodsaverin hole ich bei Kooperationsbetrieben Essen ab und bin ab diesem Zeitpunkt dafür verantwortlich. Ich versuche es dann vor der Verschwendung zu bewahren.

Für Essen verantwortlich sein, was bedeutet das?

Verschiedene Lebensmittel müssen auf eine bestimmte Art transportiert und gelagert werden, damit sie nicht verderben. Zum Beispiel müssen Milchprodukte gekühlt werden. Dafür muss ich sorgen. Andere Lebensmittel dürfen gar nicht gerettet oder weitergegeben werden, wie rohes Hackfleisch, weil es so verderblich ist.

Und was machst du als Betriebsverantwortliche?

Ich bin für die Kommunikation zwischen einem kooperierenden Betrieb und dem Team aus Foodsavern und Foodsaverinnen verantwortlich und sorge dafür, dass alle Abholungen sichergestellt sind.

Wo holst du die Lebensmittel ab?

Es gibt ganz viele unterschiedliche Betriebe, die mit foodsharing.de kooperieren. Oft sind es Bäckereien, die dann nach Ladenschluss alles, was sie nicht verkauft haben, an uns abgeben. Aber auch Supermärkte oder Frühstücksbuffets von Hotels machen mit.

An wen verteilst du das Essen?

Es gibt ganz unterschiedliche Stellen, wo man die Lebensmittel hinbringen kann. Ich verteile sie häufig an Nachbarn und Bekannte, dadurch kann ich ihnen auch von Foodsharing erzählen und die Idee weiterverbreiten.

Das klingt ganz schön aufwendig. Wie viel Zeit pro Woche bist du mit Foodsharing beschäftigt?

Ich habe noch nie die Zeit gestoppt. (lacht) Das Gute ist, dass man sich das selbst einteilen kann. Wenn ich mal keine Zeit habe, kann ich mir eine Schlafmütze aufsetzen und sagen, dass ich gerade nicht aktiv bin.

Schlafmütze?

Da die Kommunikation hauptsächlich über die Plattform foodsharing.de läuft, ist es für die Teamverantwortlichen sehr wichtig zu wissen, ob man gerade aktiv ist oder eventuell in einer Phase, in der man nicht so viel Verantwortung übernehmen kann, weil man zum Beispiel gerade umzieht oder krank ist oder verreist oder im Lernstress. Dann kann man sich eine virtuelle Schlafmütze aufsetzen.

Was macht dir am meisten Spaß?

Das Retten mit anderen Menschen! Ich finde es schön, andere Leute mit ganz unterschiedlichen Hintergründen kennenzulernen, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagieren.

Was bedeutet dein Engagement für dich?

Das ist eine Lebenseinstellung: nicht nur vor mich hinzuleben, sondern mit meinem Leben auch einen positiven Beitrag zu leisten. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Im Bereich Ernährung ist Foodsharing mein Weg der Nachhaltigkeit.

Lebensmittel retten

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Foodsharing.de ist eine ehrenamtliche Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt, indem sie übrig gebliebenes Essen von Supermärkten, Bäckereien, Hotels oder Restaurants abholt und weiterverteilt. Die Aufgaben unterscheiden sich je nach Rolle: Man kann Foodsharer, Foodsaver, Betriebsverantwortlicher und Botschafter sein. Anmelden kann sich jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist, auf foodsharing.de.

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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.