Wir haben auf der Frankfurter Buchmesse nachgefragt: Wie steht es um das Buch? Lesen Jugendliche noch Bücher? Und welchen Einfluss hat das Internet?
Von Marti Mlodzian

Um 10 Uhr morgens ist noch nicht so viel auf dem Gelände der Frankfurter Buchmesse los – doch für mich steht direkt der erste Programmpunkt an: Im Pavillon findet eine Gesprächsrunde mit den Preisträgern des Jugendliteraturpreises statt. Er wird in den Kategorien „Bilderbuch“, „Kinderbuch“, „Sachbuch“, „Kritikerpreis“ vergeben, außerdem gibt es einen Jugendjurypreis sowie zwei Sonderpreise für das „Lebenswerk Übersetzung“ und ein „Neues Talent Übersetzung“. Das Buch kann noch nicht ausgestorben sein, wenn solche Preise vergeben werden.

Dann ging es für mich weiter zu verschiedenen Lesungen von Autoren und zum Stöbern bei einigen Verlagen. Es gab einen enormen Andrang, wenn berühmte Autoren von Jugendbüchern mit netten Wörtern den Jugendlichen Bücher signierten. Dass sich Jugendliche nicht für Bücher interessieren, scheint also ebenfalls ein Irrglaube.

Einen Weltrekordversuch zum Harry-Potter-Jubiläum gab es auch: Man wollte 1000 als Harry Potter verkleidete Menschen versammeln. Leider kamen aber nur 900 – für den Weltrekord zu wenig, aber immer noch wahnsinnig viele.

Sind das die Letzten, die noch lesen?

Sind die Jugendlichen, die zur Frankfurter Buchmesse kommen, die Letzten, die noch lesen? Nutzen wir das Internet nicht viel mehr als Bücher? Ich habe mich darüber mit Sylvia Paiva vom Rowolth Verlag und Katinka Bock von den S. Fischer Verlagen unterhalten. Beide hatten unterschiedliche Meinungen.

Sylvia Paiva blickt optimistisch in die Zukunft und sagt, dass das Internet und das Buch in dem Verhältnis 50:50 zueinander stehen und man versucht, beides zu verbinden. Katinka Bock sagt hingegen, dass es für das Buch immer schwerer werde, gegen das Internet anzukommen, und dass Jugendliche weniger Bücher lesen würden als früher. Doch auch sie denkt, dass fesselnde Geschichten die Jugendlichen weiterhin überzeugen können. Die Verlage sehen das also recht unterschiedlich. 

Deswegen bin ich weitergezogen, um mehr Meinungen einzuholen. Zuerst habe ich zwei Buchwissenschaftsstudenten der Universität Erlangen nach der Zukunft des Buches gefragt. Die beiden lesen in ihrem Studium übrigens keine Bücher, sondern beschäftigen sich mit allen Aspekten eines Buches, nur nicht mit dem Text. Sie sagten mir, dass das Buch ein wichtiges Medium bleiben wird und auf jeden Fall Zukunft hat, aber dass es, unter anderem, um Leser zu gewinnen, mit anderen Medien verbunden werden muss. Drei Studentinnen der Hochschule der Medien in Stuttgart erzählten mir Ähnliches und gaben mir zusätzlich die Information, dass die Menschen immer exklusivere, hochwertigere und schönere Bücher haben wollen.

Halten wir also fest: Das Buch wird immer bleiben – wenn auch digital und verknüpft mit anderen Medien. Ich lade mal auf Instagram ein Foto hoch – ganz ohne schlechtes Gewissen, dabei ein Buch zu töten.

Titelbild: dpa / Silas Stein