Wir wollen mitreden! Denn Politik ist keineswegs nur etwas für Erwachsene. Wie wäre es mit echter Beteiligung in einem Bundestag der Jugend?
Von Noah Egner

Das politische Milieu ist nicht nur ein Erwachsenen-Milieu. Es ist ja nicht so, dass Mami und Papi uns das Tagesgeschehen eingeordnet und abgeurteilt vor die Füße werfen. Und wir dann nur noch konsumieren, bis wir volljährig sind.

Leider, und das noch viel zu häufig, liebe Erwachsene, lächelt ihr unsere Ideen zu politischen Themen weg oder krittelt sie hinunter, bis uns jegliche Lust zur Beteiligung am allgemeinen Diskurs vergangen ist. Ich meine diese Grundhaltung uns gegenüber: Wenn ihr über unsere Generation sprecht, redet ihr immerzu von „der Jugend“, als seien wir ein mystisches, gerade neu entdecktes Kollektiv von Kreaturen, denen man nicht über den Weg trauen könnte. Fast so, als wenn man uns einfangen, genauestens inspizieren und studieren müsste, bevor man unser allgemeines und intellektuelles Dasein akzeptieren könnte.

Geht es nach euch, müssen wir uns für jegliches Tun eure Legitimation holen, doch wer gibt euch eure? Eine Zahl auf dem Perso kann doch nicht allein ausschlaggebend sein.

Wir haben eine politische Meinung und wir können sie auch vertreten

Während unser Schaffen kritisch beäugt wird, bestimmt ihr, die selbsternannten Vernünftlinge, wer als Regierung unsere Zukunft bestimmt – vernünftig ist das nicht, weil ihr meistens an euch selbst denkt. Manchmal habe ich das Gefühl, ihr glaubt, wir lebten in Elfenbeintürmen, isoliert und blasiert, getrennt von eurer Realität und eurem Alltag, allein umgeben von Instagram und YouTube. Aber keine Sorge, wir haben eine eigene Meinung und können diese auch alleine vertreten.

Das Problem: Nach der Shell-Jugendstudie aus dem Jahre 2015 ist die Politikverdrossenheit bei den 12- bis 25-Jährigen weiterhin sehr hoch. Der Aussage „Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken“ stimmen 69 Prozent zu. Dem liegt zugrunde, dass eine Mehrheit sich von den alten Parteien nicht gehört fühlt. Auch hier stehen sich Alt und Jung gegenüber und die jungen Menschen fühlen sich von den Alten missverstanden.

Parteien sind ja die institutionalisierte Form von politischer Beteiligung. Parteien sollen das Bindeglied zwischen Staat und Gesellschaft sein. Politische Entscheidungen ohne sie sind undenkbar. Aber was ist mit den 12- bis 18-Jährigen, gehören die nicht zu der Gesellschaft? Oder wollen die Parteien sie einfach nur überhören? Das wäre nicht sehr nachhaltig, denn viele von ihnen kommen bald in das wahlfähige Alter.

Kein Spiel – echte Beteiligung!

Der Deutsche Bundestag machte sich die Mühe und veranstaltete vom 23. bis zum 26. Juni ein Planspiel, bei dem 355 Jugendliche das parlamentarische Verfahren nachstellen durften und Debatten zu bestimmten Themen geführt haben. Die Teilnehmer zwischen 17 und 20 Jahren konnten ganze vier Tage lang Abgeordnete spielen. Für mich klingt das so: „Demokratie spielen, na klar, macht das, wenn ihr wollt, aber das war’s dann auch.“

Alle Parteien im aktuellen Parlament haben eine Jugendorganisation, welche die zukünftigen Parteidinosaurier züchten soll. Aber die steile Politikkarriere startet dann doch bitte erst mit anfangen vierzig. Wieso?

Ich hätte da einen anderen Vorschlag: Viele der Jugendlichen sind doch schon in den Jugendorganisationen der Parteien. Warum gibt man ihnen nicht einen Ort, an dem sie sich alle treffen können, um das zu machen, was eine gute Demokratie wirklich braucht: sich an Diskussionen beteiligen, und zwar an allen? Also eine Art Deutschen Bundestag für die Jugend.

Ähnliches fordert auch die „Demokratische Stimme der Jugend“, die wir zum Video-Interview getroffen haben.

Ergänzung: Auf Gemeindeebene gibt es größtenteils schon Jugendräte, die Anträge an die Gemeinde stellen können und so die Kommunalpolitik mitgestalten können.

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