Unser Autor hat Urlaub gemacht und muss festhalten: Der Stand der digitalen Infrastruktur in Deutschland ist einfach nur peinlich.
Von Marti Mlodzian

2013 sagte Angela Merkel beim Besuch von Barack Obama in Berlin diesen Satz: „Internet ist für uns alle Neuland.“ Fünf Jahre später ist das Internet längst kein Neuland mehr. Für alle – bis auf die Bundesregierung.

Die meisten kennen hoffentlich das gute Internet, aber einige wohl auch das schlechte Internet. Und damit meine ich keinesfalls die Inhalte des Netzes, sondern die Qualität der Datenübertragung. Denn es gibt tatsächlich noch Gegenden in Deutschland, in denen es Internetverbindungen mit unter 10 Mbit/s gibt. Glasfaser ist da ganz weit weg. Dabei hatte die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag doch schnelles Netz für alle versprochen. Sogar von „Weltklasse“ war da die Rede. Ob da wohl bis Ende des Jahres was draus wird? Oder zumindest bis zum Ende der Legislaturperiode?

Das geht auf unsere Kosten

Ich war im Urlaub in den Bergen. In einem kleinen Stadtteil einer etwas größeren Stadt. Mein Glück war, dass es dort immerhin etwas WLAN gab. Ich habe für das Versenden einer E-Mail etwa zwei Minuten gebraucht. Norma- lerweise dauert das zehn Sekunden.

Man kann es sich kaum vorstellen: Deutschland ist auf Rang 5 der wettbewerbfähigsten Nationen der Welt, wie der Bericht vom Weltwirtschaftsforum 2017 ergab. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt, also dem Warenwert, der in Deutschland geschaffen wird, liegt Deutschland sogar auf Platz 4. Wie sieht es bei der Internetversorgung aus? In Sachen Glasfaserausbau gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern. Gerade einmal 2,3 Prozent der Haushalte haben einen Glasfaseranschluss. Nicht nur dass das peinlich ist für Deutschland, es geht auf unsere Kosten. Ob es darum geht, einen Snap zu verschicken oder einen Online-Shop aufzubauen, es funktioniert in einigen Dörfern einfach nicht.

Vielleicht werden wir ja mit sehr vielen Glasfaseranschlüssen zu Weihnachten überrascht. Ich bezweifle das aber eher und glaube, dass Angela Merkel recht behält: Noch immer ist das Internet für die Entscheider Neuland.

Titelbild: unspleash.com / Max Langelott