Besorgten Bürgern soll man zuhören? Dann machen wir den Anfang! Unsere Jugendredaktion teilt ihre Sorgen.

Nicht erst seit 2011, als sich eine große Anzahl von Menschen auf die Flucht vor Krieg und Verfolgung gemacht hat, geistert ein Begriff durch die Medien: besorgte Bürger. Deren Ängste beziehen sich vor allem darauf, dass unser Staat zu viele Geflüchtete aufgenommen habe. Um zu zeigen, dass die restliche Bevölkerung durchaus noch andere Sorgen hat, schreiben hier unsere Jugendreporter, was sie beschäftigt.

Ein Leben für die Arbeit, keine Zeit für meine Mitmenschen

Mir macht die Vorstellung Angst, am besten 45 Jahre am Stück 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. Ja klar – man hat immer mal wieder Urlaub, aber die allgemeinen 30 Urlaubstage im Jahr sind wirklich nicht viel. Da bleibt kaum Zeit zum Reflektieren. Was will ich wirklich? Was ist wichtig in meinem Leben? Wie gehe ich eigentlich gerade mit meinem Umfeld um? – Solche Fragen stellt man sich gar nicht erst im immerwährenden gleichförmigen Arbeitsalltag. Für meine Mitmenschen habe ich ohnehin viel zu wenig Zeit. Dazu kommen noch chronischer Schlafmangel und ein 3-Minuten-Frühstück to go – gruselig!
Julia Sauer

Das Geld trennt uns, wir isolieren uns voneinander

Ich sorge mich darum, dass unsere Gesellschaft irgendwann komplett in „Arm“ und „Reich“, in zwei voneinander unabhängige Gesellschaftsgruppen, getrennt ist. Schon jetzt bemerke ich zunehmend Differenzierungen: Wir werden durch Viertel getrennt und verkehren dadurch auch im sozialen Leben wenig miteinander. Natürlich verdient jeder unterschiedlich viel und der eine ist vielleicht wohlhabender als der andere, aber warum spielt das eine so große Rolle? Werden wir irgendwann komplett voneinander abgeschottet leben?
Johanna Schwermer

Die Maschinen kommen und nehmen uns die Jobs weg

Eine Meldung, die mich gerade beschäftigt: Schon 2025 sollen Maschinen etwa die Hälfte aller Jobs übernehmen. Das klingt eigentlich cool – sollen sie doch für uns schuften! Aber was, wenn es bis dahin nicht klappt mit einem sozialpolitischen Modell wie dem bedingungslosen Grundeinkommen und die Gewinne der Maschinenarbeit doch nur bei den Konzernen hängenbleiben, während viele von uns nicht mal einen Job haben? Was, wenn auch die Jobs, die durch die Digitalisierung geschaffen werden, in ein paar Jahren dann auch wieder überflüssig sind?
Lukas Wohner

Ein deutscher „Muslim Ban“ bedroht meine Familie

Die immer lauter werdenden Stimmen der Rechten in Deutschland machen sich langsam auch im einst sehr offenen NRW bemerkbar. Natürlich gab es immer Unterschiede zwischen rein Deutschen, Deutschen mit Migrationshintergrund und Ausländern. Die einen wuchsen in einem Haushalt auf, in dem nur Deutsch gesprochen wurde, die anderen in einem bilingualen Haushalt und Letztere in einem anderen Land. Diese Differenzen blieben auch nicht unkommentiert, aber es gibt einen Unterschied zwischen kleinen hässlichen Bemerkungen, die manche einfach als dumm abtun können, und offen vorgetragenen Hass gegenüber den sogenannten „anderen“. In solchen Zeiten der politischen Unruhe machen sich auch in mir, einem in Deutschland geborenen, akzentfrei Deutsch sprechenden Mädchen, das einen marokkanischen Papa hat und muslimischen Glaubens ist, Existenzängste breit. Ich kann mir nicht sicher sein, wie lange ich oder meine Familie noch in Deutschland akzeptiert werden. Wie lange es noch dauern wird, bis die rechte Mentalität Überhand nimmt und so etwas wie der „Muslim Ban“ in Amerika auch meine Familie und unser Leben hier in Deutschland bedrohen könnte.
Tessniem Kadiri

 

Ausschlaggebend für diese Sorgensammlung war übrigens ein Kommentar von Sibylle Berg auf spiegel.de, in dem sie Christopher Lauer zitiert:

 

Habt ihr auch Sorgen, die nicht die kommende Hausarbeit betreffen und mal ausgesprochen werden wollen? Schreibt sie uns an redaktion@funky.de. Wir ergänzen diesen Artikel.