Kommentar zur Organspende – Organe für Alle!

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In Deutschland sterben jeden Tag drei Menschen, die vergeblich auf ein Spenderorgan warten. Doch wie kann das sein, in einem industrialisierten Land wie Deutschland, mit einer solch liberalen Gesellschaft?

Von Niklas Schulz

Dieser Artikel ist zuerst am 28. Februar 2018 erschienen. Durch den Vorstoß von Jens Spahn, im Bundestag die Widerspruchslösung für die Organspende zu debattieren, erhält er neue Aktualität.

Das Thema Organspende ist in Deutschland nicht beliebt, es polarisiert die Menschen, man versucht das Thema weitgehend zu meiden. Aber nicht nur in Deutschland ist die Lage prekär, das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage so abweichend. In den Niederlanden wurde nun deshalb die sogenannte Widerspruchslösung eingeführt. Künftig wird jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet, als Organspender registriert. Nur wer dem ausdrücklich widerspricht, entsagt einer Organspende.

In Deutschland hingegen gilt die Entscheidungslösung. Das heißt, dass jeder, der das 16. Lebensjahr vollendet hat, von seiner Krankenkasse Informationen über die Organspende erhält. Man ist angehalten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und dann zu einer fundierten Entscheidung für oder gegen das Spenden zu kommen. Erst wenn der Spende explizit zugestimmt wurde, dürfen Organe entnommen werden.

Anscheinend führt diese Lösung aber nicht zum erhofften Erfolg, Deutschland belegt einen der hintersten Plätze im europaweiten Spender-Vergleich. Lediglich 9,3 Spender kommen auf 1 Million Einwohner! In Spanien, wo die Widerspruchslösung gilt, liegt der Schnitt bei etwa 40 Spendern pro 1 Million Einwohner.

Warum führen wir also nicht auch die Widerspruchslösung ein, um so den sinkenden Zahlen an lebensrettenden Transplantationen entgegenzuwirken?

Es gibt kaum Argumente gegen eine Organspende. Viele Menschen denken, dass sie im Notfall früher aufgegeben werden, doch ist diese Angst vollkommen unbegründet. Bevor ein Patient überhaupt auf seine Eignung für eine Organspende getestet wird, müssen zwei unabhängige und erfahrene Ärzte den Hirntod diagnostizieren. Andere nennen moralische und religiöse Gründe, doch selbst die katholische Kirche sieht die Organspende als Akt der Nächstenliebe.

Eben solche Werte wie die der Nächstenliebe, Solidarität und Zugänglichkeit, sind die Dinge, die eine funktionierende Gesellschaft ausmachen. Doch ist unsere Gesellschaft sehr passiv, wenn es ums Helfen geht. Genau auf diese Passivität setzt die Widerspruchslösung und macht es uns somit viel einfacher, Gutes zu tun und Mitmenschen zu helfen. Außerdem ist die Widerspruchslösung kein Zwang, jeder kann sich gegen eine Organspende entscheiden, ganz ohne Konsequenzen.

Meiner Meinung nach ist es dringend notwendig, dass in Deutschland nun ebenfalls die Widerspruchslösung eingeführt wird und dadurch die Patienten die Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Denn eben diese kann die Entscheidungslösung nicht mehr gewährleisten!

Bis dahin gilt aber noch: Organspender zu werden, ist ganz einfach. Man muss nur den Organspendeausweis ausfüllen, das geht auch online. Zusätzlich kann man sogar spezifizieren, welche Organe man spenden möchte. Also, Kreuzchen machen und Leben retten!

 

Titelbild: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

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