Udo passt auf jede Tasse

Dennis und Carina bringen zusammen den Deckel auf den Markt

Carina Frings, eine Studentin aus Köln, hat einen Universal-Deckel entwickelt. Mit ihm wird jede Tasse zum Coffee-To-Go-Becher.

Von Jessica Schattenberg 

Wer früh aufsteht, weiß: Kaffee ist der eigentlich beste Freund des Menschen. Wenn es morgens hektisch wird, nimmt Carina Frings die Tasse einfach ins Auto mit auf den Weg. Da in scharfen Kurven oder beim Sprint zur Bahn aber unschöne Flecken entstehen können und das schwarze Gold schlichtweg zu kostbar ist, musste eine Idee her.

Die Kölnerin studiert Ecodesign und ist ganz klar gegen Einwegbecher. Doch warum einen neuen Kaffeebecher kaufen, wenn wir doch unzählige im Schrank zu stehen haben? Deckel „Udo“ scheint die Lösung zu sein. Stufenartig wird er immer schmaler und soll so eine Vielzahl an Tassen abdichten. Getreu dem Motto „Jeder Pott hat einen Deckel“, der funktioniert aber nur als Duo, daher auch der Name. Raufgepresst und ausgehfertig – selbst die Spülmaschine soll er überstehen.

Udo ist Botschafter für Umweltschutz

So sieht Udo aus. (c) Carina Frings

Pro Jahr landen allein in Deutschland etwa 2,8 Milliarden Einwegbecher im Müll. „Udo“ ist nicht nur Produkt, sondern auf seine Weise Botschafter und gewann die Nachwuchspreise European Product Design Award und MehrWert NRW. Ab Oktober geht er nahe Düsseldorf in die Produktion – so klimaneutral wie nur möglich, versteht sich. Für 7,95 Euro soll er dann als erster Coffee-to-go-Mehrwegdeckel in Röstereien, Teegeschäften und Kölner Cafés erhältlich sein. Auch der Geschenkartikelmarkt ist interessiert. Löst „Udo“ in allen Farben oder mit dem eigenen Aufdruck vielleicht bald den Kugelschreiber als Give-away Nr. 1 ab? Wer die eigene Tasse auch in einen Mehrwegbecher verwandeln möchte, kann seinen persönlichen „Udo“ ab Herbst auch unter www.udo-duo.com bestellen.

Und wie reagieren Carinas Mitmenschen, wenn sie mit Lieblingstasse und passendem Deckel ihr Heißgetränk in der Bahn schlürft? „Die meisten sind zunächst verwundert, doch nach einer kurzen Erklärung schlägt das in Begeisterung um. Erst die vielen positiven Rückmeldungen überzeugten mich, das Projekt ,Udo‘ so sehr voranzutreiben.“ Da liegt es auf der Hand, dass er nicht lange Single bleibt: „Willi“, „Käthe“, „Marie“ sollen schon bald folgen.

In der Realität muss man Kompromisse eingehen

Carina kennt sich auf ihrem Gebiet aus. Trotzdem hat auch sie dazulernen müssen: „Es ist nicht leicht, einen Kompromiss einzugehen, wenn du doch diese eine fixe Idee vor Augen hast. Statt aus Kautschuk besteht ,Udo‘ beispielsweise vorerst aus dem Bio-Kunststoff DryFlex Green TPE. Und es wird immer Kritiker geben, denen unsere Umsetzung nicht klimaneutral genug ist. Doch ab einem gewissen Level geht der Bezug zur Realität verloren.“

Vor etwa zwölf Monaten begann die 26-Jährige, Tassen zu vermessen und zu tüfteln. Seitdem muss sie Uni, Job und Start-up strukturiert unter einen Hut bekommen. Doch ein Produkt von der Entwicklung bis hin zum Verkauf allein auf den Markt zu bringen, scheint unmöglich. Unterstützung erhält sie in IT und Marketing von Dennis Krey. „Bei uns bin ich der Deckel und Dennis der Pott. In einem Start-up macht aber trotzdem jeder alles.“

Noch ein Jahr wird vergehen, bis sie ihren Abschluss in der Tasche hat. Und was folgt dann? „Selbstständig zu sein, war schon immer eine Option für mich. Konzepte entwickeln, beraten oder fördern. Wer weiß, vielleicht arbeite ich auch eines Tages als Dozentin.“ Ihrem Studienschwerpunkt bleibt sie somit treu. Hören werden wir von Carina Frings noch mit Sicherheit: „Das nächste Projekt liegt schon in der Schublade.“

 

Titelbild: Carina Frings

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