Schule soll ja die beste und entspannteste Zeit des Lebens sein. Ist es auch, bis plötzlich alles anders ist. Über die Gefühlslage einer Schülerin kurz vor dem Mittleren Schulabschluss.

Von Mya-Neomi Neumann

Wenn alles glatt läuft, dann habe ich mit 17 Jahren mein Abitur in der Tasche. Doch die nächsten drei Jahre werden womöglich die bisher anstrengendsten für mich. Rückblickend habe ich das Gefühl, die vergangenen acht Jahre Urlaub gemacht zu haben.

In der Grundschule war ich noch motiviert. Natürlich gab es auch mal Momente, in denen ich gesagt habe, ich würde die Schule hassen. Am Ende war es dann doch nur die Müdigkeit. Das ganze Drama war in dem Moment vergessen, in dem ich mit meiner besten Freundin freudig im Unterricht Zettelchen hin- und hergeschoben habe.

Die Schule und der Ernst des Lebens

In der ersten Klasse wurde mir gesagt, dass nun der Ernst des Lebens beginnen würde. Die Umstellung von der Vorschule zur Schule kam mir damals riesig vor. Doch erst dieses Schuljahr, ganze neun Jahre nach dem Beginn des angeblichen Ernstes des Lebens, habe ich das Gefühl, mittendrin zu sein. Während wir im vergangenen Schuljahr die Deutscharbeit über ein Kinderbuch geschrieben haben, wird im nächsten Jahr von uns verlangt, ein zehnseitiges, schriftliches Referat im Fach Chemie zu schreiben. Selbstverständlich mit selbst ausgedachten Experimenten und korrekten Formeln.

Ich versuche, dieses Gefühl zu beschreiben: Man stelle sich vor, man würde jahrelang mietfrei in einem Haus wohnen. Und plötzlich würde dem Vermieter einfallen, dass er ja gar kein Geld sieht. Man erhält eine ziemlich hohe Rechnung über mehr als zehn Jahre Kaltmiete und Nebenkosten. Und jetzt ersetzt man einfach das Geld durch Zeit und Nerven.

Es ist erschreckend, mit wie viel Druck meine Altersgruppe konfrontiert ist. Mit 15 Jahren werde ich meinen Mittleren Schulabschluss gemacht haben. Mit 17 Jahren werde ich mitten in den Abiturklausuren stecken. Und danach werde ich womöglich direkt studieren. Kann das noch gut sein?

Titelfoto: iStock / Andrea Obzerova