Fußball ist immer wieder ein großes Gesprächsthema. Champions League, Bundesliga, Nationalmannschaft – Es ist selbstverständlich, dass damit Männerfußball gemeint ist. Aber warum ist das so? Warum muss man es immer erst dazu sagen, wenn man den Frauenfußball meint?

Von Antonia Zapf, Klasse 9b, Gymnasium Ohlstedt, Hamburg

Die Antwort ist einfach: Weil Frauenfußball nicht so populär ist. Das ist schade, denn Frauenfußball ist in keiner Weise uninteressanter oder zimperlicher. Ganz im Gegenteil. Julian Nagelsmann, Trainer des männlichen Erstligisten Hoffenheim und großer Frauenfußball-Fan sagte der BILD dazu: „Ich schaue es total gerne, weil es ein brutal ehrlicher Sport ist, viel ehrlicher als Männerfußball. Frauen heulen halt auch viel weniger rum, liegen nie am Boden. Da gibt es manchmal Grätschen, da denkst du dir: Im Männerfußball ist das dunkelrot, bei den Frauen gibt es einfach nichts“.

Damit hat er vollkommen Recht. Die Frauen spielen keineswegs schlechter als die Männer. Das Spiel der Frauen ist sogar viel fairer und ehrlicher. 1991 fand die erste Frauenfußballweltmeisterschaft statt. Davor hatte der Frauenfußball keinen guten Platz in der Gesellschaft und wurde sogar zwischenzeitlich vom Deutschen Fußballbund verboten.

Die deutschen Frauen ließen sich allerdings nicht unterkriegen, sondern wurden zweimal Weltmeister, achtmal Europameister und 2016 Olympiasieger mit der Fußballlegende und Erfolgstrainerin Silvia Neid.

Der Frauenfußball hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und entwickelt sich, auch dank der UEFA-Frauenfußball-Kommission (WFDP), immer weiter. Die UEFA als europäischer Fußballverband fördert den Frauenfußball und hilft den einzelnen Verbänden, sich besser zu vermarkten. Das Ergebnis ist deutlich: Immer mehr Mädchen finden den Weg zum Fußball. Auch im U18-Bereich sind die Zahlen der Spielerinnen deutlich angestiegen, sodass im Moment schon mehr als 750 000 Spielerinnen registriert sind.

Auch gibt es immer mehr andere Länder, die Frauen-Nationalteams bereitstellen. In der Saison 2012/13 waren es schon 173. Bis zur Saison 2016/17 sind sie auf 233 gestiegen. Viele haben sicher schon von Namen wie den ehemaligen Erfolgsspielerinnen Birgit Prinz, Nia Künzer und Nadine Angerer, oder auch von den noch aktiven Dzsenifer Marozsan, Simone Laudehr und Alexandra Popp gehört.

Auch physisch, taktisch und spielerisch hat sich der Frauenfußball deutlich weiterentwickelt. Das Spiel ist schneller und koordinierter geworden. Dadurch  ist es sehr schön anzusehen. Das heißt nicht, dass es keine Fouls gibt. Gerade bei den Frauen geht es oft sehr hart zur Sache.

Die Spiele der Frauen locken immer mehr Zuschauer in die Stadien. Einige davon sitzen mit Fanartikeln wie Trikots oder Schals auf den Tribünen und stärken ihrer Mannschaft den Rücken. Egal ob sie verlieren oder gewinnen, die Stimmung ist immer euphorisch. Das System erzielt durch die immer höher werdenden Zuschauerzahlen, Merchandising und Werbung mehr Einnahmen. Diese führen letztendlich zu verbesserten Ausbildungen und Trainingsbedingungen für die Spielerinnen führen und auch nicht zuletzt zu höherem Gehalt.

Denn das ist im Frauenfußball normalerweise sehr niedrig. Viele Bundesligaspielerinnen verdienen im Monat nicht mehr als 1000 Euro. Das bedeutet, dass sie sich während ihrer Fußball-Karriere um ein zweites Standbein kümmern müssen.

In diesem Punkt unterscheiden sich der Frauen- und Männerfußball wohl am meisten. Während die erfolgreichen männlichen Fußballer allesamt Multimillionäre sind, machen die Spielerinnen oft neben ihrer Karriere eine Ausbildung. Nicht wenige üben Nebenjobs aus.

Das Einzige was man dem zu Gute halten kann, ist, dass so eine viel engere Verbindung zwischen den Spielerinnen und uns Fans besteht. Die Spielerinnen sind zudem bodenständig und auch gern mal zu einem kurzen Wortwechsel nach dem Spiel bereit. Auch öffentliche Veranstaltungen, wie es unter anderem die Frauen des FC Bayern gemacht haben, sind nicht selten. Die Spielerinnen haben vor einem Heimspiel selbstgemachten Kuchen verkauft, mit Fans gesprochen und das Geld am Ende an eine Organisation für krebskranke Kinder gespendet. Das würde man wohl nur bei den wenigsten Männerklubs erleben.

Beitragsbild: Steffen Prößdorf/ Wikimedia