Sowohl in der Politik als auch in den Schulen selbst wird im Moment viel darüber diskutiert, ob digitale Klassenzimmer an Schulen sinnvoll sind. Doch was versteht man eigentlich unter einem digitalen Klassenzimmer?

Von Linda-Marie Döring, Klasse 8a, Burggymnasium Essen

Ein digitales Klassenzimmer unterscheidet sich in den Grundlagen nicht von anderen Klassenzimmern. Es ist ein ganz normaler Raum mit Sitzgelegenheiten für die Schüler.Doch anders als die normalen Klassen verfügt ein digitales Klassenzimmer über eine digitale Tafel, ein sogenanntes Whiteboard. Außerdem stehen den Schülern Tablets und moderne Computer im Unterricht zur Verfügung. Ist das eine gute Idee? Die Meinungen gehen bei diesem Thema weit auseinander.

Bücher gleich gaga?

So sagte zum Beispiel Dorothee Bär, unsere Digitalisierungs-Ministerin, in einem Interview mit dem Tagesspiegel, dass ihrer Meinung nach Tablets dringend in die Schule gehören würden. Schüler müssten, so Bär, täglich kiloweise Schulsachen durch die Gegend schleppen. Das sei ihrer Meinung nach „gaga“. Außerdem würden laut einer Pisa-Studie rund ein Drittel der Grundschüler besser abschneiden, wenn Tablets im Unterricht eingesetzt werden.

Investitionen in den Sand gesetzt

Ganz anderer Meinung ist da der Ulmer Psychiater, Neurowissenschaftler und Hochschullehrer Professor Manfred Spitzer. Er ist grundsätzlich gegen ein digitales Klassenzimmer. Die Gründe dafür nannte er in einem Interview mit Deutschlandfunk. In der Pisa-Studie hatte man die Leistungen von Schülern in 60 Ländern in Abhängigkeit von Investitionen in die Digitalisierung verglichen. In Ländern wie Finnland und Australien seien die Leistungen der Schüler schlechter geworden, sagt Spitzer. Dabei hatte es in diesen Ländern die höchsten Investitionen im Bereich Digitalisierung gegeben. Aus diesem Grund hat Australien die in 2008 eingeführten Computer 2016 wieder abgeschafft.

Krankheit und Sucht

Professor Spitzer weist zudem auf mögliche gesundheitliche Schäden hin. So führe die Benutzung von Smartphones oder Tablets zu hohem Blutdruck, Kurzsichtigkeit, Diabetes, Schlafstörungen, Depressionen und Sucht. Spitzer erklärte weiter , dass in Südkorea schon 95 Prozent der jungen Bevölkerung durch die Nutzung digitaler Medien kurzsichtig geworden seien und in ganz Korea über 30 Prozent an einer Sucht litten.

Tablets schon im Kindergarten?

Digital-Ministerin Bär hingegen weist darauf hin, dass Kinder Touchscreens nutzen können, selbst wenn sie nicht lesen und schreiben können. Deshalb sollten ihrer Meinung nach Tablets auch in Kindergärten eingesetzt werden. Professor Spitzer aber fordert, dass die Kinder zunächst lesen und schreiben lernen sollten, bevor sie mit Tablets vertraut gemacht werden. Er ist gegen eine Nutzung von Tablets in Kindergärten und meint, dass Kinder, die in diesem Alter nur damit beschäftigt sind, über eine Glasoberfläche zu wischen, weder sensorisch noch motorisch ausgebildet werden und somit später einen großen Nachteil an der Schule haben.

Alles in Maßen

Es stellt sich somit die Frage: Macht ein digitales Klassenzimmer wirklich Sinn? Es gibt sowohl Argumente, die dafür, als auch Argumente, die dagegen sprechen. Doch um beide Seiten in gewisser Weise zufriedenstellen zu können, wäre ein Kompromiss ratsam. Ein Beispiel für so einen Kompromiss wäre, dass man die Tablets nur in manchen Fächern und nur zeitweise nutzen würde, um so sowohl die gesundheitlichen Schäden einzugrenzen, als auch die Leistungen aufrecht zu halten bzw. zu steigern.

So lernen die Schüler, mit den digitalen Medien umzugehen, ohne Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Zudem dürften Tablets erst ab einer bestimmten Klasse anwenden, um den Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich voll und ganz entwickeln zu können.
Die Zukunft wird zeigen, ob sich ein digitales Klassenzimmer trotzdem durchsetzen kann.

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