Kommentar: Es lebe die Demokratie

Artikel 1 Grundgesetz
Bildnummer: 52989138 Datum: 25.04.2009 Copyright: imago/Reiner Zensen Artikel 1 des Grundgesetzes ziert eine Glaswand im Regierungsviertel in Berlin, Objekte; 2009, Berlin, Deutschland, Grundgesetz, Gesetz, Schriftzug, Die W¸rde des Menschen ist unantastbar; , quer, Kbdig, Einzelbild, , Justiz, Staat, Politik, Europa Bildnummer 52989138 Date 25 04 2009 Copyright Imago Reiner Zensen Article 1 the Basic Law adorns a Glass wall in Government area in Berlin Objects 2009 Berlin Germany Basic Law Act emblem the Dignity the People is inviolable horizontal Kbdig Single Justice State politics Europe

Demokratie ist wie ein guter Freund. Und keine Freundschaft ist vollkommen selbstverständlich.

Von Tom Hartung

Demokratie. Für uns ist sie selbstverständlich. Freie Wahlen, freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit & Co. sind aber bei Weitem nicht überall auf der Welt vertreten. Leider. Aber reden wir lieber Klartext: Viele in einer Demokratie lebende Menschen schätzen diese nicht mehr. Sie haben sich an das System Demokratie gewöhnt und genießen dessen Vorzüge und Freiheiten. Aber für sie eintreten, gar kämpfen oder für ihre Erhaltung und ihren Schutz werben – Fehlanzeige! Während in anderen Ländern mutig auf der Straße für das gekämpft wird, was wir für normal halten, sitzen wir auf unseren vier Buchstaben und beschweren uns lediglich darüber, was zum Beispiel in der Türkei abgeht.

Die Türkei ist das aktuell beste Beispiel, wie schnell es mit Freiheit und Demokratie vorbei sein kann. Mit dem Putschversuch des Militärs vom 15. auf den 16. Juli 2016 fing es an, mittlerweile wurden Tausende Richter, Beamte, Lehrer und andere Staatsangestellte entlassen. Journalisten sitzen hinter Gittern und die freie Meinungsäußerung ist stark eingeschränkt. Diese schnelle Wandlung, sie ist überall möglich: sowohl zur Demokratie als auch von ihr weg. Uns muss immer bewusst sein: Die Welt, in der wir leben, kann sich schnell ändern. Ein falsches Wort oder eine unbedachte Drohung (man denke nur an Donald Trump und Kim Jong-un) kann Beziehungen zwischen Ländern schädigen und somit weitere Reaktionen oder Verschlechterungen auslösen.

Auch die Demokratie kann brüchig werden

Im Bezug auf die Erhaltung der Demokratie in Deutschland würde ich im Vergleich zur Türkei eher von „versanden“ sprechen. Wenn wir ihre Erhaltung vernachlässigen, wird sie marode und brüchig. Genau wie eine Beziehung oder ein Auto braucht auch die Demokratie Pflege. Und wenn wir ehrlich sind: Viele Mächtige würden es begrüßen, wenn wir diese Pflege vernachlässigen würden. Generell müssen wir es uns eingestehen, die Macht liegt bei uns, dem Volk. Aber diese Macht kann man uns schnell entziehen, schnell oder schleichend langsam.

Auch in Deutschland bekommt man den Wandel zu spüren. Anhänger bestimmter Religionen werden beschimpft oder sogar tätlich angegriffen. Flüchtlinge werden mit Gebrüll und brennenden Dachstühlen empfangen, sodass sie sich hier bei uns nicht frei und sicher, sondern eingeschränkt fühlen. Genau das, was es in einer Demokratie eben nicht (oder zumindest nicht so häufig oder ausgeprägt) geben sollte.

Auch in der Politik wird der Ton zunehmend deutlicher und rauer. Dass man den Mächtigen deutlich die Leviten liest, begrüße ich zwar grundsätzlich sehr (man denke nur an Krankenpfleger Alexander Jorde), aber Letzteres darf so, wie man es aktuell mitbekommt, nicht sein. Deutliche Worte sind gut, aber die Sachlichkeit und vor allem die Fairness und der Respekt gegenüber den Mitmenschen sollten trotzdem bestehen bleiben. Rapper Snoop Dogg sagte einmal in einem Interview anlässlich seines Musikvideos zum Song „Lavender“, in dem er einen Trump-Clown erschießt, dass sich gerade alle Politiker wie Clowns aufführen würden. Tja, Snoop, da stimme ich dir in abgewandter Form auf jeden Fall zu!

Was können wir tun?

Jetzt kommt natürlich die berechtigte Frage: Wenn du dich darüber so aufregst, wie kann man sich denn engagieren? Grundsätzlich kann man zum Beispiel in eine Partei eintreten. Als Newcomer in der Politik hat man es zwar, auch durch sein Alter und die Annahme, dass daraus auch Unwissenheit und mehr sprechen, anfangs schwer und muss sich erst Gehör verschaffen. Aber dass dies eindrucksvoll funktioniert, zeigte vor Kurzem der erst 25-jährige CDU-Abgeordnete Philipp Amthor, der lautstark einen Antrag der AfD zum Burkaverbot auseinandernahm. Die eigene Meinung zu erweitern oder komplett zu überdenken, kann ebenfalls hilfreich sein, denn zuallererst sollte man das Thema mit seinen Freunden oder der Familie ausdiskutieren.

Denn: Demokratie ist wie ein guter Freund. Behandelt man den Freund gut, bleibt er gerne bei einem und hat einen unschätzbaren Wert. Vernachlässigt man ihn allerdings, ist es eine logische Konsequenz, dass er sich früher oder später verabschiedet.

 

Titelbild: Der Artikel 1 des Grundgesetzes steht an einer Wand im Regierungsviertel in Berlin. (c) imago/Reiner Zensen

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