Der Versuch, im Alltag Plastik zu vermeiden

Mann kauft mit Beutel ein
Mann mit Beutel im Supermarkt

Es soll an dieser Stelle nicht um die vielen Vögel gehen, die jedes Jahr an unserem Abfall sterben, oder um die generellen Auswirkungen des Plastikmülls auf die Natur. Ich glaube, das ist allen bekannt. Es soll nur um meine alltäglichen Versuche gehen, mich in der Schule und in meiner Freizeit weniger mit Müll zu überschütten.

Von Conrad Bornemann

Laut einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft, produziert jeder Deutsche im Durchschnitt 37 Kilogramm Verpackungsmüll aus Plastik pro Jahr. Das sind unglaubliche 2.997.000.000 Kilogramm (fast drei Millionen Tonnen!). Mit diesem Wert sind wir in einem europaweiten Ranking ganz vorne dabei. Nämlich hinter Irland, Luxemburg und Estland auf Platz vier. Eine erschreckende Tatsache, wo Deutschland doch häufig als umweltbewusstes und fortschrittliches Land betitelt wird.

Ohne großes Einwirken der Regierung haben inzwischen fast alle Supermärkte die kostenlose Plastiktüte aus dem Sortiment genommen. Jetzt kosten besagte Tüten meist 40 bis 50 Cent. Aber wird das das Müllproblem wirklich beheben? Wohl kaum! Ein unglaublich großer Teil des Abfalls fällt schlicht durch die normalen Verpackungen an. Man kauft ein Kabel, Süßigkeiten, ein paar Äpfel oder einen Laptop. Alle diese Sachen haben Eines gemeinsam: Man erhält sie meistens nur in völlig überdimensionierten, disproportionalen Verpackungen.

Sinn verkannt

Mir gehen die Verpackungen auf die Nerven und irgendwie tut es mir auch weh, immer so viel einfach wegzuschmeißen. Das Einkaufen in einem verpackungsfreien Geschäft lohnt sich für mich nicht, da das nächste einfach zu weit weg ist. Meine Familie und ich versuchen trotzdem, beim Einkaufen möglichst wenig Abfall zu verursachen. Aber überall werden uns Steine in den Weg gelegt. Sowohl beim Metzger, als auch beim Käseverkäufer. Es ist immer das gleiche Bild. Wir bitten die Verkäuferin oder den Verkäufer, uns das Produkt direkt in die von uns mitgebrachte Dose zu legen. Wir werden angeschaut, als hätten wir irgendwelche Ähnlichkeiten mit einem Alien und uns wird dann etwa Folgendes erzählt: ,,Aus hygienischen Gründen können wir fremde Verpackungen weder hinter, noch auf die Theke stellen. Ich kann Ihnen aber das Lebensmittel in Folie einpacken und in die Dose legen.“ Sinn verkannt!

Selbst in Bioläden, die sich über ihre umweltfreundlichen und klimaneutralen Produkte definieren, hat man nach einem Einkauf immer noch viel Plastikmüll übrig. Das liegt unter anderem daran, dass Bio-Lebensmittel als solche gekennzeichnet werden müssen und wie ließe sich das besser lösen, als durch eine Plastik-Verpackung. Zumindest gibt es für das Verpacken der Schulbrote eine einfache Lösung. Das Brot in eine Dose packen und zur Not noch Butterbrotpapier verwenden, damit es keine ,,Käsebrot-Apfel-Lasagne“ gibt.

Es gibt aber auch einige positive Entwicklungen, zum Beispiel die vielen neueröffneten verpackungsfreien Supermärkte. Selbst die großen Ketten denken über umweltschonendere „Hüllen“ für ihre Äpfel nach. Zwei bekannte Supermarkt-Ketten testen Verpackungen aus dem schnell nachwachsenden Material Gras. Außerdem verkündet der Radiosprecher, während ich diesen Artikel schreibe, dass die EU-Politiker darüber nachdenken, eine Plastiksteuer zu erlassen. Sollte es also wirklich zu einer solchen kommen, haben wir vielleicht bald alle eine Kuh im Garten stehen, die sich um die „strohigen“ Verpackungen „kümmert“. Die Kartons für die Milch könnte man sich dann auch noch sparen – eigentlich eine innovative Idee.

Neue Bekanntschaften

Das Vermeiden des Mülls kann auch dazu führen, dass man neue Menschen kennenlernt: Wenn ich mal, was nicht so oft vorkommt, einen Döner kaufe, dann weiß der „Dönermann“ sofort, wer ich bin. Ich bin der, der nie eine Tüte haben möchte. Das hat wohl einen so prägenden Eindruck bei ihm hinterlassen, dass er sich schon nach dem zweiten Kauf an mich erinnerte.

Die Plastiktüte ablehnen, zum Einkaufen einen eigenen Beutel verwenden, den Kaffee für den Roadtrip in eine Thermoskanne füllen, das Brot von der Oma nicht in Alufolie, sondern in einen Stoffbeutel packen, loses Obst und Gemüse erwerben, den Rest des Mittagessens mit einem Teller und nicht mit Klarsichtfolie abdecken und Mineralwasser in Glasflaschen kaufen. Das ist nur eine Auswahl guter Ideen, die leicht um zu setzen sind und die jährlichen „Müll-Kilos“ garantiert abnehmen lassen.

Ich werde auf jeden Fall weiter versuchen, möglichst wenig Müll zu produzieren. Denn jetzt mal ehrlich, dass andere Menschen unter unserem Abfall leiden, kann doch auch nicht richtig sein.

Titelbild: fotolia.com / Robert Kneschke

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