In Niedersachsen zeigt sich, was eine engagierte Schülerschaft erreichen kann. Eine Übersicht der Herausforderungen und Erfolge.

Von Nellie Bär

Als erstes Bundesland hat Niedersachsen das Turbo-Abi gekippt: Bis zum Schuljahreswechsel 2019/2020 absolvieren alle Schüler wieder 13 Schuljahre bis zum Abitur. Es geht darum, die Schüler zu entlasten, sie weniger Stress auszusetzen und besser zu fördern. Wer will, soll jedoch weiterhin nach zwölf Jahren die Hochschulreife erwerben können, so die Idee.

Die Rückabwicklung der Reform birgt jedoch neue Probleme. Viele Schulen haben längst Stellen abgebaut, Außenstellen aufgegeben. Nun braucht es neue Kapazitäten. „Häufig werden Container als Zwischenlösung aufgebaut“, sagt Simon Parker, Schülervertreter aus Braunschweig. „Auch wenn es schwierig ist, alles wieder rückgängig zu machen, begrüße ich es, dass es wieder mehr Zeit bis zum Abitur gibt.“ Dennoch: Nicht nur Schulraum ist knapp, es fehlt auch an Lehrern. „Bis neue Lehrer nachkommen werden Lehrer abgeordnet. Das heißt, sie werden verschoben“, erklärt Parker. So wurden zahlreiche Gymnasiallehrer zum Unterrichten an Grundschulen geschickt.

Doch es gibt noch andere Dinge, die die Schülerschaft beschäftigt. Inklusion von Schülern mit Behinderung ist ein Thema. Integration von Zugewanderten ebenfalls. Man habe bereits Sprachfördermaßnahmen auf den Weg gebracht, bekundet Bianca Schöneich von der Pressestelle der niedersächsischen Landesschulbehörde. Auch das Thema Digitalisierung wird angegangen. „Da gibt es noch reichlich Handlungsbedarf“, kritisiert Simon Parker. Denn längst sind nicht alle Schulen gleichermaßen mit Computern und Tablets ausgestattet. In manchen Schulen wurden zwar statt herkömmlicher Tafeln Smartboards eingerichtet. „Nur können viele Lehrer nicht damit umgehen.“ Beamer und Whiteboard wären praktikabler und günstiger in Anschaffung und Wartung.

Eine Recherche der Schülerschaft hat ergeben, dass vor allem die Lehrer nicht up to date sind. „Die Jungen haben Ideen und sind in Bezug auf Digitalisierung motiviert, die Älteren werden nicht mitgenommen.“ Bis hier Zufriedenheit herrscht, mögen noch ein paar Schuljahre ins Land gehen. Doch die Schülervertretung sieht auch auf einem anderen Feld noch Handlungsbedarf und ist dort auch schon dabei etwas Gutes zu erreichen: Die Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos zur Schule zu kommen gibt es bisher nur bis zur zehnten Klasse. „Wir sind im Moment dabei, kostenlose Schülerfahrkarten für alle Schüler zu erreichen“, sagt Schülervertreter Simon Parker. Dafür musste zuletzt ein Gutachten genehmigt werden, das die finanzielle Hürde analysiert. „So vieles ist machbar, es ist alles eine Frage der Motivation.“