5 funky facts

5 Funky Facts: Die wichtigsten Inhalte des dritten IPCC Teilberichts

Klimaaktivist*innen protestieren für Klimagerechtigkeit
Gegen den Klimawandel - Für Klimagerechtigkeit

Wir haben nur noch 7 Jahre, bis das 1,5 Grad Ziel überschritten ist, wenn wir so viel Co2 ausstoßen wie bisher. Ein Zustand der extreme Wetterereignisse fördert, die Meeresspiegel ansteigen lässt, Millionen Menschen ihre Heimat nimmt und die Biodiversität unseres Planeten bedroht. Doch gibt es noch Hoffnung für unser Klima? Der neuste IPCC Bericht zeigt, wie wir es vielleicht doch noch schaffen könnten:

Amelie Bahlert, funky-Jugendreporterin

Der IPCC („Intergovernmental Panel on Climate Change”), oder auch Weltklimarat, ist ein Zusammenschluss hunderter Klimaforscher*innen aus 195 Ländern. Seit 1988 sammeln Forscher*innen die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Veränderungen des Klimas und fassen diese alle sechs Jahre in einen ausführlichen, dreiteiligen Bericht zusammen.

Der aktuelle Bericht stammt von der dritten Arbeitsgruppe, in der Wissenschaftler*innen die notwendigen Maßnahmen auflisten, mit denen die Klimakrise eingedämmt werden kann. Mit seiner Arbeit schafft der IPCC eine fundierte Informationsgrundlage für Politiker*innen, um Entscheidungen in Bezug auf den Klimaschutz treffen zu können. Die Forschenden wollen der Politik dabei jedoch keine konkreten Handlungsempfehlungen geben, diese Kompetenztrennung ist dem Weltklimarat als unabhängiger zwischenstaatlicher Ausschuss wichtig. Aus dem aktuellen IPCC-Bericht lassen sich trotzdem direkte Handlungsforderungen ableiten. Die wichtigsten davon haben wir euch hier zusammengefasst.

1. Der Aktuelle Stand: Ist das Klima noch zu retten?

Zuerst die schlechten Nachrichten: Im Jahr 2021 wurde mehr CO2 ausgestoßen als jemals zuvor, das entspricht einem Zuwachs von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist trotzdem immer noch weniger als prognostiziert, denn viele Länder haben in den vergangenen Jahren erfolgreich klimaschützende Maßnahmen umgesetzt. Insgesamt steigen jedoch die Emissionen aller relevanten Treibhausgase, wie Methan (CH4), oder Lachgas (N2O) weiterhin an.

Im Pariser Klimaabkommen von 2016 formulierten insgesamt 195 Staaten gemeinsame Ziele, um den Anstieg des Klimas auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Laut IPCC Bericht reichen diese jedoch weder für das 1,5 noch für das 2 Grad Ziel aus. Doch der Bericht lässt hoffen: Das 1.5 Grad Ziel kann immer noch eingehalten werden, wenn JETZT die Weichen für eine klimaneutrale Zukunft gestellt werden.

2. Konkrete Zahlen: Unsere Deadlines

Eins ist klar: Ab 2025 müssen die Gesamtemissionen sinken, damit das 1,5 Grad-Ziel noch erreicht werden kann. Das bedeutet, dass uns als Menschheit noch drei Jahre bleiben, um Konzepte zu entwickeln und durchzusetzen, durch die wir jährlich deutlich mehr CO2 einsparen. Es ist erforderlich bis 2030 den CO2 Ausstoß fast zu halbieren (-43%). Nur so kann das 1,5 Grad Ziel eingehalten werden. Ab 2050 muss sogar ein net-zero/Netto-Nullpunkt erreicht werden, wenn sich die Erde nicht gefährlich weiter aufheizen soll. Net zero bedeutet nicht, dass gar keine Emissionen mehr ausgestoßen werden, sondern, dass alle unvermeidbaren Emissionen kompensiert werden, zum Beispiel durch das Pflanzen von Bäumen, die diese Emissionen wieder aufsaugen und damit neutralisieren. Unvermeidbare Emissionen entstehen zum Beispiel in der Schwermetallindustrie, der Luftfahrt oder der Schifffahrt, da eine Elektrifizierung dieser Industriezweige besonders schwierig ist.

3. Wir brauchen radikale systemische Veränderungen

Wir sind mehr denn je angewiesen auf systemische Veränderungen, und das in allen Bereichen des Lebens. Die Industrie muss das Verbrennen fossiler Brennstoffe gänzlich einstellen, und die Energiewende muss zügig und sauber von statten gehen. Glücklicherweise werden grüne Technologien immer günstiger. Die Preise für Solarenergie, sowie für Lithium-Ionen-Batterien etwa sind zwischen 2010 und 2019 um 85 Prozent gefallen, während die Preise für Windenergie sich um 55% reduzierten. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist also nicht nur wünschenswert, sondern inzwischen sogar finanzierbar.

Doch auch wir als Konsument*innen können durch unser Verhalten das Klima beeinflussen. Dazu zählen zum Beispiel klimafreundliche Ernährung, Gebäude, und Mobilität. Im Privatsektor können durch Sparmaßnahmen in diesen Bereichen CO2 Reduktionen von 40 bis 75% bis 2050 bewirkt werden. Notwendig dafür sind strukturelle Änderungen und politische Rahmenbedingungen, die Anreize für einen klimaneutralen Alltag schaffen. Dazu zählt zum Beispiel: der Ausbau der öffentlichen Verkehrs- und Fahrradnetze, das Einführen eines Tempolimits, Anreize für eine pflanzliche Ernährung, eine Reform der Agrarwirtschaft, Regulierungen für Fast Fashion und die Unterstützung von Second-hand oder klimafreundlicher Textilien.

4. Neue Innovationen fördern

Bereits vorhandene grüne Technologien auszubauen ist notwendig, aber noch nicht genug. Es wird nicht möglich sein alle Emissionen zu streichen, weswegen so genannte DAC Anlagen weiterentwickelt und gebaut werden müssen. DAC steht für „Direct Air Capture“ und beschreibt einen Prozess, bei dem CO2 direkt aus der Luft gefiltert wird.

Das Schweizer Unternehmen „Climeworks“ betreibt eine solche Anlage seit 2017. Jährlich soll diese 900 Tonnen CO2 aus der Atmosphäre filtern, das Restprodukt kann als Dünger weiterverkauft werden. Zwar sind solche Anlagen bloß ein Tropfen auf einen heißen Stein, jedoch kann diese Technik, wenn ausreichend gefördert, zukunftsweisend für unsere Klimapolitik sein.

5. Internationale Zusammenarbeit & Sozialverantwortung

In Bezug auf die soziale Verantwortung zeigt der IPCC Bericht: Die Industrieländer und die Reichen verursachen die meisten Emissionen, während die 50 am wenigsten entwickelten Länder der Erde bisher nur 0,4% zum menschengemachten Treibhauseffekt beigetragen haben. Häufig sind sie es jedoch, die am meisten von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.  

Besonders wichtig sei es daher, von dem Gedanken mehr Konsum = besseres Leben‘ wegzukommen. Damit die, die nicht genug haben, die Möglichkeit haben aus der Armut aufzusteigen, müssen wir, die mehr als genug haben unseren Hyper-Konsum eindämmen. Schließlich sind bisher wir es, die das globale CO2 Budget aufbrauchen, und davon profitieren, dass andere Länder nicht so entwickelt sind und dadurch nicht so viele Emissionen ausstoßen können. Auf die Armut anderer Länder angewiesen zu sein, ist weder ein nachhaltiges noch ein faires System. 

Daher geht Deutschlands Verantwortung als einer der größten CO2 Emittenten über dessen Landesgrenzen hinaus. Internationale Abkommen müssen die Industriestaaten stärker in die Verantwortung ziehen den Ausbau erneuerbarer Energien in Entwicklungsländern zu fördern. Außerdem muss auf dem Pariser Abkommen aufgebaut werden, und es müssen noch ambitioniertere, verpflichtende Klimaziele formuliert werden. Deutschland kann und sollte beim Klimaschutz eine führende Rolle einnehmen, und aktiv solche Abkommen entwickeln und eingehen.

Es liegt in der Verantwortung von jedem von uns, sein eigenes Leben klimaneutraler zu gestallten und sein Konsumverhalten zu überdenken. Nutze außerdem dein politisches Mitspracherecht und frag in deiner Kommune nach, welche Maßnahmen deine lokale Regierung unternehmen wird, um das Klima zu schützen. Dieses Jahr stehen drei Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (8.Mai), in NRW (15.Mai), und Niedersachsen (8.Okt.), sowie Landratswahlen in Sachsen (12.Juni) und die Oberbürgermeister-Wahl in Tübingen (23.Okt.) an. Mit deiner Wahl kannst du für mehr oder weniger Klimaschutz stimmen, also mach dein Kreuz und geh wählen!

INFO: Warum wird immer nur von CO2 gesprochen? Was ist mit den anderen Treibhausgasen? Treibhausgase werden in so genannte CO2-Äquivalente umgerechnet. CO2 ist also die Einheit, in der wir die Verschmutzung unserer Atmosphäre einheitlich messen können.

Disclaimer: Was genau im gekürzten IPCC Bericht für Politische Entscheidungsträger*innen steht, wird von Wissenschaftler*innen und politischen Vertreter*innen abgestimmt. Dadurch können die Inhalte durch politische Interessen verfälscht werden.


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Wir haben genug davon, dass die Geschichten immer nur von den Alten erzählt werden. Deswegen haben wir den Stift selbst in die Hand genommen, sind durch die Lande gezogen, haben Geschichten und Menschen gesucht, gefunden und alles aufgeschrieben, was uns untergekommen ist. Wir haben unsere Smartphones und Kameras gezückt und Fotos und Videos gemacht. Auf funky zeigen wir euch die Ergebnisse unserer Recherchen.