Wer sind die Neuen an der Spitze von Bündnis’90/Die Grünen?

Die neuen Parteivorsitzenden der Grünen, Ricarda Lang und Omid Nouripour
Sie wollen dafür sorgen, dass die Grünen während der Regierungsbeteiligung die Basis niocht verliert. Omid Nouripour und Ricarda Lang sind die neuen Parteivoristzenden von Bündnis´90/Die Grünen

Den Parteivorsitz einer frischgebackenen Regierungspartei zu übernehmen ist sicher keine leichte Aufgabe. Und bei einer Partei, deren Basis gerade während einer Regierungsbeteiligung – besonders emotional ist, ist das wahrscheinlich doppelt schwer. Ricarda Lang (28) und Omid Nouripour (46) stellen sich nun dieser Aufgabe. Wer die beiden neuen Vorsitzenden von Bündnis’90/Die Grünen sind und welche Ziele sie haben, erfahrt ihr hier.

Gustav König, funky-Jugendreporter

Die neue Vorsitzende der Grünen gehört dem linken Flügel der Partei an, genießt aber auch bei wichtigen Realos hohes Ansehen. Von beiden  Seiten wird ihr großes politisches Talent attestiert. Die Baden-Württembergerin, die offen mit ihrer Bisexualität umgeht, betont in ihrer Bewerbungsrede für den Parteivorsitz, dass die Regierungsbeteiligung „… doch keine Bestrafung“ sei.  Für die Grünen sei es eine Chance.

Mit 76 Prozent der Stimmen wurde Ricarda Lang Anfang Februar auf dem Parteitag der Grünen zur Nachfolgerin von Annalena Baerbock zur Parteivorsitzenden gewählt. Eine Gegenkandidatin gab es nicht. Langs Ergebnis ist nicht schlecht, aber auch nicht so richtig gut. Zum Vergleich: Baerbock wurde 2018 mit 97,1 Prozent der Delegiertenstimmen als Parteichefin wiedergewählt. Nichtsdestotrotz ist Ricarda Lang nun die jüngste Vorsitzende einer Regierungspartei, die es je gab. Die 28-Jährige zog 2021 über die Landesliste erstmals in den Deutschen Bundestag ein und hat bereits langjährige politische Arbeitserfahrung, beispielsweise war sie frauenpolitische Sprecherin der Partei, davor Chefin und Sprecherin der Grünen Jugend. Der Spiegel schreibt sehr treffend: „Sie ist eine Grüne, der man das Grünsein beinahe ansieht.“

Das Ziel der nächsten vier Jahre soll es nun sein, den Klimaschutz mit der sozialen Gerechtigkeit zu vereinen. „Wir sind bereit, hart zu arbeiten – für jeden Cent, der in die Kindergrundsicherung fließt, für jedes Windrad, das neu aufgebaut wird“, erklärt die 28- Jährige in ihrer Bewerbungsrede.

Ricarda Lang könnte ein echter Glücksfall für die Grünen sein, allein aus dem Grund, dass sie in kein Politikerinnen-Schema passt, das man bereits kennt – und dessen man inzwischen überdrüssig geworden ist. Sie redet Klartext und macht um heikle Themen keinen Bogen. Keine Aufgabe der eigenen Visionen und Illusionen trotz Realpolitik, das wird die Grünen herausfordern, und die Ampel sowieso.

Omid Nouripour, 46 Jahre alt, ist Robert Habecks Nachfolger als Parteivorsitzender. Der im Iran geborene Nouripourgehörte von 2002 bis 2006 bereits dem Bundesvorstand der Partei als Beisitzer an und sitzt seit 2006 im Bundestag. Als Nouripor 13 Jahre alt war, floh seine Familie nach Deutschland. Heute  erzählt er gerne, dass er sich bei den Grünen direkt wohlgefühlt habe, da ihn da niemand gefragt habe, woher er komme. Er ist in Frankfurt am Main aufgewachsen, das auch heute noch sein Wahlkreis ist. Er ist großer „Eintracht Frankfurt“-Fan und hat innerhalb der Partei einen guten Ruf. Belesen, schlau und schnell im Kopf sei er, attestieren ihm seine Parteikolleg*innen. Und emotional. Besonders zur Geltung kam letzteres, als der außenpolitische Fachmann im  vergangenen Sommer tagelang telefonierte, um Ortskräfte aus Afghanistan zu evakuieren. Seine Empathie für die Opfer der versagenden Weltpolitik brachte er in Talkshows bestens informiert und sehr berührend zum Ausdruck.

Nouripour tritt an, um die sozialpolitische Glaubwürdigkeit der Partei zu stärken. Wenn er weiterhin kein Blatt vor den Mund nimmt, könnte das gelingen.  Das Bündnis´90 solle auch bei der nächsten Bundestagwahl „… wieder in der K-Frage (Kanzlerschafts- Frage, Anm. d. Red.) mitspielen können“, so Nouripour auf dem Parteitag.

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