Besserwisserwissen: Schlafrhythmus genetisch vorgegeben?

Eule sitzt auf Ast
Lerche oder Eule - Welcher Chronotyp bist du?

Es gibt wieder eine Portion Wissen zum Mitnehmen und Angeben. Diesmal geht es um Schlaftypen: Wusstest du, dass ein Gen bestimmt, ob wir eher Frühaufsteher*innen oder Langschläfer*innen sind?

Charlotte Keil, funky-Jugendreporterin

Der Wecker klingelt um 6:30 Uhr, du startest problemlos in den Tag und dein Energielevel befindet sich in Kürze bereits auf Hochtouren! Klingt eher nach deiner Freundin als nach dir? Dann gehörst du wohl zum Typ Nachteule: Du wirst vor allem zu später Stunde produktiv und drückst morgens dafür zigmal auf Snooze, bevor du dich mühsam aus dem Bett quälst.

„Dann musst du wohl früher ins Bett gehen!“ dürfen sich Langschläfer*innen häufig als gut gemeinten Ratschlag anhören. Dass dieser einleuchtende Gedanke mit hoher Wahrscheinlichkeit von Frühaufsteher*innen kommt, ist offensichtlich. Immerhin liegt eine solche Vorstellung nahe, wenn man in den Morgenstunden bereits ein Hoch der geistigen und physischen Leistung gewohnt ist und dafür abends um 10 Uhr todmüde ins Bett fällt.

Doch wie genau entscheidet sich eigentlich, ob wir eher Typ Nachteule oder Typ Frühaufsteher sind? Neben dem Einfluss von Alter, Geschlecht und saisonalen Veränderungen gibt es zwei Faktoren, die den Schlaftyp bestimmen: Der Chronotyp und die menschliche DNA.

Eulen und Lerchen

Zwischen 1883 und 1924 beschäftigte sich der Psychiater Emil Kraepelin mit seinem Team intensiv mit der Schlafforschung. Unter anderem entdeckten sie dabei den circadianen Rhythmus, der Einfluss auf viele verschiedene Funktionen des Körpers hat – vor allen Dingen auf den Schlaf-Wach-Rhythmus. Der circadiane Rhythmus gilt daher auch als innere Uhr des Menschen. Mit seiner Hilfe lassen sich nicht zuletzt Leistungsschwankungen am Tag erklären.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse von Kraeplins Forschung war die bahnbrechende Beschreibung verschiedener Chronotypen: So unterschied der Psychiater zwischen frühaufstehenden „Lerchen“ und spät schlafen gehenden „Eulen“. Lerchen haben einen verkürzten Tageszyklus, der weniger als 24 Stunden dauert, während der der Eulen etwas länger ist. Bei den beiden von Kraeplin definierten Typen handelt es sich jedoch um Extreme. In der Realität gleicht die innere Uhr eher einem Spektrum, viele Menschen befinden sich in der Mitte.

Das Schlafhormon Melatonin

Verantwortlich für den circadianen Rhythmus sind die beiden Hormone Melatonin und Cortisol. Das Schlafhormon Melatonin sorgt dafür, dass wir müde werden und schlafen können. Gebildet wird es im zentralen Nervensystem, genauer gesagt an der Zirbeldrüse. Im Verlauf des Tages verändert sich die Menge des produzierten Melatonins jedoch: Tagsüber, wenn Licht über die Netzhaut ins Auge fällt, ist die Ausschüttung des Hormons gedrosselt. Der Melatonin-Spiegel in unserem Körper ist dann sehr gering, mit anderen Worten: Wir sind wach, munter und konzentriert. In den Abendstunden beginnt der Melatonin-Spiegel dann anzusteigen. In der Tiefschlafphase erreicht er schließlich seinen Höhepunkt.

Damit wir am nächsten Tag dann auch wieder erwachen, wird morgens das Stresshormon Cortisol gebildet. Es regt die Stoffwechselproduktion an, erhöht die Wahrnehmungsfähigkeit und lässt das Herz schneller und kräftiger schlagen. Je nach Schlaftyp setzt die Produktion der beiden Hormone zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein. Bei Eulen wird das Melatonin viel später am Abend gebildet als bei Lerchen, bei denen wiederum das Cortisol am Morgen viel früher ausgeschüttet wird.

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Das Gen ABCC9

Wann wir zu Bett gehen und wann wir erwachen, bestimmt also der Chronotyp. Ob man eher zum Typ Lerche oder zum Typ Eule gehört, sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie viel Schlaf man benötigt. Das Forschungsteam um den Chronobiologen Till Roennenberg und Karla Allebrandt der Ludwig-Maximilians-Universität München fand 2011 heraus, dass Menschen mit einer bestimmten Variante des sogenannten ABCC9-Gens deutlich weniger schlafen, als Menschen mit einer anderen Variante dieses Gens. Wie viel Schlaf man braucht – darüber entscheidet also die DNA. Fazit: Ob man nun der Fraktion der Frühaufsteher*innen oder Langeschläfer*innen angehört, hat nichts mit Disziplin oder Ambition zu tun, sondern ist biologisch vorgegeben. Unser Schlaftyp lässt sich zwar durch eine strenge Einhaltung von zeitlichen Routinen sowie Ernährung, Licht oder auch Bewegung etwas beeinflussen. Dennoch sollte man nicht zu sehr versuchen, gegen den eigenen Schlaftyp anzukämpfen, da sonst gesundheitliche Probleme drohen können, die von Konzenrationsstörungen und Migräne über ein geschwächtes Immunsystem bis hin zu Übergewicht und einem erhöhten Herzinfarktrisiko reichen können.

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