Erasmus trotz Corona – geht das überhaupt?

Jugendreporterin Tamina wird ab nächstem Semester im Ausland studieren und ist deshalb auf das Erasmus-Programm der EU angewiesen. Was der Deutsche Akademische Austauschdienst aufgrund der Corona-Pandemie für Anpassungen vornehmen musste, und ob sich das Ganze überhaupt noch lohnt berichtet sie hier.

Die gute Nachricht zuerst: Erasmus findet trotz Corona statt! Nur eben leider ganz anders, als man vielleicht erwartet hätte. Lange hielt sich der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mit verbindlichen Ankündigungen zur Umsetzung von Erasmus+ zurück. Bisher wurde nur gefördert, wer auch tatsächlich in sein Gastland reiste und an seiner Gastuniversität die Vorlesungssäle besuchte. Im Sommersemester 2020 wurde die Präsenzlehre allerdings abrupt abgebrochen und durch mehr oder minder improvisierte digitale Lehre ersetzt. 

Ende des letzten Jahres hatte auch ich mich hoffnungsvoll auf ein Erasmus-Stipendium an der University of Cambridge in England beworben. In Hinblick auf den Brexit ist das die letzte Möglichkeit, dachte ich. Als im März auch in Deutschland alle Präsenzveranstaltungen abgesagt wurden, bangte ich wie viele andere Mitbewerber um mein Auslandsvorhaben. Inzwischen sorgte der DAAD für Klarheit: Erasmus+ soll auch während Corona stattfinden – nur eben hauptsächlich digital.

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Allerdings haben sich die Bedingungen für eine Erasmus-Förderung geändert. So werden nicht nur Präsenzveranstaltungen, sondern auch digitale Lehrangebote gefördert. Ziel ist es, den Austausch so coronafreundlich wie möglich zu gestalten: Studierende können mithilfe der „Blended Mobility“ ihr Auslandsstudium online zu Hause beginnen und dann, sobald es möglich ist, vor Ort fortsetzen. Die finanzielle Unterstützung wird jedoch nur bewilligt, wenn man sich im Gastland aufhält. Wer sein Auslandsstudium bedingt durch Corona unterbrechen, abbrechen oder verschieben muss, soll dadurch keinen Nachteil davontragen: Der physische Aufenthalt im Gastland kann coronabedingt verkürzt oder abgesagt und Erasmus+ dann online fortgeführt werden.

Wer sich von Corona sein Auslandsvorhaben nicht vermiesen lassen will, der sollte aber einige Dinge beachten. Zunächst müssen die Einreisebestimmungen im Gastland bedacht werden: Sind die Grenzen durch einen erneuten Corona-Ausbruch geschlossen? Muss ich mich nach Ankunft in Quarantäne begeben? Auch Informationen des Robert-Koch-Instituts sollten einbezogen werden, falls die Gastuniversität plötzlich als Risikogebiet gelten sollte. Für die Anreise ist es daher ratsam, Zugtickets zu buchen – das ist nicht nur nachhaltiger, Zugtickets lassen sich darüber hinaus derzeit fast überall kurzfristig kostenlos stornieren oder umtauschen. Solltest du keine Unterkunft durch die Universität gestellt bekommen, solltest du bei der Buchung eines Zimmers ebenfalls auf die Stornierungsbedingungen achten. Wer kann, sollte zuerst nur ein stornierbares Hostelzimmer buchen und dann gegebenenfalls vor Ort eine WG suchen.

Bleibt noch eine große Frage: Lohnt sich Erasmus überhaupt, wenn die Lehre digital stattfinden wird? Meine Antwort war, auch brexitbedingt, schnell klar: Ich gehe auf jeden Fall nach England. Und bei diesem Abenteuer könnt ihr mich ab Oktober sogar begleiten: hier auf funky, wo ich in meiner Erasmus-Kolumne über das Erlebte berichten werde.

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