Meinung

Junge Union oder doch eher Jungen-Union?

Tilman Kuban (rechts), neugewählter Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU), wartet beim außerordentlichen Deutschlandtag auf die Bekanntgabe der Wahlergebnisse.

Als eine ihrer letzten Amtshandlungen als Parteivorsitzende der CDU möchte Annegret Kramp-Karrenbauer eine Frauenquote einführen – doch die Junge Union (JU) sträubt sich dagegen.

Im ARD-Sommerinterview erklärte Annegret Kramp-Karrenbauer, dass es in der JU Tradition habe, gegen eine Frauenquote zu sein, das sei schon zu Zeit in der JU so gewesen. Abgesehen davon, dass „Hauptsache dagegen“ wirklich keine fundierte Begründung ist, hat sich seit AKKs JU-Zeiten auch einiges getan. Damals waren „Die Grünen“ die einzige Partei, die sich für eine Frauenquote einsetzten. Inzwischen haben alle im Bundestag vertretenen Parteien – mit Ausnahme von AfD und FDP – eine Frauenquote eingeführt. Die CDU möchte diese nun hochschrauben – von einem Drittel zu einer paritätischen Listenbesetzung, also 50:50. Klingt doch fair. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Es gibt tatsächlich auch Gründe gegen eine verbindliche Frauenquote und ich will nicht bestreiten, dass eine Frauenquote Nachteile bringen kann, die ihren schärfsten Kritikern in die Hände spielen. Denken wir beispielsweise an die abschätzige Bezeichnung einer Frau als „Quotenfrau“, die nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten an ihre Position gekommen ist. Was mich aber vor allem stört, ist die Junge Union, die in dieser Frage ihre verstaubte Position seit 1981 offenbar nicht hinterfragt hat.

Denn sie vertritt hier ganz eindeutig keine „junge“ Position. Böse Zungen würden jetzt auf den dehnbaren Begriff von „jung“ verweisen, den sich die „junge“ Gruppierung der CDU mit einem Höchstmitgliedsalter von 35 zu eigen gemacht hat. Die JU ausgenommen ist die Forderung nach einer Frauenquote ein Thema, das gerade von den jüngeren Generationen explizit gewünscht und verfochten wird. Wenn die Junge Union, deren Mitgliederzahlen sich im Übrigen genauso negativ entwickeln wie die ihrer Mutterpartei, also wieder Mitglieder gewinnen möchte, sollte sie ihre Haltung zur Frauenquote noch einmal überdenken. Denn lustige Slogans wie „#MehrMädels“ werden sicher nicht reichen, um die Gleichstellung der Frauen zu fördern und gleichzeitig auch noch den Mitgliederschwund aufzuhalten.

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Marti Mlodzian

Schreiben ist nicht einfach, finde ich. Während ich schreibe, muss ich so viel beachten. Ich muss verschiedene Meinungen finden und respektieren, muss Fakten und Fakes auseinanderhalten, muss Experten anschreiben und hoffen, dass sie antworten, und zum Schluss alles in die richtigen Worte fassen. Doch trotzdem macht Schreiben mir Spaß. Am meisten Spaß, wenn ich über Zukunft, Politik oder Umwelt schreibe. Oder wenn ich meine Meinung zu neuer Musik und neuen Filmen kundtue.