Interview

Alaina Castillo: „Setzt euch hin und schaut zu“

Die US-amerikanische Sängerin Alaina Castillo
Die US-amerikanische Sängerin Alaina Castillo startet gerade durch.
Alaina Castillos Sound ist genreübergreifend und vielseitig. In softe Popbeats und R ’n’ B-Melodien gebettet beschreibt die US-Amerikanerin ihre Gefühlswelt nach einer Trennung und erzählt uns im Interview, warum ihr das wichtig ist, Musik auf Spanisch und Englisch zu produzieren.

Deine neue EP „the voicenotes“ erscheint bald auch auf Spanisch. Warum war dir das wichtig?

Mir ist das sehr wichtig, weil Musik auch eine Verbindungsfunktion hat. Musik bietet die Möglichkeit, Gefühle noch einmal anders auszudrücken. Nicht nur durch Sprache, wie wir es sonst tun. Das sowohl auf Spanisch als auch auf Englisch machen zu können, macht mich sehr glücklich, weil ich so noch mehr Menschen erreiche und noch mehr Menschen eine Verbindung zu den Songs herstellen können.

Auf Spanisch kann ich vieles ausdrücken, was ich auf Englisch einfach nicht ausdrücken kann.

Sängerin Alaina Castillo

Alaina Castillo: No vuelvas a mirar astrás

Du bist also bilingual aufgewachsen?

Mein Vater ist Mexikaner, aber er hat nie wirklich Spanisch mit uns gesprochen. Immer wenn ich bei meiner Oma war, die in Houston lebt, war es schwierig, mich mit ihr zu unterhalten. Ich habe es dann an der Highschool gelernt und ich lerne es immer noch. Zwischen Spanisch und Englisch wechseln zu können, macht die Musik auch schöner, da ich auf Spanisch vieles ausdrücke, was ich auf Englisch einfach nicht ausdrücken kann.

In dem Song „Pass You By“ geht es darum, dass du dich selbst oft in Situationen bringst, in denen du einfach zu viel nachdenkst. Hilft es dir, in solchen Momenten deine eigene Musik zu hören?

Ja, gerade diesen Song, weil ich mir immer zu viele Gedanken mache. Es macht mir Momente und Möglichkeiten, die mir gegeben werden, kaputt. Es passieren auf der einen Seite so schöne Dinge, aber ich bin in meinen Gedanken gefangen und zweifle an mir selbst. Gerade in diesen Momenten hilft es mir, meine Musik zu hören, weil es mich auch daran erinnert, dass ich mich in einem Prozess befinde und noch am Lernen bin.

Gerade dir als Person des öffentlichen Lebens, aber auch als Künstlerin, wird nicht nur Lob, sondern auch viel Hass entgegengebracht. Wie hast du gelernt, damit umzugehen?

Ich glaube, ich werde mich nie daran gewöhnen können. Ich habe zuvor mitverfolgt, wie meinen Lieblingskünstlern viel Hass entgegengebracht wurde, aber im gleichen Zug auch sehr viel Liebe. Die haben dann aber trotzdem den Fokus auf die negativen Kommentare gesetzt und ich frage mich: Warum? Warum sollte man sich auf das Negative konzentrieren, wenn einem auf der anderen Seite so viel Positives gesagt wird? Ich erinnere mich in solchen Momenten einfach daran, dass ich mit den Leuten hinter den Kommentaren keinen täglichen Kontakt habe, aber dass ich den Kontakt zu meinen Supportern und Fans pflegen will, da das die Menschen sind, die mir Liebe geben und denen ich auch Liebe zurückgeben kann.

Als meine Eltern nicht an mein Ziel geglaubt haben, dachte ich mir: Setzt euch hin und schaut zu!

Sängerin Alaina Castillo

Du bist sehr ehrgeizig. Hattest du von Anfang an das Gefühl, dass du damit auch erfolgreich sein wirst?

Es war hart. Ich habe aber auch festgestellt, dass wenn ich immer weiter Musik poste und weiterhin Musik mache, auch immer mehr Follower und Fans dazukommen. Ich hätte mir aber nie träumen lassen, dass ich so weit komme und dass so viele Menschen meine Musik hören würden. Für meine Eltern war es noch schwerer, an mein Ziel zu glauben, weil ich ja nur ein Kind war, das eine Karriere als Musikerin anstrebte. Ich kann das nachvollziehen, dass man da Angst hat. Nur für mich war von Anfang an klar: Das möchte ich machen. Und als sie nicht daran geglaubt haben, dachte ich mir: Setzt euch hin und schaut zu.

Auf Instagram hast du eine Nummer veröffentlicht, sodass deine Fans dich kontaktieren können. Wie wichtig sind dir deine Fans?

Sehr wichtig! Anfangs waren es immer die gleichen zehn Leute, die sich meine Videos angesehen haben und mir Feedback gegeben haben. Aber dass Leute, die du nicht kennst, auf deine Musik reagieren, ist noch mal was anderes. Das hat mich sehr motiviert, weiterzumachen, weil ich gesehen habe, dass es Menschen glücklich macht. Und das wiederum macht mich glücklich.

Du hast früh auch in einem Kirchenchor gesungen. Bist du religiös?

Ja, definitiv. Ich bin damit aufgewachsen, da meine Mutter sehr religiös ist. Ich habe viel christliche Musik gehört, dann sind durch verschiedene Freunde Hip-Hop und R ’n’ B dazugekommen.

Niemals würde ich wollen, dass ich das Bild von mir vermittele, ich sei perfekt oder Ähnliches, da die Leute dann auch genau das von mir erwarten würden.

Sängerin Alaina Castillo

Deine Kurzbiographie auf Spotify erweckt den Anschein, als seist du das Mädchen von nebenan. Du bist sehr bescheiden. Ist es dir wichtig, auf dem Boden zu bleiben?

Ich kenne mich selbst und weiß, dass ich oft Fehler mache. Niemals würde ich wollen, dass ich das Bild von mir vermittele, ich sei perfekt oder Ähnliches, da die Leute dann auch genau das von mir erwarten würden. Je weniger die Menschen von mir erwarten, desto weniger schlimm ist es, auch mal einen Fehler zu machen. Passieren wird das ohnehin. Ich bin sehr dankbar, dass heute alles so ist, wie es ist, weiß aber auch, dass es nicht immer so war. Das will ich nicht vergessen. 

Ist dir das von Anfang an leichtgefallen?

Gerade weil ich vieles überdenke, dauert es immer, bis ich mich an neue Situationen gewöhne. Als meine Lieder dann irgendwann mehr Aufrufe hatten, bin ich morgens aufgewacht und war schon gestresst, weil ich überhaupt nicht wusste, wie ich damit umgehen soll. Mit der Zeit kommt eine Art Routine rein. Ich glaube aber auch, man kann sich nie richtig daran gewöhnen, weil immer etwas aufregendes Neues passiert.

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Deine Songs sind in vielen verschiedenen Spotify-Playlists. War es dir wichtig, vielfältige Musik zu machen und dich nicht nur auf Pop festzulegen?

Ja! Musik kann eben alles sein, was ich fühle. Was man jetzt beobachten kann, ist auch, dass sich in der Musikwelt vieles ändert und Verschiedenes zusammenkommt. Ich bin offen für alle Genres, je nachdem, was passt und sich richtig anfühlt.

Du hattest einen Live-Stream auf YouTube mit deiner neuen EP „the voicenotes“, bei dem es auch die Möglichkeit gab, an die WHO zu spenden.

Es war schon immer mein Traum, helfen zu können. Auch in Zukunft werde ich Kampagnen starten, die Menschen in Not helfen können. Mir ist es wichtig, etwas zurückzugeben. Und Künstler, die eine Plattform haben, können diese nutzen, um auf Notlagen aufmerksam zu machen. 

Du hast zwei EPs veröffentlicht. Spürst du Druck, dass da langsam mal ein Album kommen sollte?

Ja, gerade während der Quarantäne-Zeit war ich jeden Tag im Studio und habe Musik gemacht. In naher Zukunft ist also auch mit einem Album zu rechnen.

Alaina Castillo: Just a Boy

In dem Song „Just A Boy“ geht es um Vertrauensprobleme in einer Beziehung. Wie gehst du selbst damit um?

Ich bin in Beziehungen sehr anhänglich und auch eher der eifersüchtige Typ. In diesem Song geht es darum, verletzt worden zu sein und sich nicht sicher zu sein, ob man dem Partner wieder vertrauen kann. Man entscheidet sich entweder dafür, dass diese eine negative Erfahrung die zukünftigen Beziehungen beeinflusst, oder man schaut nach vorn und lässt die Vergangenheit hinter sich.

Gibt es ein Thema, über das du schon immer mal sprechen wolltest, worauf dich aber niemand anspricht?

Wenn ich Musik mache, dann denke ich immer in Bildern, die ich kreiere. Ich würde gerne an einen Ort mit einem klaren Meer und einem klaren Sternenhimmel reisen. Das wäre der perfekte Ort für neue Inspiration.

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