Thomas Kemmerich
Meinung

Kemmerich-(Kurz-)Wahl: So findet die Jugend kein Vertrauen in die Politik

Auch wenn es nur ein kurzer Schock war: Zumindest für knapp 24 Stunden sah es so aus, als werde Thomas Kemmerich (FDP) neuer Ministerpräsident in Thüringen. Dass er sich nun doch wieder zurückzieht, ändert nichts daran, dass er dem Image der Politik nachhaltig geschadet hat – insbesondere bei den jungen Wählern.

Die Wahl von Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin war wie ein Center Shock . Die gestrige Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten von Thüringen schmeckte genauso – nur ohne Center, sie ist einfach nur ein Schock. Thomas Kemmerich war im Wahlkampf nie als Kandidat zum Amt aufgetreten. Bei Ursula von der Leyen war es genauso – nur hatte ihre Partei wenigstens die Wahl gewonnen. Doch die FDP ist mit gerade einmal fünf Prozent in den Landtag eingezogen – sie hat dort fünf Sitze. Auch von den Erstwählern hat die Partei im Oktober nur sieben Prozent erhalten. Kemmerich fehlte zu jedem Zeitpunkt schlichtweg die demokratische Legitimierung. Stärkste Kraft war ja eigentlich mit 31 Prozent der Stimmen die Linke unter Bodo Ramelow geworden. Doch der hatte am gestrigen Mittwoch eine Stimme weniger als Kemmerich bekommen – weil sich CDU und AfD geschlossen hinter den FDPler gestellt hatten. Kemmerich nahm an. Das hat gesessen.

Vor jeder größeren Wahl werden die jungen Erstwähler dazu ermutigt, ihre Stimme zu nutzen. Sie sei wichtig, heißt es immer. Mit ihr könne man direkten Einfluss auf die Politik nehmen. Das sei wahre Demokratie. Von der Thüringen-Wahl hieß es, sie sei extrem wichtig, die wichtigste Landtagswahl seit langem. Doch was gestern geschah, erweckte den Eindruck, als ob die Politiker im Hinterzimmer besprochen hätten, wer neuer Ministerpräsident wird. Als sei im Grunde relativ egal gewesen, wie das Volk abstimmt. Bedenkt, liebe Parteien: Hätten Nichtwähler bei der Thüringen-Wahl von 2019 ihre eigene Partei gehabt, wäre sie auf 35 Prozent gekommen!

Auch, wenn Kemmerich sich nun doch wieder zurückzieht: Wäre der Druck auf ihn nicht dermaßen gestiegen – er wäre geblieben. Es sind Aktionen wie diese, die dazu führen, dass mehr und mehr Menschen nicht wählen gehen. Und, dass junge Menschen gar nicht erst anfangen, sich für Politik zu interessieren. Also wundert euch nicht, wenn künftig noch mehr junge Menschen der Politik den Rücken kehren. Der Schaden, den Kemmerichs „Ja“ angerichtet hat, lässt sich nicht so einfach wieder zurückziehen.

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Schreiben ist nicht einfach, finde ich. Während ich schreibe, muss ich so viel beachten. Ich muss verschiedene Meinungen finden und respektieren, muss Fakten und Fakes auseinanderhalten, muss Experten anschreiben und hoffen, dass sie antworten, und zum Schluss alles in die richtigen Worte fassen. Doch trotzdem macht Schreiben mir Spaß. Am meisten Spaß, wenn ich über Zukunft, Politik oder Umwelt schreibe. Oder wenn ich meine Meinung zu neuer Musik und neuen Filmen kundtue.

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