Meinung

E-Scooter: Elektroschrott oder Mobilitätsrevolution?

Wie nachhaltig sind die vermeintlich umweltfreundlichen E-Scooter wirklich?
Nachdem es in seiner Heimatstadt Essen einen gefährlichen Unfall zwischen einem E-Scooter und einem PKW gab, kam unser Autor ins Grübeln. Sind E-Scooter wirklich eine tolle Erfindung?
Von Abilaash Bavan, Klasse 8b, Burggymnasium Essen

Mittwoch, 11.Dezember 2019. Gegen 14:30 Uhr kam es zu einem Unfall zwischen einem 30-Jährigen E-Scooter-Fahrer und einem PKW-Fahrer an der Kastanienallee in der Essener Innenstadt. Der E-Scooter-Fahrer wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Ein Zeuge, der nur den lauten Knall gehört hatte, konnte keine weiteren Angaben machen.

Unfälle dieser Art schockieren immer wieder. Bis jetzt gab es glücklicherweise keinen tödlichen Unfall mit einem E-Scooter in Deutschland, aber es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis dies der Fall sein wird. Außerdem gibt es hierzulande keine Helmpflicht wie z. B. in Tel Aviv, Israel, was die Gefahr von schweren Verletzungen bei Unfällen drastisch steigen lässt. Berichte über tödliche Unfälle in den USA und europaweit zeigen, dass die Leihscooter-Anbieter, aber auch die Gesetzgebung der Länder sich hier anpassen muss. Immerhin muss mittlerweile jede/r, der/die unter starkem Alkohol- oder Drogeneinfluss auf einem E-Scooter fährt, mit einem Bußgeld von bis zu 500 Euro oder mit einem Führerscheinentzug rechnen.

Produktion der Akkus für Elektroroller nicht gerade umweltfreundlich

Seit Mitte Juni 2019 sind die Elektrotretroller in Deutschland für den Straßenverkehr zugelassen. In anderen Ländern wie z. B. in den USA oder in Frankreich sind sie schon lange erlaubt. In der Stadt Essen bieten drei Firmen ihre Leihroller an: Lime, Tier und Circ. Sie sollen die neue „Mobilitätsrevolution“ darstellen, in deren Folge Menschen weniger mit ihrem Auto fahren und stattdessen häufiger andere Verkehrsmittel, wie einen E-Scooter benutzen sollen. Vielfach wird der E-Scooter als umweltfreundlicher dargestellt. Darüber lässt sich allerdings streiten, denn die Produktion solcher Lithium-Akkus ist auch nicht sehr viel umweltfreundlicher als die Abgase eines Autos.

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Zudem müssen die Tretroller jede Nacht mit LKWs aufgesammelt, aufgeladen und am nächsten Morgen wieder abgestellt werden. Diese Tätigkeiten bieten zwar neue „Arbeitsplätze“ für zum Beispiel Student*innen, die etwas mehr Geld dazuverdienen wollen, doch stellt sich grundsätzlich die Frage: Warum kann man nicht einfach mit der U-Bahn fahren? Warum sollte man sich überhaupt für einen E-Scooter entscheiden?

Es gibt einige Gründe, die für den E-Scooter sprechen. Sie sind fast überall auf den Straßen vorzufinden. Zudem hat der Anbieter Circ hat ein neues Modell vorgestellt, dessen leeren Akku man sogar vor Ort durch einen vollgeladenen Akku auswechseln kann. Die Leihfirmen wie lime oder Tier arbeiten auch an der Produktion von robusteren Rollern mit größeren Rädern, besserer Standfestigkeit und breiterer Standfläche.

Gesetze für E-Scooter sollten strenger werden

Trotzdem sollten die Gesetze für Leihroller sollten in Deutschland verschärft werden und man sollte die Straßen auch dementsprechend anpassen. Da man in Deutschland nur auf Radwegen und auf den Straßen fahren darf, stellt sich die Frage, wie es hier generell mit dem Platz aussieht. Die Leihfirmen der E-Scooter werben damit, dass man sich mit diesen durch Staus hindurch schlängeln kann und so schneller an sein Ziel komme. Die meisten Menschen empfinden allerdings, dass die Fahrradwege der deutschen Städte zu schmal sind und für die Masse der Fahrzeuge, nicht ausgerichtet seien. Das gefährde die Sicherheit für fast alle Verkehrsteilnehmer, so einige Stimmen.

Andere wiederum meinen, dass dies nur eine Frage der Gewohnheit sei und sich die Aufregung um die E-Scooter im Laufe der Zeit wieder legen werde. Außerdem sollen in Zukunft neue Parkregeln eingeführt werden, die dem unordentlichen Parken ein Ende bereiten. Wer einen E-Scooter wieder abstellen möchte, muss in Zukunft vielleicht einen Fotobeweis einsenden, der beweist, dass der Roller ordentlich geparkt wurde und auch für Passanten keine Behinderung auf dem Gehweg darstellt. Erst dann kann der Roller wieder gesperrt werden. Zudem soll es auch feste „Bonus-Parkstationen“ geben. Fahrer die an den vorgegebenen Stationen parken sollen auch mit einem Zusatz-Bonus, wie z.B einer 15-Minütigen Freifahrt belohnt werden.

Ob die E-Scooter also wirklich eine Revolution auslösen, oder ob das nur alles ein kurz andauernder „Trend“ bleiben wird, das kann uns nur die Zukunft und die weitere Entwicklung solcher Elektrokleinstfahrzeuge sagen.
   
Quellen: Presseportal, Youtube, Tagesschau, Essen-Onlineportal

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