Interview

Julia von Weiler: „Es gibt momentan leider keine sichere Social Media App“

Social Media Apps wie Instagram werden heute von Jugendlichen wie selbstverständlich genutzt. Viele wissen dabei nicht, wie gefährlich die meisten von diesen Apps wirklich sind.
Viele Social Media Plattformen sind nicht sicher, weiß die Geschäftsführerin von Innocence in Danger e.V. Sie erklärt uns im Interview, was an Social-Media-Apps gefährlich werden kann und wie wir uns Jugendliche besser schützen können.
Von Arndt Leibfried, Klasse 8a, Berlin International School

Julia von Weiler ist eine Expertin, wenn es um Social Media geht. Sie ist Diplom-Psychologin und Geschäftsführerin von Innocence in Danger e.V. Dieser Verein kämpft dafür, dass Kinder vor sexuellem Missbrauch und Ausbeutung im Internet sicher sind.

funky: Das Internet kann sehr nützlich, aber auch gefährlich sein. Social Media Apps werden bei Kindern und Jugendlichen immer beliebter und die Nutzer von Instagram, TikTok, Facebook lieben es Fotos von ihren Erlebnissen zu posten. Welche ist aus Ihrer Sicht die sicherste Social Media App?

Julia von Weiler: Das ist eine super Frage. Es gibt momentan leider keine wahnsinnig sichere Social Media App. Facebook gibt sich noch am ehesten Mühe, aber da seid Ihr als Jugendliche nicht mehr viel unterwegs. Instagram gehört ja auch zu Facebook und da ist es schon nicht mehr so weit her mit der Sicherheit.

Und welche App ist dann am unsichersten?

Es gibt ganz viele unsichere Apps. Die momentan am meisten und auch zurecht diskutierte App ist Tiktok. Die Nutzerzahlen wachsen sehr schnell, viele Kinder und Jugendliche nutzen sie. Leider gibt es dort oft gemeine Kommentare, auch unter Kindern und Jugendlichen. Die gehen nicht immer sehr nett miteinander um. Und vor allem gibt es auch Kontaktaufnahme von Erwachsenen, die versuchen, Kinder zu manipulieren und sogar zu sexuellen Handlungen zu bewegen – sie also missbrauchen – wollen.

Ab welchem Alter können Jugendliche selbstständig für ihre Social Media Profile Verantwortung übernehmen ohne von Eltern kontrolliert zu werden?

Als Richtschnur ist ein Alter von dreizehn oder vierzehn Jahren ganz gut. Allerdings ist jeder Mensch anders. Es gibt dreizehnjährige, die weit und schon sehr vernünftig sind. Andere sind eher noch naiver und verspielter. Das ist also von Kind zu Kind unterschiedlich. Der Gesetzgeber sagt aber, dass man ab vierzehn Jahren strafmündig ist. Er hat also festgelegt, dass Jugendliche ab diesem Alter eine gewisse Reife besitzen, um zu verstehen, was die eigenen Handlungen ausmachen können. Als Elternteil ist es wichtig, sich klar zu machen, wie gut sind wir im Gespräch? Kann ich mein Kind gut alleine unterwegs sein lassen? Also dreizehn, vierzehn ist ein sehr gutes Alter.

Sollten Kinder unter 18 Jahren ohne Erlaubnis der Eltern Fotos hochladen dürfen?

Das ist eine spannende Frage. Ja, ich glaube schon, dass die Jugendlichen das dürfen sollten. Ich würde allerdings auch sagen, je jünger das Kind, desto weniger sollte es erlaubt sein. Kinder müssen ja üben und dazu brauchen sie Unterstützung von Erwachsenen. Das heißt, ich finde man muss als Eltern mit den Kindern besprechen, was das bedeutet und was daraus resultieren kann. Wenn ich das Gefühl habe, mein Kind kann sich diese große Dimension, die sich dahinter verbirgt, nicht vorstellen, würde ich eher davon abraten. Eltern sollten allerdings selber auch nicht einfach so Fotos von ihren Kindern hochladen oder zum Beispiel an Verwandte verschicken dürfen. Wenn Kinder lernen sollen, vorsichtig mit Bildern umzugehen, müssen die Eltern selbst auch vorsichtig damit umgehen und so gute Vorbilder sein.

Finden Sie die Alterseinschränkung, die Social Media Apps vorgeben, sinnvoll? Die meisten Apps, wie Facebook oder Instagram, geben als Mindestalter 12 Jahre an.

Ich finde zwölf noch sehr jung, aber schon ein Schritt in die richtige Richtung. Meist sind die Alterseinschränkungen zu jung angesetzt. Wenn ich als Anbieter wie Facebook möchte, dass junge Nutzer meine Seite besuchen, muss ich sicher gehen, dass mein Angebot dementsprechend konzipiert ist. Das bedeutet, diese Unternehmen müssen auch kontrollieren, wer auf ihren Seiten unterwegs ist. Es gibt viele junge Nutzer, die sich mit einem falschen Geburtsdatum anmelden und sich dann meistens Älter machen, damit sie reinkommen. Da sollten die verschiedenen Plattformen an ihrem Anmeldeverfahren arbeiten, um sicherzugehen, dass zum Beispiel die Eltern informiert werden und ihre Einwilligung geben.

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Schülerbeiträge

Von Reinickendorf bis Bochum, von Fulda bis Ottensen – überall schreiben Schülerinnen und Schüler Artikel über das, was um sie herum passiert. Jeder und jede aus ihrer eigenen Sichtweise, mit eigener Meinung und eigenem Schwerpunkt. Bei all den Unterschieden eint sie, dass sie mit ihrer Klasse an MEDIACAMPUS teilnehmen, dem medienpädagogischen Projekt der Funke Mediengruppe. Das erlernte Wissen wenden sie dann praktisch an, indem sie erste journalistische Texte schreiben. Auf funky können sie die Früchte ihrer Arbeit präsentieren.