Interview

Konstantin Feist: „Wir liefern unverbrauchte Perspektiven“

Volt ist jung, sowohl vom Gründungstag der Partei her als auch vom Alter der Mitglieder. Junge Menschen sind hier sichtbarer als in anderen Parteien. Im Vergleich zu der antieuropäischen Stimmung rund um den Brexit liefert Volt einen gegensätzlichen Ansatz, der die gesamteuropäische Politik verfolgt. Um mehr über die erst 2017 gegründete Partei herauszufinden, haben wir mit Konstantin Feist gesprochen. Der 19-Jährige ist seit Juli 2018 Mitglied bei Volt und einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden.
Konstantin Feist ist seit Juli 2018 Volt-Mitglied. Nun ist er stellvertretender Vorsitzender - mit gerade mal 19 Jahren.

Volt ist jung, sowohl vom Gründungstag der Partei her als auch vom Alter der Mitglieder. Junge Menschen sind hier sichtbarer als in anderen Parteien. Im Vergleich zu der antieuropäischen Stimmung rund um den Brexit liefert Volt einen gegensätzlichen Ansatz, der die gesamteuropäische Politik verfolgt. Um mehr über die erst 2017 gegründete Partei herauszufinden, haben wir mit Konstantin Feist gesprochen. Der 19-Jährige ist seit Juli 2018 Mitglied bei Volt und einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden.

Von Ema Klahn, funky-Jugendreporterin Hamburg

Wie bist du zur Politik gekommen?

Ich bin nicht in Deutschland geboren, sondern in der Schweiz, und war dort in einem sehr internationalen Kindergarten. Von klein auf war mir also klar, dass Vielfalt etwas Tolles ist. Wir sind später zurück nach Deutschland gezogen und ich ging hier zur Schule. In der 9. oder 10. Klasse begann dann der Politikunterricht und ich habe langsam angefangen, mich für das ganze Thema zu interessieren. Das fiel auch in die Zeit von Brexit und der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Dadurch habe ich gemerkt, dass die europäische Einigkeit und der europäische Gedanke alles andere als selbstverständlich sind und dass man auch etwas dafür tun muss, damit das so bleibt, wie es jetzt ist. Und noch besser wird!

Und wie bist du dann zu Volt gekommen?

Ich habe mir Parteien angeschaut, grade auch die Jugendorganisationen. Aber das hat mich alles nicht gereizt, weil ich den Eindruck hatte, dass man nicht so viel machen kann. Und dann bin ich zufällig auf einen Artikel über Volt gestoßen, so ziemlich einen der ersten Artikel, und habe mir deren Website angeschaut. Ich war ziemlich schnell begeistert und habe mich dann einfach angemeldet.

Was hat dich an dieser Partei überzeugt?

Zunächst einmal der pan- beziehungsweise gesamteuropäische Ansatz, den ich so in anderen Parteien überhaupt nicht gesehen habe. Und auch dieser Mitmachfaktor, dass man sich sehr einfach engagieren und Verantwortung übernehmen kann. Dass auf Augenhöhe miteinander agiert wird und es keine Jugendorganisationen gibt, sondern einfach alle Altersgruppen zusammenarbeiten. Das war mir tatsächlich sehr wichtig, weil man da Politik hautnah erleben kann.

Was sind eure Ziele als Partei, was wollt ihr bewirken?

Unser Hauptziel ist, die Europäische Union zu reformieren. Das heißt, wir wollen grundlegende Reformen sämtlicher europäischer Institutionen anstreben. Beispielsweise dem EU-Parlament mehr Macht geben und eine echte europäische Regierung mit einem Premierminister und einen Ministerrat nach Vorbild des amerikanischen Senats wählen. Schlussendlich hätten wir gerne eine richtige europäische Verfassung.

Wir wollen die Europäische Union reformieren

Konstantin Feist umreißt Volts Parteiprogramm

Volt gibt es erst seit 2017. Welche Herausforderungen hat man als so junge Partei?

Das Schwierigste war am Anfang tatsächlich, diese ganzen Hürden zu nehmen. Insbesondere für die Europawahl. Es gibt in vielen europäischen Ländern sehr unterschiedliche Wahlzulassungshürden. In Deutschland war es tatsächlich relativ einfach, da mussten wir nur einige Tausend Unterstützungsunterschriften sammeln. In Italien sind das mehr als 150.000, die man dann noch von einem Notar beglaubigen lassen muss. Das war für uns einfach nicht zu schaffen. In Frankreich muss man seine Wahlzettel selber bezahlen, was dann fast einem Millionenbetrag entspricht. In Deutschland hatten wir das Problem, dass uns keiner – überhaupt keiner! – kannte. Wir mussten erst mal Werbung machen und natürlich auch Vertrauen aufbauen, um dann gewählt zu werden. Das war mit das Schwierigste. Jetzt, nach diesem Erfolg bei den Europawahlen, ist es wichtig, dass wir unsere eigene Identität erhalten und uns auch als Partei weiterentwickeln. Und uns festigen, sodass wir kontinuierlich wachsen und uns auch in den anderen europäischen Ländern, wo wir nicht so stark sind, wie in Deutschland, weiterentwickeln.

Volt hat sehr viele junge Mitglieder – dich zum Beispiel. Was meinst du, woran das liegt?

Zunächst einmal liegt es daran, dass wir eine sehr progressive und auch visionäre Politik anbieten wollen, die interessant für junge Menschen ist. Trotzdem haben auch wir einen Altersdurchschnitt von etwa 35 Jahren. Ich denke, wir wirken jung, weil wir auch jungen Mitgliedern die Chance geben, Verantwortung zu übernehmen und Politik neu zu denken. Wir haben trotzdem auch genauso viele ältere Mitglieder. Das ist wichtig, da es nur möglich ist, sinnvoll etwas zu verändern, wenn alle Generationen zusammenarbeiten.

Was antwortest du, wenn jemand dir so ein politisches Amt aufgrund deines Alters nicht zutraut?

Mir ist natürlich klar, dass ich noch nicht so viel Lebenserfahrung habe. Aber wichtiger ist doch, wie gut man seine Aufgaben erfüllt. Ich sehe das Ganze als Chance und gleichzeitig als Herausforderung. Aber ich habe gelernt, dass man schnell Erfahrungen sammeln kann, die die fehlende Lebenserfahrung durchaus aufwiegen können. Ich denke, dass wir auch einfach unverbrauchte Perspektiven liefern und dass die Unbefangenheit, die viele junge Leute mitbringen, als Chance gesehen werden sollte.

Mir ist natürlich klar, dass ich noch nicht so viel Lebenserfahrung habe. Aber wichtiger ist doch, wie gut man seine Aufgaben erfüllt.

Konstantin Feist sieht sein Alter als Chance an

Wie sieht dein Alltag als stellvertretender Parteivorsitzender aus?

Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe das Amt erst seit etwa einem Monat und wir sind gerade noch in der Findungsphase. Wir hatten jetzt beispielsweise unseren ersten Vorstandsworkshop. Wir haben uns zu siebt in Berlin in unserem Büro getroffen und erst mal ganz grundsätzliche Sachen diskutiert, unter anderem, wo wir mit Volt Deutschland in den nächsten zwei Jahren hinwollen. Wir Vorstandsmitglieder sind sehr verstreut, ich beispielsweise wohne in Leipzig, einige leben in Berlin, aber auch in München und jetzt in Karlsruhe. Wir kommunizieren daher viel online und halten Telefonkonferenzen ab. Im Endeffekt geht es darum, die Partei zu managen, den verschiedenen Bereichen eine gewisse Strategie vorzugeben und eine Vision mit Meilensteinen zu entwickeln, um zu zeigen, wo man hinmöchte.

Und wo siehst du Volt in fünf Jahren?

In fünf Jahren sind natürlich wieder Europawahlen und da würde ich mir wünschen, dass wir europaweit einziehen und Fraktionsstärke erreichen. Ich fände es super, wenn wir auf allen politischen Ebenen in Deutschland Abgeordnete hätten. Und dass wir die Zeit, die wir jetzt schon im Europaparlament haben, nutzen können, um ein paar kleinere Ziele umzusetzen.

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Es macht mir unglaublich viel Spaß, meine Meinung und meine Recherchen mit euch zu teilen. Nach einigen Stunden Arbeit den fertigen Artikel vor mir oder eine Woche später sogar in der Zeitung zu sehen, macht mich jedes Mal unglaublich stolz und glücklich. Meine Lieblingsthemen sind Politik und alles was mit Gesellschaft und Umwelt zu tun hat.