Interview

„exclamo“: Drei Berliner Schüler entwickeln Anti-Mobbing-App

Die drei "exclamo"-Gründer Kai Lanz, Julius de Gruyter und Jan Wilhelm wollen Mobbingopfern helfen.
Die drei "exclamo"-Gründer Kai Lanz, Julius de Gruyter und Jan Wilhelm wollen Mobbingopfern helfen.
Mobbingopfern helfen – das war die Vision der Berliner Schüler Kai Lanz, Julius de Gruyter und Jan Wilhelm. Sie entwickelten die App „exclamo“, die genau das bewirken soll. Aufgrund ihrer eigenen Mobbingerfahrung engagiert sich die Interviewführerin als „exclamo“-Botschafterin. Ihre Nominierung (Top 16 aus Berlin) zur Miss Germany Wahl 2020 soll dabei helfen, noch mehr Aufmerksamkeit auf die Problematik zu lenken.

Von Anastasia Barner, funky-Jugendreporterin Berlin

Wie genau funktioniert „exclamo“?

Kai: Schülerinnen und Schüler einer „exclamo“-Schule haben die Möglichkeit, anonym Mobbingfälle zu melden und mit Lehrern in Kontakt zu treten. Mit „exclamo“ verbinden wir eine niedrige Hemmschwelle durch Anonymität, wie zum Beispiel bei der „Nummer gegen Kummer“, mit dem direkten Lehrerkontakt, der eine hohe Effektivität in der Lösung von Fällen erlaubt. Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen, sodass auch persönliche Treffen zustande kommen. Wer anonym bleiben möchte, bleibt durch die entsprechende Verschlüsselung aber auch wirklich anonym. Die App listet außerdem verschiedene Kontakte, wo außerhalb der Schule Hilfe gesucht werden kann.

Warum eine App?

Das Smartphone ist der Alltagsgegenstand unserer Generation schlechthin. Daher stand außer Frage, dass eine App das beste Format ist.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Wart ihr selbst von Mobbing betroffen?

Kai: Wir selbst waren zum Glück nie wirklich von Mobbing betroffen, haben aber natürlich in zwölf Jahren Schulzeit einiges mitbekommen. Zudem wurden wir am Canisius-Kolleg durch den humanistischen Hintergrund der Schule sehr für den Einsatz für andere Menschen und das Allgemeinwohl sensibilisiert.

Wie lief die App-Entwicklung von der Idee bis zur Umsetzung ab?

Kai: Die konkrete Idee kam während eines Schulwettbewerbs von der Boston Consulting Group. Damals war alles nur theoretisch. Danach habe ich aber gedacht: Wir haben jetzt so viel Zeit reingesteckt – das muss ich umsetzen. Nachdem der Rest des bisherigen Teams uns verlassen hatte, habe ich Julius für den Bereich Sales und Jan für die Programmierung reingeholt. Jan hat alles selbst entwickelt, teils mit der Unterstützung durch zwei weitere Schüler.

Ihr macht „exclamo“ gerade noch einmal ganz neu, richtig?

Kai: Genau. Seit ein paar Monaten gibt es eine BETA-Version, eine noch nicht fertiggestellte Version des Programms. Aktuell entwickeln wir aber noch mal alles neu. Wenn die neue Version startet, freuen wir uns sehr über Schulen, die das bei sich integrieren möchten.

Die Schule muss sich ja bei euch registrieren. Zeigen die Schulen sich kooperativ?

Kai: Es gibt einige Schulen, die sehr gerne solche Lösungen bei sich integrieren möchten und offen sind. Andere Schulen akzeptieren leider gar nicht, dass es bei ihnen überhaupt Probleme wie Mobbing gibt. Im November starten wir mit der fertigen App im deutschsprachigen Raum – zum zweiten Schulhalbjahr auch sehr großflächig.

Seid ihr bisher zufrieden mit der Nutzung?

Julius: Bisher hatten wir mit dem Prototypen nur einen kleinen Testlauf vor den Sommerferien. Wir sind gespannt, wie die Resonanz ab November ist, wenn wir an mehreren Schulen starten und die ersten richtigen Ergebnisse bekommen.

Habt ihr das Gefühl, dass ihr Schülern schon wirklich helfen konntet?

Julius: Ja! In Gesprächen mit verschiedenen Schülern und Betroffenen ist uns aufgefallen, wie schwierig es häufig ist, sich bei Mobbing Hilfe zu holen. Häufig haben wir die Rückmeldung bekommen, dass ein direkter, anonymer Kontakt innerhalb der Schule genau das Richtige wäre.

Du willst mehr? Du bekommst mehr!

Oh, I am feeling so funky! Seit ich denken (oder besser gesagt schreiben) kann, interessieren mich Menschen und deren Geschichten. Ob es nun John Cena oder mein Großvater ist – jede Story ist es wert erzählt zu werden. Ich gebe denjenigen eine Stimme, die gehört werden möchten. Zu dem arbeite ich für das Konferenzformat TEDx in einer Agentur. Irgendwas mit Medien eben. Bin ja auch echte Berlinerin.