Best friends forever?

zwei Mädchen sitzen zusammen
Komplizierter aber nicht unmöglich: Nach dem Kindergarten noch beste Freunde zu finden (c) Getty Images
Im Kindergarten war es noch ganz leicht, Freunde zu finden. Aber was, wenn wir nicht mehr einfach Mutter-Vater-Kind spielen können?
Von Katharina Warnecke Soto

Zwei Elefanten als Symbol für Freundschaft

BFFs und Cliquen-Chaos: In dieser Serie widmet sich funky dem Thema Freundschaft.

Ein bester Freund oder eine beste Freundin: Was ist das eigentlich? Spontan würde man wohl an jemanden denken, dem man vertraut. An eine Person, dessen Rat man sucht, wenn man selbst ratlos ist. An jemanden, dem man als Erstes von einem interessanten Erlebnis erzählen würde, um sich dann ausführlich darüber zu unterhalten. Jemanden, mit dem man auch mal zusammen nichts reden kann, ohne dass gleich eine unangenehme Stille entsteht. Jemanden, der jede unserer Facetten kennt, sogar die verrückten, und mit dem Lachen ganz einfach ist.

Gibt es für jeden einen Ron Weasley?

Aber gibt es so jemanden überhaupt? Einen, der alle Kriterien einer makellosen Freundschaftsvorstellung erfüllt? Sozusagen unser Ron Weasley, unseren Baloo, unseren Samweis Gamdschie?

Laut einer Online-Umfrage des Sinus-Instituts für Markt-und Sozialforschung aus dem Jahr 2018 haben 66 Prozent der Deutschen einen besten Freund oder eine beste Freundin. Dagegen steht die Jacobs-Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2014, bei der 59 Prozent der Befragten angaben, keinen besten Freund oder eine beste Freundin zu haben und sich auch nicht danach sehnen würden. Die Antwort auf die Frage, was ein bester Freund überhaupt ist, scheint also eine sehr individuelle zu sein.

Wichtig ist vielleicht aber auch nur, überhaupt Freunde zu haben, wie auch Franz J. Neyer, Professor für Persönlichkeitspsychologie und psychologische Diagnostik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, betont. Schließlich verstehen Freunde einen auf eine ganz andere Art und Weise als die Familie. Neyer sagt daher, man sollte jegliche Probleme auf jeden Fall ansprechen, anstatt sich vernachlässigt zurückzuziehen. Denn wie auch jede andere Art von Beziehung ist Freundschaft Arbeit. Und eine gewisse Ausgewogenheit oder auch ein gleichmäßiges Geben und Nehmen seien essenziell, um Freundschaften auf Dauer zu ermöglichen.

Je älter desto wählerischer

Die werden nämlich mit zunehmendem Alter meist aufwendiger und komplizierter. Im Kindergarten war alles, aus jetziger Sicht, noch ganz einfach. Man hat ein paar Mal gemeinsam Vater-Mutter-Kind gespielt oder seine Kekse geteilt und schon ist man an Wald-Tagen nicht mehr allein auf Regenwurm-Suche gegangen. Manchmal wurde die Sache dann mit der typischen „Wollen wir Freunde sein?“- Frage noch offiziell gemacht. Laut der Studie des Genetikers und Nobelpreisträgers Jeffrey C. Hall sind übrigens etwa 200 Stunden gemeinsam verbrachte Zeit nötig, damit aus neutralen Bekannten beste Freunde werden.

Schwierig wird es, wenn das gemeinsame Spielen dem Büffeln für Klausuren weichen muss oder dem Nebenjob oder einem Hobby. Dann schrumpft der Freundeskreis zumeist. Das wird laut Neyer noch dadurch verstärkt, dass man, je älter man wird, wählerischer wird. Das liegt wahrscheinlich vor allem an der eigenen Entwicklung und dass man bei einem Freund nach einer Weile nach mehr als einem Spielgefährten sucht. Man möchte sich auf jemanden verlassen können, seine Gedanken mit diesem Menschen teilen können. Und die Interessen müssen ähnlich gelagert sein. Natürlich hat man keine Checkliste, nach der der Freundeskreis ausgesiebt wird oder die neue potenzielle Freunde zu 80 Prozent erfüllen müssen. Oft spürt man relativ schnell, ob man sich versteht oder nicht. Allerdings wird man verschlossener und akzeptiert weniger Makel, als man es als Kind getan hat.

Vielleicht ist es wie mit dieser „großen Liebe“: Manche glauben daran, eines Tages auf diese eine und einzige Person zu treffen, durch die das eigene Leben erst komplett wird. Andere sagen, jeder begegnet im Laufe seines Lebens mehreren Menschen, die gerade optimal zu einem passen – und später, wenn man sich selbst weiterentwickelt hat, eben nicht mehr. Vielleicht sind beste Freunde die, zu denen wir über viele Jahre hinweg Kontakt pflegen. Auch wenn sich die Art der Freundschaft und die Intensität verändern. Verzichten kann und will man auf sie nicht.

Titelbild: Getty Images

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funky Redaktion

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