Jana Crämer und Batomae sind beste Freunde und Projektpartner: In Schulen singen und lesen sie, um gegen Mobbing vorzugehen. Im Interview sprechen die beiden über Essstörungen, Social Media und einen großen Vertrauensbeweis.
Von Charleen Reinsch

„Hey, ich bin Jana und ich bin essgestört“, so stellt sich Jana Crämer in ihrem Blog endlich-ich.com selber vor. Zusammen mit dem Musiker Batomae, der schon mit Wincent Weiss und Namika im Studio war, liest sie bei Konzertlesungen an Schulen aus ihrem Buch „Das Mädchen aus der 1. Reihe – unzensiert“ und bricht somit das Schweigen über Essstörungen. Er macht die passende Musik dazu. Nun haben die beiden neben ihrem gemeinsamen Musik-Literatur Projekt gegen Mobbing auch noch einen Podcast: „Schweigen ändert nichts“. Zeit, zu reden.

Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

Batomae: Wir haben uns 2011 bei der Band ‚Luxuslärm‘ (Zu der Zeit eine der erfolgreichsten deutschen Bands, Anm. d. Red.) kennengelernt. Da bin ich als Bassist neu eingestiegen und Jana war, so wurde sie uns damals vorgestellt, Marketingmanagerin und Social Media-Beauftragte.

Jana: Den Fanclub hab ich auch geleitet.

Batomae: Genau und da haben wir uns erstmal nur angezickt. Weil ich gedacht habe: ,,Yeah, jetzt werde ich Rockstar“ Und Jana hat mir dann ganz schnell Beine gemacht.

Jana: Wenn ich ihn überhaupt gefunden habe, denn er war meistens weg.

Irgendwann hat Sie mir das allergrößte Komliment gemacht: Sie hat mir ihr Tagebuch gegeben.

Seit diesem Vertrauensbeweis sind Jana und Batomae unzertrennlich.

Batomae: Wenn man nicht gefunden wird, kann man auch keinen Anschiss bekommen. Irgendwann haben wir uns dann so viel gestritten, dass wir uns immer besser kennengelernt haben und dann haben wir angefangen zu quatschen und gemerkt, dass wir gar nicht so unterschiedlich sind. Also eigentlich sind wir sehr unterschiedlich, aber wir haben die gleichen Vorlieben und es ist halt wie mit Magneten: Plus und Minus zieht sich an. Irgendwann hat sie mir dann das größte Kompliment gemacht, was man einem besten Freund machen kann: Sie hat mir ihr Tagebuch gegeben.

Jana: Und dann wusstest du alles von mir und von meinem dunkelsten Geheimnis.

Batomae: Wir waren zu dem Zeitpunkt zusammen auf Tour und jedes Wochenende hat sie mir wieder ins Gesicht geschaut und hat versucht zu lesen, wie weit ich schon gekommen bin. Aus diesem Anfangsmut ist eigentlich unsere Freundschaft entstanden.

Info: Jana Crämer wog einmal 180 kg und hat mittlerweile über 100 davon abgenommen. In diesem Tagebuch hat sie den Frust über ihre Essstörung zu Papier gebracht.

Wie bist du denn damals damit umgegangen, als Jana dir das anvertraut hat?

Batomae: Für mich ist das heute schon so selbstverständlich, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich damals reagiert habe, aber ich glaube, ich hab ganz cool reagiert, sonst würden wir heute hier nicht sitzen. Sie hat ja nicht gehofft, dass wir dadurch Freunde werden, sondern ich hab’s so wahrgenommen, dass sie mir irgendwie doch klar machen wollte, dass sie scheiße ist und ich das auch endlich erkennen sollte, damit ich sie wieder in Ruhe lasse, damit sie sich wieder in ihre Höhle verkriechen kann.

Ich habe darauf gewartet, dass er mich endlich auch so eklig findet, wie ich mich selbst.

Lange war Jana mit ihrem Körper unzufrieden. Mittlerweile hat sie es geschafft, sich so zu akzeptieren, wie sie ist.

Jana: Ich habe quasi darauf gewartet, dass er mich endlich auch so eklig findet, wie ich mich selbst. Es kam nicht. Was mich damals auch auf die Palme gebracht hat, weil er das alles gar nicht so negativ gesehen hat.

Jana Crämer und Batomae

Das neue Baby von Jana und Batomae: der Podcast „Schweigen ändert nichts“. (c) Instagram/ jana_craemer_dmad1r

Was kann man jetzt betroffenen Personen raten? Wie kann man mit sowas umgehen, wie sollte man mit sowas umgehen?

Jana: Genau das ist es, es ist so unterschiedlich. Bei dem einen funktioniert das Ansprechen super gut, beim anderen nicht. Vielleicht bleibt man eher bei sich, indem man sagt ,,Hey, ich mach mir Sorgen um dich!“

Wie ist das mit Social Media bei euch? Könnt ihr abschätzen, wie oft ihr nur dafür auf euer Handy schaut?

Batomae: Das kann ich dir ziemlich genau sagen, wenn ich auf’s Handy schaue. Gehen wir mal von Jana aus, heute ist sie am Reisen, dementsprechend ist es ein bisschen mehr, um genau zu sein 41 Minuten über dem Durchschnitt. Wir haben jetzt 15.16 Uhr und Jana war heute vier Stunden am Handy. War 2,5 Stunden in Social Media unterwegs, 19 Minuten produktiv und 17 Minuten lesen und nachschlagen.

Jana: Ich hab ja zum Glück meinen Rechner, um zu schreiben, das Handy ist ja quasi nur für social Media und Mails.

Batomae: Ist ja auch immer so eine Sache…

Jana: …wir machen es beruflich.

Batomae: Wir sind ja auch viel unterwegs und es läuft viel über Snaps, aber ich würde schon sagen, dass ich zwei Stunden am Tag mindestens verdöddel, wenn ich nur durch die Chroniken swipe. Alleine auf Instagram, woanders bin ich gar nicht.

Ich finde, Social Media ist ein zweischneidiges Schwert.

Zwar schätzt Jana den Kontakt mit ihren Fans, jedoch schaffen Medien wie Instagram hohe Erwartungshaltungen, wenn es zum Beispiel ums Aussehen geht.

Jana: Ich finde, dieses Social Media ist so ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite ist es total schön, mit Fans in Kontakt zu sein. Ich finde es ist eine tolle Sache, sich da auszutauschen und inspirieren zulassen, wenn es gute Dinge sind, aber es ist auch ein unglaublicher Gefühlskiller, wenn es um Vergleiche geht. Wenn du einer bestimmten Person folgst und eigentlich ist es ne ziemlich spannende Person, aber sie benutzt halt diese Hashtags, sei es Bodychallenge oder irgendein Kram, und auf einmal bist du in diesem Algorithmus drin und dir werden plötzlich Sachen angezeigt, da wird mir ganz anders. Und dann wird es zu einem Druck, der sich aufbaut.

Gibt es Tage, wo ihr das Handy weglegen müsst?

Jana: Bei mir gar nicht, es ist das erste, wo ich morgens drauf schaue und das letzte abends.

Batomae: Ich versuche es immer öfter weg zu legen. Genau so ist meine neue Single „Niemand ist wie du“ entstanden: Nicht selten feiern wir in den sozialen Netzwerken ja besonders die Menschen, die in unserem wahren Leben überhaupt keine Rolle spielen. Als ich mich selbst daran erinnert habe, öfter mal vom Handy aufzuschauen, war ich umgeben von Menschen, die es wirklich verdient haben, gesehen zu werden und ein Dankeschön zu hören, weil sie jeden Tag aufs Neue alles geben. Genau an euch geht ‚Niemand ist wie du‘.

Beschreibt euch doch mal gegenseitig in drei Worten!

Jana: Positiv, bedingungslos, seelenverwandt!

Batomae: Kompromisslos, liebevoll, Dickkopf!

Titelbild: Eckard Albrecht