So war es beim internationalen Klimastreik in Aachen

Viele junge Menschen demonstrieren in Aachen für mehr Klimaschutz (c) dpa
Der erste zentrale internationale Klimastreik fand da statt, wo die größte CO2-Schleuder Europas ihr Zuhause hat: imin Aachen im Rheinland. (c) dpa
Am 21. Juni 2019 fand in Aachen die erste internationale „Fridays for Future“-Demo statt. Ich war dabei und habe gemeinsam mit 40.000 Menschen demonstriert – für eine bessere Klimapolitik und gegen die Braunkohle.

Aachen liegt nur wenige Kilometer vom rheinischen Braunkohlerevier entfernt, wo der Stromkonzern RWE Braunkohletagebau betreibt. Die Wahl des Ortes war also keineswegs zufällig. Die Bewegung „Fridays for Future“ hatte schon im April zum internationalen Klimastreik am 21. Juni in Aachen aufgerufen. Unter dem Motto „Climate Justice without Borders“ kamen Jugendliche aus ganz Deutschland und Europa am Ort des größten Umweltsünders Europas, dem rheinischen Braunkohlerevier zusammen.

Zugegeben, bin ich ein relativ unerfahrener Mensch, was Demonstrationen betrifft. Ich war erst bei drei Demonstrationen, bevor ich nach Aachen gefahren bin. Doch diese gigantische Demo wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Zunächst wurden 50.000 Teilnehmer angekündigt, dann 20.000 und keiner wusste, wie viele es nun wirklich sein würden. Am Abend vor der Demo habe ich ganz gebannt mit einem Freund die Livestreams des Organisationsteams geschaut und gesehen, wie ein Sonderzug nach dem anderen am Hauptbahnhof in Aachen ankam und die Aussteigenden den ganzen Bahnhof fluteten.

Erstmal den Zug schmücken

Früh am nächsten Morgen haben wir dann den Zug genommen. Auch wenn es kein „Fridays for Future“-Sonderzug war, bestimmte die Demo alles in diesem Zug. Die Ortsgruppe, mit der wir angereist sind, schmückte schon kurz nach dem Einstieg den Zug mit ihren Bannern und Fahne. Vor Aachen bestand der Zug quasi nur noch aus Demoteilnehmenden und die Stimmung spiegelte genau das wieder.

Mit vielen Bannern, Plakaten, Fahnen und guten Sprüchen im Gepäck zogen wir vom Bahnhof Richtung Demobeginn und reihten uns ein. Die Stimmung war euphorisch und motiviert. Es wurden Reden gehalten, Parolen eingeübt und um Punkt zwölf liefen wir los, quer durch Aachens Innenstadt.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich vor lauter Menschen schon keine Straße mehr sehen, doch ich war nur Teil eines kleineren Demozuges. Die insgesamt drei Demozüge liefen dann irgendwann zusammen. So kam es, dass wir eine Viertelstunde warten mussten, bis wir uns hinter einem anderen Teil der Demonstration einreihen konnten, weil es so viele Menschen waren. Nach etwa zwei Stunden hatten sich alle Gruppen zu einer großen Demo zusammengeschlossen und zogen dann zum Stadion Tivoli.

Die Parolen sitzen

Wir liefen gemeinsam durch die Stadt und es wurden durchgehend Parolen gerufen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“, „hopp, hopp, Kohlestopp“, sind nur zwei Beispiele. Es gab auch viele Sprüche auf Englisch, um die Internationalität herauszuheben.

Auf einer Anhöhe vor dem Stadion konnte ich zum ersten Mal die Menschenmassen überblicken. Es war unglaublich. Hinter mir und vor mir war in dem Menschenmeer kein Ende zu sehen. Ein wahrer Gänsehautmoment. Am Tivoli angekommen haben wir uns, insofern möglich, vor einer Bühne versammelt, auf der dann Künstler aufgetreten sind und Reden gehalten wurden.

Auch wenn das Stadion selber nicht genutzt werden konnte, war das gesamte Außengelände für die Demo vorbereitet worden und was dabei besonders wichtig ist, alles von jungen Menschen. Ich bin an dem Treffpunkt fürs Organisationsteam vorbeigegangen und ich habe dort niemanden gesehen, der älter als 25 aussah. Viele junge Menschen, teilweise noch Kinder, die wochenlang alles gegeben hatten, damit diese Demo rund läuft.

Was am meisten berührt: die Zusammenarbeit von Jugendlichen aus ganz Europa

Sie haben eine wunderbare Arbeit gemacht. Es gab keine Ausschreitungen, ich habe nur wenige Sanitätereinsätze gesehen und auf die plötzliche Hitze haben sie sehr professionell reagiert und sofort Wasser zur Verfügung gestellt. Ich habe alles als perfekt organisiert und durchgeführt empfunden. Das ist auch der Punkt, der für mich im Nachhinein am meisten Gewicht hat: Die Zusammenarbeit von Jugendlichen aus ganz Europa, um ein gemeinsames Ziel zu vertreten.

Nachdem die Veranstaltung gegen 18 Uhr beendet wurde, bin ich sehr erschöpft, müde und ein bisschen heiser nach Hause gefahren. Im Gepäck hatte ich schon zu diesem Punkt viele tolle Erinnerungen an diese Gelegenheit meine Meinung gemeinsam mit vielen anderen zu vertreten. Dieses Erlebnis werde ich nicht vergessen.

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Conrad J. Bornemann

„Selber Erleben und das Erlebte aufschreiben!“ Ich liebe das Schreiben und das Fotografieren. Mit Fotos kann man unglaubliche Momente visuell festhalten und mit dem Schreiben kann man Witziges, Faszinierendes, Trauriges, Lehrendes und vieles mehr vermitteln. Es ist eine spezielle Art sich auszudrücken. Häufig denkt man über das, was man sagt nur kurz nach, aber wenn man schreibt, sind es wohl gewählte Worte und alles hat einen Sinn.